Sog der Kälte: Sieben sterben den Kältetod, drei überleben. Was hat sie gerettet?
„Nur nicht einschlafen“, dachte sich Tommaso Piccioli in jener Nacht, als seine Gruppe sich im Schneesturm verirrt hatte. Sieben von ihnen starben den Kältetod, er selbst überlebte nur knapp. Was hat ihn gerettet?

Am Vorabend der Katastrophe isst Tommaso Piccioli, so wird er sich später erinnern, in der gut beheizten Berghütte noch drei Teller Suppe. Als einige Mitglieder der Skigruppe seinen Hunger bemerken, sagt Piccioli: „Am Berg isst man besser viel, man weiß nie, was am nächsten Tag passiert.“
Die Skitourengeher sind auf der „Haute Route“ unterwegs, der legendären mehrtägigen Tour in den Walliser Alpen. Sie führt von Chamonix nach Zermatt. Für viele von ihnen geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Auch für Tommaso Piccioli, den 59-jährigen Architekten aus Mailand. Doch die Wettervorhersagen melden eine Sturmfront aus Süden.
In der Hütte Cabane des Dix auf knapp dreitausend Metern, gemauert aus Schiefergestein und umgeben von imposanten Westalpen-Gipfeln, sind zu diesem Zeitpunkt rund sechzig Menschen. Während sich die meisten von ihnen entscheiden, in der Hütte auf eine Wetterbesserung zu warten, macht sich Picciolis Gruppe am nächsten Morgen auf den Weg.
Der Schneesturm bricht gegen Mittag über sie herein – und er ist stärker als erwartet. Mit Windböen über einhundert Kilometer pro Stunde und einem Temperatursturz auf minus zwanzig Grad. Diejenigen, die das Unwetter überleben, werden später von dreißig Zentimeter langen Eisbärten aus gefrorenem Atem berichten, von Märschen auf Knien, um von den Böen nicht umgerissen zu werden.
Piccioli und seine Gruppe werden ihr Etappenziel an diesem Tag, die Cabane des Vignettes, völlig orientierungslos nicht mehr erreichen. Sie verfehlen es ganz knapp und müssen die Nacht im Freien verbringen, nur fünfhundert Meter von der schützenden Hütte entfernt.
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