Alpine Berufe im Check

Arbeiten am Berg: Vom Bergführer bis zum Schnapsbrenner

Den Tag mit Blick auf die Berge starten – das ist für viele begeisterte Bergsportler ein Traum. Mal abgesehen vom Bergführer gibt es etliche verschiedene Berufsbilder, mit denen Mann und Frau im Gebirge ihr Geld verdienen können. Wir stellen euch die schönsten, spannendsten und außergewöhnlichsten alpinen Beruf vor.

Arbeiten am Berg: Vom Bergführer bis Schnapsbrenner
© Kevin Prossegger

Arbeiten am Berg: Die Berge im Blick

Die Berge locken nicht nur Wanderer und Bergsteiger, sondern auch Menschen, die hier ihren ganz persönlichen Traumjob finden wollen. Die gute Nachricht? Es gibt nicht DIE eine Karriere in den Bergen, sondern unzählige kreative Möglichkeiten umgeben von atemberaubenden Gipfeln, frischer Bergluft und einer Postkarten-Kulisse zu arbeiten. Wir stellen euch einige der spannendsten alpinen Jobs vor:

1. Bergführer: Viel mehr, als das Hobby zum Beruf zu machen

Der Beruf des Bergführers ist eine faszinierende Kombination aus Leidenschaft, Professionalität und Naturverbundenheit. Wer diesen Weg wählt, verbindet Abenteuer mit höchster Verantwortung für Menschenleben.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll und fordert nicht nur körperliche Fitness, sondern auch umfangreiches Fachwissen. Bergführer sind hochqualifizierte Experten, die Tourenplanung, Risikomanagement und Sicherheit perfekt beherrschen müssen. Sie navigieren souverän durch alpine Herausforderungen - von leichten Wanderungen bis zu technisch anspruchsvollen Kletterrouten.

<p>Die Arbeit als Bergführer ist sicher abwechslungsreich.</p>

Die Arbeit als Bergführer ist sicher abwechslungsreich.

© Hagen Bogensperger

Ihr Arbeitsfeld ist vielseitig: Sie können in Bergschulen arbeiten, Privattouren organisieren oder internationale Expeditionen begleiten. Wichtigste Kompetenzen sind fundierte Geländekenntnisse, meteorologisches Verständnis und die Fähigkeit, schnell und präzise Entscheidungen zu treffen.

12 faszinierende Fakten über den Beruf des Bergführer, die garaniert nicht alle kennen: 

2. Hüttenwirt: Traumjob für Bergbegeisterte

Zwischen Fels und Firn managen Hüttenwirte kleine alpine Oasen und Rückzugsorte in den Bergen. Ihre Aufgaben? Alles! Von der Gästeverpflegung über Reparaturen bis zur Wetterberatung. Ein echter Hüttenwirt braucht mehr als nur gute Laune - er ist ein echter Allrounder. 

<p>Sieglinde Rieser und Josef Langreiter vom Niedersachsenhaus sind Hüttenwirte aus Leidenschaft.</p>

Sieglinde Rieser und Josef Langreiter vom Niedersachsenhaus sind Hüttenwirte aus Leidenschaft.

© Romy Robst

Er muss kochen können (oder die richtigen Leute dabei haben), handwerkern und Gäste betreuen. Der Arbeitsalltag ist dabei sicher so abwechslungsreich wie die Berglandschaft um die Hütte herum: Morgens Wettercheck, mittags Hütte auf Vordermann bringen, abends hungrige Wanderer mit deftigem Essen verwöhnen. Bei Wind und Wetter, manchmal nur per Seilbahn erreichbar, sorgt der Hüttenwirt dafür, dass Bergsteiger eine sichere Zuflucht finden.

3. Nationalpark-Ranger: Hüter der Natur

Der Nationalpark-Ranger ist ein echter Naturprofi, der seine Arbeit mit Leidenschaft und Engagement ausführt. Er bewegt sich täglich in den atemberaubenden Berglandschaften und ist Experte für die komplexen Ökosysteme in den alpinen Regionen.

Sein Aufgabenspektrum ist enorm vielfältig: Er führt Besuchergruppen über alpine Wanderwege, erklärt die Besonderheiten der Bergflora und -fauna und vermittelt Wissen über Naturschutz. Dabei muss er die Interessen von Tourismus, Almwirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz in Einklang bringen.

<p>Die Ergebnisse der Quellbeprobung werden von einem Ranger festgehalten. </p>

Die Ergebnisse der Quellbeprobung werden von einem Ranger festgehalten. 

© Timm Humpferer

Der Ranger dokumentiert wissenschaftlich die Entwicklungen in seinem Gebiet, kümmert sich um die Instandhaltung von Wegen und Einrichtungen und schützt gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Er arbeitet eng mit Forschern, Behörden und lokalen Gemeinden zusammen. Seine Arbeit erfordert nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch körperliche Fitness, Durchhaltevermögen und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. 

4. Berg-Fotograf: Die Berge im Sucher

Bergfotografie ist eine faszinierende Mischung aus Abenteuer, technischem Können und künstlerischer Vision. Bergfotografen sind Geschichtenerzähler, die die Wildheit, Schönheit und Verletzlichkeit der Bergwelt in ihren Aufnahmen festhalten. Der Weg zum Bergfotografen beginnt meist mit einer tiefen Leidenschaft für Berge und Fotografie. Man braucht nicht nur technisches Wissen, sondern auch eine gehörige Portion Durchhaltevermögen, Fitness und die Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen cool zu bleiben. Eisige Winde, steile Hänge und unberechenbares Wetter sind Teil des Jobs.

Michael Martin gehört zu den bekanntesten Outdoor-Fotografen Deutschlands, seine Vorträge, Bücher und Filme haben ihn berühmt gemacht. Der Chef-Juror der ALPIN PICs kann ein Lied davon singen: "Seit 45 Jahren reise ich um die Erde, um Naturlandschaften und die dort lebenden Menschen zu fotografieren. Von Anfang an waren dabei auch Berge und Gebirge meine Motive, zunächst in den Wüsten der Erde, dann in Arktis und Antarktis und heute weltweit. Mich faszinieren in den Bergen die mal schroffen, dann wieder ästhetischen Formen, das dauernd wechselnde Licht und die Unberührtheit der Natur, die sich aus schwieriger Zugänglichkeit ergibt.", so der Abenteuerer.

<p>Unterwegs in den Bergen dieser Welt.</p>

Unterwegs in den Bergen dieser Welt.

© Michael Martin

Die meisten Bergfotografen arbeiten freiberuflich und kombinieren Aufträge von Magazinen, Verlagen und Werbeagenturen mit eigenen Projekten. Erfolg bedeutet hier nicht nur technische Perfektion, sondern die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, die Menschen berühren. Wie etwa mit spannenden Vortrags-Reihen. Michael Martin hat mit seinen Multivisionsshows ein Millionpublikum begeisert. 

"Weder die 30 Bücher noch die vielen Fernsehfilme, die ich produziert habe, haben meine Reisen und unser Leben finanziert, es sind die Vorträge, also die Honorare der Veranstalter beziehnungsweise die Eintrittsgelder des Publikums. Da meine Vortrags-Tournees in den den letzten 45 Jahren oft ausverkauft waren, konnte ich damit unabhängig von Sponsorgeldern meine Reisen, meine Technik und mein Leben finanzieren. Damit kann ich seit 45 Jahren von meinen persönlichen Traumberuf leben."

5. Maskenschnitzer: Mehr Berufung als Beruf

Wenn es um Maskenschnitzen geht, dann ist das mehr als nur ein Handwerk - es ist eine Leidenschaft, die tief in Tradition und Brauchtum verwurzelt ist. So war es auch bei Marius Brandner: Schon als junger Bursche hat er angefangen, Masken zu schnitzen, zunächst einfach nur für sich selbst. Seine erste Maske bedeutet ihm bis heute sehr viel.

<p>Feinarbeit: Mit dem Schnitzeisen geht der Handwerker in die Details.</p>

Feinarbeit: Mit dem Schnitzeisen geht der Handwerker in die Details.

© Kilian Pfeiffer

Für Maskenschnitzer wie ihn ist es eine echte Herzensangelegenheit, mit Holz zu arbeiten. Ob Perchtenkopf, Krampusmaske oder eine verrückte Showlauf-Fratze - jede Maske erzählt ihre eigene Geschichte und erfüllt die individuellen Wünsche des Kunden.

Was als Hobby begann, ist für viele zum Beruf geworden - fast schon so etwas wie eine Berufung. Mit Händen, die Holz wie eine Sprache verstehen, und einem Blick für Details zaubern sie Unikate, die Tradition und persönlichen Stil perfekt vereinen. Für sie steht das Brauchtum über allem - und das spürt man jeder einzelnen Maske an.

6. Rundfunkjournalist: Alles andere als Langweilig

Der Beruf des Rundfunkjournalisten ist alles andere als langweilig - vor allem, wenn sich die Inhalte der Beiträge um die Berge drehen! Er ist Geschichtenerzähler, Wetterexperte und Abenteurer in einer Person. Vor allem wenn es sich um Rundfunkjournalisten in Sendungen wie "Rucksackradio" oder "Bergauf-Bergab" handelt.

Morgens wird am Schreibtisch recherchiert, mittags ist man vielleicht schon auf einer Skitour und abends schneidet man die Beiträge. Das "Rucksackradio" auf Bayern 2 ist eine Sendung, die Bergfreunde seit Jahren begeistert. Hier geht es nicht nur um trockene Fakten, sondern um lebendige Reportagen, die Lust aufs Bergsteigen machen.

<p>Teil von Rundfunkjournalist Sebastian Nachbars Arbeit: Interviews mit prominenten Alpinisten wie Reinhold Messner.</p>

Teil von Rundfunkjournalist Sebastian Nachbars Arbeit: Interviews mit prominenten Alpinisten wie Reinhold Messner.

© Archiv Nachbar

"Bergauf-Bergab" ist der Klassiker unter den Bergsendungen - seit 1975 on air! Die Moderatoren (derzeit Michi Düchs) sind erfahrene Berggeher und wissen, wovon sie sprechen. Sie zeigen nicht nur die spektakulären Seiten der Berge, sondern auch deren Herausforderungen.

Was den Rundfunkjournalisten auszeichnet? Er muss fit sein - nicht nur im Kopf, sondern auch körperlich. Ein Interview führen und gleichzeitig einen Berg hochklettern, das will gelernt sein. Kurz gesagt: Rundfunkjournalisten in Bergsendungen sind Profis, die Leidenschaft und Professionalität perfekt kombinierenund und damit den Zuhöreren Lust auf Abenteuer machen - und das direkt aus der Sendung heraus!

7. Meteorologe: Dem Wetter auf der Spur

Meteorologen und Klimaforscher sind Experten für Wetter, Klima und atmosphärische Phänomene. Sie beobachten, messen und analysieren verschiedene Wetterparameter wie Temperatur, Luftdruck, Windstärke und Niederschlag. Um Wetterverhersagen zu erstellen und Klimaveränderungen zu verstehen nutzen sie unterschiedliche Messgeräte, Satellitendaten und Computermodelle.

<p>Die Meteorologin Elke Ludewig in ihrem Element.</p>

Die Meteorologin Elke Ludewig in ihrem Element.

© Imago/Eibner Europa

Ein herausragendes Beispiel für solch eine Expertin ist Elke Ludewig. Die Leiterin des Sonnblick Observatoriums in Österreich, einer der ältesten Forschungsstationen im hochalpinen Bereich, beschäftigt sich intensiv mit Wolkenforschung und Klimawandel. Ihre Arbeit unterstreicht die Bedeutung der Meteorologie und Klimaforschung für das Verständnis und den Schutz unserer Umwelt.

8. Bergpfarrer: Gebet mit Tourentipp vereinen

"Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge." soll der frühere Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher einmal gesagt haben. Wenngleich die Entfremdung von den christlichen Kirchen zunimmt, die Nachfrage nach Wanderungen auf Pilgerwegen – wie dem Jakobsweg oder dem Pilgerweg "Hoch und Heilig" in Osttirol – steigt.

<p>Peter Rinderer: Bergpfarrer und begeisterter Bergsteiger.</p>

Peter Rinderer: Bergpfarrer und begeisterter Bergsteiger.

© kathkirchevorarlberg

Peter Rinderer, der "Bergpfarrer" aus Vorarlberg, lebt seine Mission nicht nur in der Kirche, sondern am liebsten auf Berggipfeln. Er hat eine ziemlich ungewöhnliche Art, Glauben und Bergsport zu verbinden gefunden. Seine Philosophie? Berge sind mehr als nur Steine und Gipfel. Sie sind spirituelle Orte, an denen man Transzendenz und Sinnfragen ganz anders erleben kann als im Alltag. Eine Bergmesse auf 2000 Metern ist eben etwas anderes als ein Gottesdienst in der Dorfkirche. Damit zeigt der Bergpfarrer: Glaube kann man überall leben - besonders dort, wo die Luft dünn und die Aussicht atemberaubend ist.

Göttliche Gipfel mit Kapellen oder Bergkirchen findet ihr hier:

9. Bergbrenner: Zwischen Tradition und Handwerkskunst

Der Beruf des Bergbrenners ist ein seltenes und traditionsreiches Handwerk, das in den Berchtesgadener Alpen noch heute ausgeübt wird. Als einziger Bergbrenner Europas stellt Max Irlinger für die Enzianbrennerei Grassl, die älteste ihrer Art in Deutschland, edle Spirituosen her.

<p>Die Bergbrenner aus Berchtesgaden.</p>

Die Bergbrenner aus Berchtesgaden.

© Lara Freiburger

Die Arbeit des Bergbrenners beginnt mit der Ernte der Rohstoffe. Wurzelstechen und Beerensammeln gehören genauso zum Arbeitsalltag, wie später das Brennen. In abgelegenen Brennhütten werden diese Zutaten dann zu hochwertigen Schnäpsen verarbeitet

Der Beruf ist sehr speziell: Pro Jahr machen nur drei bis vier Lehrlinge die Ausbildung zum Destillateur, die Grundlage für den Beruf des Bergbrenners. Die meisten landen später in der Pharmaindustrie, nur sehr wenige spezialisieren sich auf die Schnapsbrennerei. Der Beruf erfordert nicht nur technisches Verständnis und Kenntnisse über chemisch-biologische Vorgänge, sondern auch Leidenschaft und Respekt für die jahrhundertealte Tradition.

10. Berg-Chronist: Geschichtensammler für die Nachwelt

Die Arbeit eines Bergsteiger-Chronisten ist eine faszinierende Tätigkeit, die weit mehr umfasst als das bloße Aufzeichnen von Fakten. Sie erfordert eine tiefe Leidenschaft für die Berge und eine ausgeprägte Fähigkeit, komplexe Erlebnisse lebendig und präzise zu dokumentieren.

Im Kern geht es darum, die Geschichten der Bergsteiger zu bewahren - ihre Kämpfe, Erfolge und Momente extremer Herausforderung. Diesem Ziel hatte sich einst Elizabeth Hawley mit ihrer Himalayan Database verschreiben. Sie wollte nicht nur technische Details wie Routen, Wetterbedingungen und verwendete Ausrüstung festhalten, sondern auch die menschliche Dimension in ihren Interviews erfassen. 

<p>Billi Bierling und Miss Elizabeth Hawley.</p>

Billi Bierling und Miss Elizabeth Hawley.

© Archiv Billi Bierling

Nach Hawleys Tod übernahm Billi Bierling die Leitung der Datenbank und führt deren Arbeit gewissenhaft fort. Bierling ist nicht nur Chronistin des Bergsteigens, sondern auch selbst eine passionierte Bergsteigerin. Sie hat zahlreiche Gipfel bestiegen, darunter den Mount Everest. Ihr fundiertes Wissen und ihre persönliche Erfahrung verleihen ihrer Arbeit zusätzliche Tiefe. 

Welch hohe Wellen die Arbeit eines Berg-Chronisten schlagen kann, konnte man im Jahr 2023 sehen, als Eberhard Jurgalski mit seinen akribischen Berechnungen dafür sorgte, dass Reinhold Messner sein Rekord als erster Besteiger aller 14 Achttausender bestiegen zu haben, aberkannt wurde. 

11. Expeditionsärztin: Mit Stethoskop und Steigeisen

In die Wiege gelegt: Die Liebe zu den Bergen kam durch die Familie: Mit 13 Jahren stand Anita Maruna auf ihrem ersten 4000er. Als 16-Jährige stieg sie im Rahmen einer Jubiläums-Expedition ihrer ÖAV-Sektion auf einen 7000er in der Bal­toro-Region in Pakistan. Auch auf dem 8027 Meter hohen Gipfel des Shishapangma stand Anita Maruna. Beste Voraussetzungen, um als Medizinerin Expeditionen zu begleiten. 

Bei Expeditionen zu Everest und Lhotse kümmert sich die Expeditionsärztin heute darum, dass sich kein Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen von seinem Traum verabschieden muss. Genauso ist sie aber auch für die einheimischen Mitarbeiter da. „Es ist schön zu sehen, dass die Einheimischen Vertrauen haben – auch einer Frau gegenüber“, sagt sie.

<p>Top of the World: Anita Maruna mit ihrem Lebensgefährten am Mount Everest.</p>

Top of the World: Anita Maruna mit ihrem Lebensgefährten am Mount Everest.

© Rpert Hauer

Zweimal stand auch Anita Maruna schon auf dem Dach der Welt. Einmal von der Nord- und einmal von der Südseite. China hat ganz klare Vorgaben, welche Medikamente eingeführt werden dürfen. Auch Heli-Rettungen, die auf der Südseite bis fast 7000 Meter Höhe längst Standard sind und die dem Arzt ein zusätzliches Maß an Sicherheit geben, gibt es auf der Nordseite nicht. 

Im Februar wird sie wieder damit beginnen, sich im Hypoxie-Zelt auf die Expedition vorzubereiten, bevor es nach dem Ende der Ski-Saison in Obertauern an den Fuß des Mount Everest geht.

12. Alpinpolizist David Kögler: Ordnungshüter der Vertikalen

David Kögler (31) aus Hirschegg im Kleinwalsertal hat sein Hobby zum Beruf gemacht und sorgt als Alpinpolizist dafür, dass es auch in dünner Luft mit rechten Dingen zugeht. Der Weg war gewissermaßen vorgezeichnet: ÖAV-Jugend, das ganze Programm von Klettern über Skitouren bis zum klassischen Bergsteigen – immer öfter, immer anspruchsvoller. Schon damals wuchs in David der Wunsch, sein Hobby irgendwann zum Beruf zu machen.

"Ich schaffte es 2016 in den Leistungssportkader der Polizei, wurde Mitglied im österreichischen Nationalteam Skibergsteigen und feierte 2020 mein Weltcup-Debüt am Jenner in Berchtesgaden." Parallel zu seiner sportlichen Karriere absolvierte er die vierjährige Ausbildung zum Alpinpolizisten – Hobby und Beruf rückten immer näher zusammen

<p>Per Heli zum Einsatzort: Die Dokumentation von Unfällen zählt zu Davids Aufgaben.                            </p>

Per Heli zum Einsatzort: Die Dokumentation von Unfällen zählt zu Davids Aufgaben.

© Robert Niederwolfsgruber

"Wir schauen uns den Unfallort an, sprechen mit den Beteiligten und ziehen daraus Rückschlüsse. Wir wollen ein Bild schaffen. Was ist schief gegangen und weshalb?" Das sei auch ein wertvoller Input für das Kuratorium für alpine Sicherheit, das die gesammelten Daten auswertet und in eine Unfalldatenbank einpflegt. David wäre nicht David, würde er sich auf dem Erreichten ausruhen. Sein nächstes Ziel ist die ergänzende Ausbildung zum staatlich geprüften IVBV-Bergführer.

13. Oskar Wallner: Der älteste Senner im Berchtesgadener Land

Oskar Wallner entschied sich spät, auf die Alm zu gehen – als nach 49 gemeinsamen Jahren seine Ehefrau verstarb. Heute ist der 83-Jährige der älteste Senner im Berchtesgadener Land. Ans Aufhören denkt er nicht – trotz Bypass, neuer Herzklappe und zweier künstlicher Knie.

Fleckvieh Hera spazierte einfach mal in den Almkaser. Halb stand sie im Schlafzimmer, halb im Flur. Für Oskar Wallner ist es genau so ein Moment, der für ihn das Almleben als Senner ausmacht – und ihm viel Kraft schenkt. Um die 18-Zentner-Kuh wieder rauszubringen, musste der Senior über das Rind klettern, um Hera – rückwärts – wieder rauszulotsen.

<p>Oskar Wallner: Der älteste Senner im Berchtesgadener Land                            </p>

Oskar Wallner: Der älteste Senner im Berchtesgadener Land

© Kilian Pfeiffer

Oskar Wallner die auf 1480 Meter gelegene Lattenbergalm, mitten im Nirgendwo am Almerlebnisweg im Bergsteigerdorf Ramsau. ass er mal zum Senner würde, daran war nicht zu denken. Wallner ist gelernter Schriftsetzer, arbeitete 50 Jahre in seinem Beruf.

14. Übersetzerin und Autorin Ingrid Runggaldier

Die Südtirolerin Ingrid Runggaldier hat viele Rollen: Sie ist Übersetzerin, Publizistin, Redakteurin, Filmemacherin, Autorin – und Alpinhistorikerin. Besondere Aufmerksamkeit erhielt sie für ihre Monografie über Frauen im Alpinismus.

<p>Als Übersetzerin in Bozen befasst sich Ingrid Runggaldier überwiegend mit dem Ladinischen, ihrer Muttersprache.</p>

Als Übersetzerin in Bozen befasst sich Ingrid Runggaldier überwiegend mit dem Ladinischen, ihrer Muttersprache.

© Archiv Ingrid Runggaldier

"Sprache ist für mich wie ein Spiel: Natürlich gibt es bestimmte Strukturen, aber darin kann man kreativ sein." En passant fällt dieser Satz auf einer kleinen Alpe nahe der berühmten Seceda in den Dolomiten. Wie die nächsten Gesprächsstunden zeigen, bringt er die unterschiedlichen Lebenswelten von Ingrid Runggaldier wohl am besten zum Ausdruck. Die Südtirolerin arbeitet als Übersetzerin, Publizistin, Redakteurin und – auch wenn sie sich selbst nicht so bezeichnet – Alpinhistorikerin.

15. Routenbauer und Mathematiker Julius Kerscher

Für die einen ist Klettern ein netter Zeitvertreib. Nicht für Julius Kerscher. Für ihn ist Klettern seine große Leidenschaft, die sein ganzes Leben bestimmt – inklusive Beruf. Der 42-Jährige ist mindestens ein so multitalentierter Kletterer wie ein kletterndes Multitalent. Nicht nur, dass er gerne an hohen und steilen Felswänden unterwegs ist. Julius Kerscher entwirft selbst Griffe für künstliche Kletteranlagen.

<p>Durch Julius Kerschers Hände gehen als Routenbauer täglich viele Klettergriffe.</p>

Durch Julius Kerschers Hände gehen als Routenbauer täglich viele Klettergriffe.

© Simon Hofmann

Er verar­beitet seine Erlebnisse am Berg in der Malerei und zeichnet Topos von Kletterrouten. Und: Er schraubt seit fast 15 Jahren Routen in künstlichen Anlagen. Dabei hat Julius Kerscher erst spät in die Kunstwandwelt gefunden. "Im jungen Erwachsenenalter", so sagt er, "aus sozia­len Gründen, weil Kletterhallen in der Stadt einfach Orte der Begegnung sind."

Text von Andrea Gabriel

1 Kommentar

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Gustav

Es geht m.E. nichts über einheimische Bergführer. Ich habe sowohl einheimische wie zugereiste Bergführer kennengelernt und bin von den Zugereisten - die vor Neid platzen - geheilt. Daher nehme ich mir in der Schweiz einen Schweizer Bergführer, in Frankreich einen Franzosen als Bergführer und wenn nötig in Italien einen Italiener als Bergführer.