Kolumne "Ehrlich gesagt" | Ausgabe 14 zum Thema #mentalestraining

David Göttler: "Beginne früher mit mentalem Training!"

David Göttler ist Bergführer, einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger Deutschlands ... und ALPIN-Kolumnist! Im Wechselspiel mit unserer zweiten Autorin, der Bloggerin und Podcasterin Erika Dürr, bespricht er aktuelle Themen des Bergsports. In der 14. Ausgabe von "Ehrlich gesagt ..." beschäftigen sich die beiden mit dem Thema Mentaltraining im Bergsport.

David Göttler: "Beginne früher mit mentalem Training!"
© ALPIN - Leben für die Berge

Davids Meinung zum mentalen Training

Ehrlich gesagt... … höre ich ganz oft, dass der wichtigste Muskel beim Bergsteigen und bei vielen anderen Outdoor-Aktivitäten der Kopf ist! Dem stimme ich definitiv zu und das wird vermutlich auch ein Großteil unserer Leser so sehen, oder?

Warum trainieren wir dann diesen so wichtigen „Muskel“ nicht mit derselben Konsequenz und Leidenschaft, mit der wir regelmäßig in die Kletterhalle gehen oder zum Laufen? Warum behandeln wir mentales Training nach wie vor so stiefmütterlich? Warum finde ich unzählige Ratschläge, wie ich körperlich richtig trainiere oder meine Technik verbessere, aber nur ganz wenige, wie ich mit all den unkontrollierbaren Faktoren am Berg umgehe oder mit möglichem Scheitern oder Umkehren zurechtzukomme? 

<p>Profi-Bergsteiger und Bergführer David Göttler - unser ALPIN-Kolumnist.</p>

Profi-Bergsteiger und Bergführer David Göttler - unser ALPIN-Kolumnist.

© The North Face

Oder, wieso es so sehr helfen kann, das Warum-mache-ich-das zu ergründen, um den richtigen Fokus für mich zu finden? Ganz zu schweigen von Koordinationsübungen und dergleichen – alles ja ebenfalls gesteuert von unserem Gehirn.

Wenn ich Ratschläge an mein jüngeres Ich geben dürfte, wäre folgender ganz oben auf der Liste: Beginne früher mit mentalem Training! Darin schlummert bei uns allen ein unglaubliches ­Potenzial, das wir meist ungenutzt lassen. Ich kann von mir behaupten, dass ich sowohl im Sport als auch im Alltag in vielen Situationen sehr viel besser geworden bin, seit ich mit mentalem Training angefangen habe. Zwei Beispiele:

Ich investiere Energie nur noch dort, wo es wirklich nötig ist. Statt mich etwa von stollenden Skifellen im Aufstieg nerven zu ­lassen,versuche ich den jeweiligen Fakt zu akzeptieren, wenn möglich etwas dagegen zu tun und wenn nicht, mich auf das Positive zu ­fokussieren. So spare ich emotional wie ­physisch viel Energie.

Oder wenn ich auf Expedition bin – nach akribischer Vorbereitung, jedes Gramm Ausrüstung optimiert, punktgenau trainiert, den Zeitplan perfek­tioniert und auf die besten Erfolgschancen festgelegt – und dann doch ständig mit ­Faktoren kämpfen muss, die ich nicht kontrollieren kann? Meine Mental­trainerin gab mir diesen Tipp: Mach einen Vertrag mit dem Berg und schreibe alle unkontrollierbaren Punkte und Faktoren hinein, von denen du weißt, dass sie dich immer wieder ­Energie kosten. So akzeptierst du sie vorab.

<p>David Göttlers mentale Strategie zur Steigerung seiner Lesitung und seines Wohlbefindens auf Expedition: "Mach einen Vertrag mit dem Berg!" </p>

David Göttlers mentale Strategie zur Steigerung seiner Lesitung und seines Wohlbefindens auf Expedition: "Mach einen Vertrag mit dem Berg!"

© Adobe Firefly

Diesen Vertag unterschreibe ich und habe ihn immer bei mir. Klingt komisch, wirkt aber Wunder, wenn ich auf Expedition mit diesen Dingen kämpfe. Probiert es aus, nutzt mentales Training! Es gibt unzählige Aspekte, mit „Psycho-Couch“ oder Esoterik haben sie alle nichts zu tun. Wer mit mentalem Training beginnt – in welcher Form auch immer –, wird davon profitieren! Was ist Deine Erfahrung mit Mentaltraining im Bergsport, Erika?

Das denkt Erika Dürr über mentales Training.

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1 Kommentar

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Matthias

Ich bin nicht im Leistungssport unterwegs, für mich ist das in den Bergen sein, ein ganz wesentlicher Faktor für's zufriedene Mentale. Ich glaube wir alle kennen diesen Moment.., man hat einen schwierigen Aufstieg geschafft und wird mit einem tollen Moment der Klarheit belohnt. Man sitzt einfach da, schaut in die Ferne und ist vollkommen entspannt und zufrieden.

Ein kleiner Exkurs der nicht ganz zum Mental Coaching passt. ??

Liebe Grüße
Matthias