Billi Bierling im Interview: "Niemand wird auf den Mount Everest hochgetragen"
Sie lebt seit 20 Jahren in Kathmandu: Billi Bierling leitet die Himalayan Database und hat über 2000 Expeditionsbergsteiger interviewt. Selbst stand sie auf sechs Achttausendern. Mit uns sprach die gebürtige Garmischerin über die Kommerzialisierung im Höhenbergsteigen, den Respekt vor den Bergen und neuen, jungen Rekordfrauen im Himalaja.

Die Bergsteigerin Billi Bierling im ALPIN-Gespräch@(zwischenHeadlineTag)>
Der Liedermacher Hubert von Goisern sagte einmal, flache Landschaft mache ihn depressiv. Kennst du das?
Bei mir war es früher genau anders herum. Die Berge haben mich massiv eingeengt – und Garmisch liegt ja total im Kessel. Als Freigeist waren sie mir damals immer im Weg. Ganz nach dem Motto der Schweizer Jugendbewegung: "Nieder mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittelmeer." Ich fand früher alles schrecklich, was mit Bergen zu tun hatte. Vor allem das Wandern mit meinen Eltern war eine Tortur.
Heute steigst du auf die höchsten Berge!
Ich wandere immer noch nicht gern (lacht). Aber Läufe wie der Zugspitz-Ultratrail, bei dem ich heuer den 68 km langen Leutasch-Trail bestritten habe, machen mir Spaß. Bin ich in Nepal, ziehen mich die majestätischen Berge magisch an. Auf einem Achttausender zu stehen, ist für mich Freiheit und pures Glück.
"Für eine Gesellschaft, die Produktivität und Profit zum Maßstab des Wohlstandes erhoben hat, ist es absurd, auf Berge zu steigen", sagt Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner gerne. Der französische Gipfelstürmer Lionel Terray fand: "Bergsteiger sind die Eroberer des Nutzlosen." Was bedeutet es dir?
Was bringt es der Gesellschaft, wenn ich morgens joggen gehe? Für mich zählt die körperliche Herausforderung. Vor sechs Jahren brauchte ich am Broad Peak 36 Stunden vom Hochlager zum Gipfel und zurück. Danach war ich vier Wochen lang schlapp. Das war so unfassbar anstrengend, unvorstellbar!

0 Kommentare
Kommentar schreiben