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Hansjörg Auer: Stationen aus dem Leben des Tiroler Kletter-Genies
Hansjörg Auer wurde am 18. Februar 1984 in Zams in Tirol geboren. Mit sechs stand der Österreicher auf seinem ersten Dreitausender, mit 12 begann Hansjörg intensiv zu klettern. Nach dem Lehramtsstudium arbeitete Auer kurze Zeit als Hauptschullehrer für Sport und Mathematik, ehe er sich 2008 für eine Laufbahn als Profi-Alpinist entschied.
Die Free-Solo-Begehung der 37 Seillängen und 1220 m langen Route "Weg durch den Fisch" (Schwierigkeitsgrad 7b+) an der Marmolada-Südwand war ein Meilenstein in der Karriere von Hansjörg Auer und machte ihn 2007 "über Nacht" weltweit in der Szene bekannt. Weitere spektakuläre Free-Solo-Begehungen sollten folgen: "Comici" (6b, Große Zinne), "Moderne Zeiten" (6c, Marmolada), "Locker vom Hocker" (7a, Schüsselkarspitze), "Bayrischer Traum" (8, Schüsselkarspitze) oder "Mephisto" (6c+, Heiligkreuzkofel).
Auch als (Sport-)Kletterer machte Auer immer wieder mit (Erst-)Begehungen schwierigster Routen auf sich aufmerksam. Zu den Highlights zählen beispielsweise die Erstbegehung von "Bruderliebe" (8b/ 800m) und die erste freie Begehung von "L’ultimo dei Paracadutisti" (8b+/ 650 m) an der Marmolada Südwestseite.
Auer beherrschte auch die Spielarten Eis- und Mixed-Klettern nahezu perfekt.
Auch in Big Walls fühlte sich Auer zu Hause, wie hier bei einer Begehung in Sibirien.
Der Ötztaler galt als kompletter Ausnahme-Alpinist. Auer war während seiner Karriere auch immer wieder an den hohen Bergen der Erde erfolgreich unterwegs. Expeditionen führten ihn in den Himalaya, ins Karakorum, nach Sibirien, ins Yosemite Valley, nach Baffin Island, nach Patagonien und zu anderen "Hot Spots" des weltweiten Alpinismus. 2013 gelang ihm die Erstbesteigung des Kunyang Chhish East (7400 m) über die 2700 Meter hohe Südwestseite.
Die Besteigung galt als eines der letzten großen und ungelösten "Probleme" des modernen Alpinismus.
Am 18. Juli um 12:30 Uhr erreichten Hansjörg Auer und seine Seilpartner den höchsten Punt des Berges. "We had tears in our eyes as we embraced each other", schrieb Hansjörg auf seiner Webseite über diesen Moment.
Im Oktober 2015 gelang Auer gemeinsam mit Alex Blümel und Gerharg Fiegl die erstmalige Durchsteigung der Südwand des Nilgiri South (6839m). Ein weiterer alpinistischer Meilenstein in der an Erfolgen nicht armen Karriere des Österreichers.
Beim Abstieg vom Nilgiri South stürzte Gerhard Fiegl über 800 Meter in die Tiefe und verstarb. "Wenn ein langjähriger Freund vor deinen Augen in den Tod stürzt, verliert in diesem Moment alles andere an Bedeutung. Unsere gemeinsame Expedition hätte kein schlimmeres Ende nehmen können. Wir sind alle sehr traurig", sagte Hansjörg Auer nach dem Unglück.
Auer eröffnete im August 2016 mit Alex Blümel "The loss of the Demantoid" an der Kristallwand des Kirchkogels im Ötztal. Die Mehrseillängen-Route (7c+) widmeten die beiden Extrembergsteiger ihrem im Jahr zuvor tödlich verunglückten Seilpartner Gerhard Fiegl.
Gemeinsam mit seinem Bruder Vitus stand Hansjörg 2017 in "Still Alive", dem gefeierten Regiedebüt von Reinhold Messner, vor der Kamera. Das Brüderpaar verkörperte darin die beiden Bergsteiger Gert Judmeier und Oswald Oelz.
Mit seinem Bruder Matthias gelang Hansjörg im Frühjahr 2017 die Winter-Traverse des kompletten Kaunergrats. Das "Familienprojekt" stand schon länger auf der "To-Do"-Liste der beiden Auers.
Im Sommer 2018 glückte dem Extremalpinisten die Solo-Erstbegehung der Westwand des Lupghar Sar West (7157 m) im Norden von Pakistan. "Diese Besteigung bedeutet mir unheimlich viel, weil ich davon in den letzten vier Jahren geträumt habe", so Auer.
Das letzte Gipfelfoto von Hansjörg Auer. Am 16. April erreichte der Tiroler zusammen mit Jess Roskelley und David Lama den Gipfel des Howse Peak im kanadischen Nationalpark Banff. Das Trio kam beim Abstieg durch einen Lawinenabgang ums Leben.













