zurück zu "Wie lange muss man für die Eiger-Nordwand trainieren?"
Eiger-Nordwand: Tragödien und Triumphe
Blick von Grindelwald auf den berühmten "Hausberg" der 4.000 Einwohner - Gemeinde: Den 3970 Meter hohen Eiger. Lange Zeit galt die Nordwand des Eiger als das letzte ungelöste "Problem" der Alpen. Nicht wenige Alpinisten im In- und Ausland waren der Meinung, dass eine Durchsteigung der gut 1800 Meter hohen Wand absolut unmöglich sei. Ein Diktum, das in den 1930er-Jahren mehrere deutsche Seilschaften zu widerlegen versuchten.
Den ersten ernsthaften Durchsteigungsversuch unternahmen die drei Sachsen Willy Beck, Kurt und Georg Löwinger, die am 17. Juli 1934 in die Nordwand einstiegen und bis zum 19. Juli eine Höhe von 2900 Metern erreichten. Nach einem Sturz von Beck brach die Dreierseilschaft ihren Versuch am Eiger ab. Ein Jahr später wurde den beiden Münchner Bergsteigern Karl Mehringer und Max Sedlmayr ein tagelang andauernder Schneesturm zum Verhängnis. Der Punkt, an dem die beiden das letzte Mal gesehen wurden, bekam später den Namen "Todesbiwak". 1936 festigte das Drama um Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer den Ruf des Eiger als Mordwand. Kurz und Hinterstoißer hatten sich in der Wand mit den beiden Österreichern Willy Angerer und Edi Rainer zu einer Seilschaft zusammengeschlossen, ehe eine Verletzung Angeres die vier zum Rückzug zwang. Beim Abstieg kamen Rainer, Angerer und Hinterstoißer durch einen Lawinenabgang ums Leben. Toni Kurz kämpfte - wenige Meter über den herbeigeeilten Helfern am Seil ...
2008 brachte der deutsche Regisseur Philipp Stölzl mit "Nordwand" die bewegende Geschichte des Besteigungsversuches von 1936 in die Kinos. In den Hauptrollen sind Florian Lukas und Benno Führmann (re.) als Andreas Hinterstoisser und Toni Kurz zu sehen.
Im Juli 1938 sollte dann die erste erfolgreiche Durchsteigung der Nordwand gelingen. Am Morgen des 22. Juli trafen die beiden Münchner Kletterer Anderl Heckmair und Ludwig Vörg zwischen dem zweiten und dritten Eisfeld auf die Seilschaft Harrer-Kasparek. Die beiden Österreicher kamen nur recht langsam voran, da Fritz Kasparek gezwungen war, für seinen Partner unzählige Stufen ins Eis zu schlagen, da Harrer auf eine Mitnahme von Steigeisen verzichtet hatte (Heckmair und Vörg verwendeten bereits moderne 12-Zacker). Nach einem überstandenen Lawinenabgang beschloss man sich zu einer Seilschaft zusammenzuschließen. Unter Führung von Heckmair gelang am 24. schließlich der große Triumph: Gegen halb vier erreichte die Seilschaft den Gipfel des Eiger, das letzte Problem der Alpen war gelöst.
Nach ihrer Rückkehr vom Eiger werden Heinrich Harrer (mit Hut), Andreas Heckmair, Ludwig "Wiggerl" Vörg und Fritz Kasparek am 24. Juli 1938 von einer begeisterten Menschenmenge bei Grindelwald empfangen.
Anderl Heckmair führte die 38er-Seilschaft im Vorstieg zum Erfolg. Dabei ließ sich der gelernte Gärtner und notorische Bergvagabund weder von Lawinenabgängen, Steinschlag, zahlreichen Stürzen und einem verdorbenen Magen (Stichwort Kondensmilch mit Ölsardinen) aufhalten - und wurde so zur Legende. Zitate wie das nachfolgende haben mit Sicherheit auch dazu beigetragen: "Alkohol, in Maßen genossen, ist selbst in größeren Mengen nicht schädlich."
Ausrüstungsgegenstände der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand, aufgenommen im Juli 1938 bei Grindelwald.
Die legendäre Route der Erstdurchsteiger von 1938.
Andreas Heckmair und Heinrich Karrer (re.) bei der Enthüllung eines Gedenksteins, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Erstdurchsteigung der Eigernordwand, am 24. Juli 1988 auf der Alpligen-Alp.
Anlässlich des Dokumentarfilms "Auf den Spuren von Heckmair" besucht Profialpinist Stephan Siegrist (Mitte) Anderl Heckmair (links) und seine Frau Trudl (rechts) zu Hause in Oberstdorf.
Anderl Heckmair und Heinrich Harrer am 21. Juli 1998 vor der Gedenktafel in Erinnerung an die Erstdurchsteigung nahe der Bahnstation Eigerwand in Grindelwald. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 sollte der aus einfachen Verhältnissen stammende Heckmair den studierten Sport- und Geographielehrer Harrer freundschaftlich Verbunden bleiben. Heinrich Harrer, dem 1962 noch die Erstebesteigung der Carstensz-Pyramide im Westen Neu-Guineas gelingen sollte, verstarb ein Jahr nach Heckmair im Alter von 93 Jahren. Den beiden anderen Mitgliedern der berühmten Vierer-Seilschaft von 1938 konnten ihren Ruhm indes nur wenige Jahre geniesen: Als Gefreiter der deutschen Wehrmacht fiel Luwdig Vörg am 22. Juni 1941, dem ersten Tag des Überfalls auf die Sowjetunion, bei Siolo. Fritz Kasparak kam 6. Juni 1954 bei dem Versuch ums Leben, den 6271 Meter hohen Salcantay in Peru zu besteigen.
Die Kleine Scheidegg, eine Passhöhe in 2061m zwischen Eiger und Lauberhorn, ist seit Jahrzehnten erste Adresse für Eiger-Schaulustige. Näher kann man als Tourist der bedrohlichen "Vertikalen Arena" nicht kommen; es sei denn, man fährt von der Kleinen Scheidegg mit der Jungfraubahn zum Jungfraujoch - mitten durch den Eiger!
Großer Andrang herrschte März 1961 an den aufgestellten Münzfernrohren, um den Endspurt der deutsch-österreichischen Viererseilschaft, die den ersten Winteraufstieg an der Eiger-Nordwand unternimmt, zu beobachten. Die Bersteiger (Toni Hiebeler, Anton Kinshofer, Andreas Mannhardt und Walter Almberger) waren gegen 17:00 Uhr nur noch rund 175 Meter vom Gipfel entfernt.
Die vier Männer der erfolgreichen Seilschaft, müde aber glücklich nach ihrem Abstieg am Sonntagnachmittag (12.März 1961): Die Deutschen Toni Hiebeler, Toni Kinshofer, Anderl Mannhardt und der Österreicher Walter Almberger (v. li.). Eine ganze Woche hatten die vier Bergsteiger für die Durchsteigung der Heckmair-Route im Winter gebraucht.
Der italienische Bergsteiger Walter Bonatti im Jahr 1963 nach seinem gescheiterten Versuch, die Eiger-Nordwand im Alleingang zu bezwingen.
Eins muss man sagen: Der damalige Chefredakteur von Alpinismus, Toni Hiebeler, war definitiv großzügig. In der Maiausgabe von 1966 widmete er 33 Seiten dem Eiger und seinen dramatischen Begehungen.
John Harlins großer Traum war die Direttissima durch die Eiger-Nordwand: 1966 stürzte er unterhalb der Spinne aufgrund eines Seilrisses tödlich ab. Seine Kletterpartner erreichten den Gipfel und nannten die Direttissima "John Harlin-Route".
Die internationale Mannschaft, die 1966 an der Winter-Direttissima durch die Eiger-Nordwand beteiligt war. Von links: Harry Frey, Roland Votteler, Karl Golikow, Chris Bonington, Layton Kor, Peter Haag, Jörg Lehne, Günter Schnaidt, Siegfried Hupfauer, Rolf Rosenzopf, Günther Strobel, Douglas Haston, Peter Gillmann und Mick Burke. Es fehlt: John Harlin, der bei dem Unternehmen tragisch ums Leben kam.
Luftaufnahme mit Blick auf die berühmte Spinne an der Eiger-Nordwand. Mittendrin im Netz" buddeln sich Jörg Lehne und Karl Golikow, zwei Bergsteiger der John-Harlin-Mannschaft von 1966, einen Biwakplatz ins Eis.
Berühmt und berüchtigt: Die Eiger-Nordwand ist unter Bergsteigern ein Mythos und Erstbesteigungen wie die Heckmair-Route (grün) und die Japaner-Route (rot) sind in die Geschichte des Alpinismus eingegangen.
Wow, das Titelbild war und ist ein echter Hingucker: Zu sehen ist Michiko Imai, die sich im August 1969 zusammen mit fünf Kameraden in 32 Tagen durch die Eiger- Nordwand gekämpft hat. Gemeinsam schafften sie mit der "Japaner-Route" die dritte Nordwand-Begehung am Eiger.
Die drei Schweizer Evelyne Binsack, Stephan Siegrist und Hansrüdi Gertsch sowie Ralf Dujmovits aus Bühl in Baden (v. li) posieren am 10. September 1999 am 3970 Meter hohen Gipfel des Eiger. Nach einem zweitägigen Marathon durch die berüchtigte Eiger-Nordwand hatten die vier Bergsteiger vor laufender Kamera am Freitag nachmittag des 10. September den Gipfel erreicht.
Robert Jasper und Roger Schaeli "haken" eine Tour nach der anderen an der Eiger-Nordwand ab. Nach der "Befreiung" der Japaner-Route 2009 beeindrucken die beiden Spitzenkletterer bereits ein Jahr später mit der ersten freie Begehung der John-Harlin-Route. Chapeau!
Eiger-Fan Roger Schaeli hat einen Wohnwagen "an den Wandfuß" des geliebten Berges gestellt.
Die beiden Schweizer Profialpinisten Dani Arnold und Ueli Steck während einer Feier zum 75. Jubiläum der Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand am 11. Juli 2013. Steck konnte 2007 mit 3 Stunden und 54 Minuten einen neuen Durchsteigungsrekord aufstellen. Im Jahr darauf unterbot er seine eigene Fabelzeit gar noch um 1 Stunde und 04 Minuten. Die Bergwelt staunte und fragte sich: Geht es noch schneller? Dani Arnold lieferte im Sommer 2011 mit 2 Stunden und 28 Minuten die Antwort. Steck ließ das nicht auf sich sitzen und konterte 2015 erneut und stellte mit 2:22:50 erneut eine Bestzeit in der Eiger Nordwand auf.























