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alpin.de Gear Check: Valandré Bloody Mary
Kaum aus dem Packsack befreit, liegt die "blutige Marie" auch schon fett und prall auf der Isomatte. Kein Wunder bei einer Fillpower von 850 cuin+ und einem Füllgewicht von 620g, welche für eine Komforttemperatur von - 6 Grad Celsius sorgen (sollen). Woher man die Angaben hat? Jedenfalls nicht vom "Waschzettel" (re. im Bild) des Schlafsacks. Der gibt lediglich über das Mischungsverhältnis der Gänsedaune Auskunft - über mehr aber auch nicht. Im direkten Vergleich mit den Produkten anderer Hersteller (li.) wirkt so viel "Understatement" etwas aus der Zeit gefallen. Nicht, dass einem ein Aufdruck mit allen relavanten Daten des Schlafsacks eine bessere Nacht bescheren würde. Mit einem Blick zu erfahren, was man da gerade in seinen Rucksack packt, ist aber auch nicht das Schlechteste!
Valandré verwendet in allen seinen Modellen ausschließlich die Daunen von französischen Graugänsen aus den Pyrenäen. Laut Angabe des Herstellers stammt diese nicht aus Lebendrupf und wird direkt in Frankreich verarbeitet. Nachprüfen lässt sich das für den Verbraucher nicht so leicht, denn ein zeitgemäßes Tracking-System wie Mountain Equipment's Down Codex bietet das kleine Unternehmen nicht. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf der Homepage von Valandré aber trotzdem. Der Mumienschlafsack besteht aus insgesamt 83 einzeln geschnittenen Teilen und Kammern, die in sogenannter "Tubular Bell" - Konstruktion miteinander verbunden werden. Grundlage für dieses System sind zwei verschieden große ellipsenförmige Hüllen, die übereinandergelegt werden, um der Daune in den einzelnen Kammern die optimale Bauschkraft zu ermöglichen. Schlafsackdesign ist eine Wissenschaft für sich, die man nicht unbedingt verstehen muss! Wichtiger ist zu wissen, dass der "Bloody Mary" im ...
Alle Schlafsäcke von Valandré werden in Handarbeit hergestellt. Hierfür hat sich das kleine französische Unternehmen ein extra Lob verdient. Wenn die Verarbeitungsqualität dann nicht nur passt, sondern sogar ausgezeichnet ist, dann umso mehr! Einzig die Klettverschlüsse könnten noch etwas sauberer vernäht sein.
Der mitgelieferte Aufbewahrungssack fällt etwas klein aus. Gut zum stapeln im Kofferraum, wenn man dem Schlafsack noch etwas gutes tun möchte, bevor er dann in den Kompressionssack wandert. Für die Lagerrung zu Hause gönnen andere Hersteller - wie z.B. Mountain Equipment (li. im Bild) - vergleichbaren Modellen deutlich mehr Platz.
Für das Packvolumen gibt Valandré bei dem "Bloody Mary" in Größe M (Länge: 185cm) sieben Liter an. Das kommt nicht nur gut hin, das Packvolumen könnte in echt sogar noch einen kleinen Tick kleiner ausfallen. Der ebenfalls im Lieferumfang enthaltene Kompressionsbeutel erfüllt seinen Zweck tadellos, wirkt aber nach heutigem Standard auch etwas altbacken, ja für diese Preisklasse fast schon billig.
Das Alleinstellungsmerkmal des "Bloody Mary" ist sein austauschbares Kragensystem. Zwei Krägen stehen zur Auswahl, drei Optionen ergeben sich für den Benutzer daraus. Möglichkeit Nummer 1: Ganz ohne Kragen. Option 2: Man verwendet den "Übergangskragen" (li.). Variante drei: Das namensgebende Winter-Modell "Marie Antoinette" kommt zum Einsatz.Je nachdem, für welchen Kragen man sich entscheidet, variiert das Gewicht. Lässt man alle Krägen weg, kommt die Digitalwaage auf 1130 Gramm. Mit dem Übergangskragen erhöht sich das Gesamtgewicht um 35 Gramm, mit "Marie Antoinette" bleibt die Waage bei 1230 Gramm stehen. Alle Werte verstehen sich inklusive Packsack!
Wer immer schon einmal wissen wollte, wie sich die am 16. Oktober 1793 in Paris enthauptete Königin von Frankreich in ihren letzten Sekunden wohl gefühlt haben mag, bekommt mit dem "Bloody Mary" einen Eindruck davon. Vorausgesetzt, man hat den dicken Winterkragen eingebaut, der für einen unübertroffenen "Guillotine-Effekt" sorgt. Nichts für Leute mit Platzangst. Denn der Kragen dichtet wirklich perfekt ab, die Wärme kann nicht mehr entweichen und sammelt sich im Rumpf. Sich nachts schnell mal an der Nase kratzen oder die Stirnlampe suchen, klappt nicht! Bis man sich vom Klammergriff der weichen "Halskrause" befreit hat, ist ein ziemliches Gefriemel (wie zuvor schon die passende Einstellung des Kragens in Kombination mit der Kapuze). Abgesehen davon, muss man in der Lage sein, mit der Kragenausführung "Marie Antoinette" überhaupt schlafen zu können. Notorische Rückenschläfer, die nichts aus der Ruhe bringt, sind hier klar im Vorteil, unruhige Seitenschläfer weniger. Aber man muss ja ...
Seit 2009 ist der "Bloody Mary" auf dem Markt und inzwischen längst zu einem modernen Klassiker geworden. Wirken Packsack sowie "Waschzettel" doch etwas in die Jahre gekommen, kann der Valandré bei den wirklich entscheidenden Kriterien immer noch voll überzeugen: Materialien, Verarbeitung, Konstruktion, Bauschkraft und Ausstattung - alles ist top. Das Gesamtpaket gehört damit zum besten, was man im Daunenbereich für Geld kaufen kann. Soviel Qualität hat ihren Preis. Stolze 519,00 Euro muss man für den Franzosen in Größe M auf den Tisch legen. Laut Hersteller bekommt man dafür aber auch den "besten Dreijahreszeiten-Schlafsack auf der Welt". Darüber liese sich streiten, denn was das Verhältnis Wärmeleistung zu Gewicht anbelangt, gibt es Modelle, die hier die Nase vorn haben. Der "Apache" von Western Mountaineering oder Feathered Friends' "Hummingbird" zum Beispiel. In Sachen Variabilität definiert der "Bloody Mary" in seiner Klasse aber bis heute den Maßstab.







