Bergsteiger, Kultautor, Ausnahmefotograf

19. Mai 1982: Todestag von Reinhard Karl

Reinhard Karl war weit mehr als der erste Deutsche auf dem Mount Everest. Mit seinen Büchern, Fotografien und Texten veränderte er den deutschen Alpinismus nachhaltig. Bis heute gelten seine Arbeiten als stilprägend für Generationen von Bergsteigern, Kletterern und Bergfotografen.1982 starb er im Alter von nur 35 Jahren am Cho Oyu.

1982 verunglückt der Bergsteiger, Schriftsteller und Fotograf Reinhard Karl am Cho Oyu. Seine Werke bleiben einzigartig.
© Screenshot BR

Reinhard Karl: Alpinist, Fotograf, Schriftsteller

Reinhard Karl gehört bis heute zu den prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Alpinismus. Bekannt wurde der charismatische Heidelberger nicht nur durch herausragende alpinistische Leistungen, sondern vor allem durch seine besondere Art, das Gefühl beim Bergsteigen zu beschreiben. 

Mit seinem Text-Bildband "Erlebnis Berg: Zeit zum Atmen" gab der Bergsteiger, Schriftsteller und Fotograf Reinhard Karl dem Lebensgefühl einer Generation von Bergsteigern und Kletterern Ausdruck. Wie kaum ein anderer verstand es der Heidelberger, seinem eigenen Erleben, seinen Gedanken und Gefühlen am Berg in Wort und Bild Ausdruck zu verleihen.

<p>Erster Deutscher auf dem Gipfel des Mount Everest und Teil der legendären Expedition von 1978: Reinhard Karl.</p>

Erster Deutscher auf dem Gipfel des Mount Everest und Teil der legendären Expedition von 1978: Reinhard Karl.

© Screenshot BR

Reinhard Karl: Mehr als nur der erste Deutsche auf dem Everest

1978 schrieb Reinhard Karl Alpingeschichte: Im Rahmen der legendären Everest-Expedition stand er als erster Deutscher auf dem höchsten Berg der Erde. Die Expedition ging vor allem deswegen in die Historie, da Reinhold Messner und Peter Habeler die erste Everest-Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff gelang – ein Meilenstein des Höhenbergsteigens.

Ein paar Tage nach Habeler und Messner, am 11. Mai 1978, hatte es auch Expeditionsmitglied Reinhard Karl, geschafft. Mit Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff stand er als erster Deutscher auf dem Gipfel des Mount Everest

08. Mai 1978: Bildergalerie Habeler und Messner ohne Flaschensauerstoff auf dem Everest
Fotos zur erfolgreichen österreichischen Expedition
08. Mai 1978: Bildergalerie Habeler und Messner ohne Flaschensauerstoff auf dem Everest

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Karl war Teil genau jener Generation, die den Alpinismus in den 1970er-Jahren grundlegend veränderte: weg vom rein heroischen Expeditionsstil hin zu einem persönlicheren, direkteren und emotionaleren Zugang zum Bergsteigen.

Auch als Kletterer gehörte Reinhard Karl zu den prägenden Figuren seiner Zeit. Er war Teil der frühen Yosemite- und Freikletterszene und verband sportlichen Anspruch mit einer für damalige Verhältnisse ungewöhnlich reflektierten Sicht auf das Unterwegssein in den Bergen.

<p>Freikletterer und Freigeist: Reinhard Karl. </p>

Freikletterer und Freigeist: Reinhard Karl. 

© Eva Altmeier

Früher Tod am Cho Oyu

1982 nahm Reinhard Karl an einer Expedition zum Cho Oyu in Nepal teil. In einem Hochlager auf etwa 6700 Metern Höhe wurde das Zelt von Reinhard Karl und seinem Seilpartner Wolfgang Nairz am frühen Morgen des 19. Mai von einer Eislawine getroffen. Während Nairz schwer verletzt überlebte, wurde Karl tödlich verletzt. Er war erst 35 Jahre alt, als ihn seine Expeditionskameraden am Berg in einer Gletscherspalte bestatteten. Sein früher Tod erschütterte die deutsche Bergsportszene tief.

Reinhard Karls Texte und Bilder prägten Generationen

Weit über seinen Tod und bis in die Gegenwart hinein wirkte Reinhard Karl als Erzähler und Fotograf. Seine Texte handelten nicht nur von Gipfelerfolgen, sondern von Zweifel, Angst, Freiheit und Intensität am Berg. Damit unterschied er sich deutlich von vielen klassischen Expeditionsberichten seiner Zeit.

Auch fotografisch entwickelte Karl einen eigenen Stil. Seine Bilder zeigten Berge nicht nur dokumentarisch, sondern atmosphärisch und emotional – oft reduziert, still und geprägt von Licht, Wetter und Einsamkeit.

<p>Bergsteiger, Kultautor, Ausnahmefotograf: Reinhard Karl.</p>

Bergsteiger, Kultautor, Ausnahmefotograf: Reinhard Karl.

Tom Dauer erinnert an Reinhard Karl

Dass seine Werke bis heute nichts von ihrer Einzigartigkeit verloren haben, zeigt Autor und Filmemacher Tom Dauer in einer Bergauf-Bergab-Sendung am Beispiel von Clara Happ. Die Künstlerin fertigt Holz- und Linolschnitte nach Vorlage von Reinhard Karls Fotografien an. 

Dabei geht es nicht um reine Reproduktion, sondern um die Frage, warum Reinhard Karls Bilder und Texte bis heute eine solche Wirkung entfalten. Seine Arbeiten stehen für eine Form des Bergsteigens, die nicht auf Rekorde oder Selbstdarstellung reduziert werden kann – sondern auf Wahrnehmung, Erfahrung und Persönlichkeit.

Clara Happ versucht zu verstehen, was die berührende Kraft der Texte, was die zeitlose Ästhetik der S/W- und Farbbilder ausmacht – und transportiert deren Schönheit mit analoger Technik in die Gegenwart.

Hier könnt ihr die Bergauf-Bergab-Sendung direkt ansehen:

Infografik
© ALPIN

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Text von Holger Rupprecht

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