Andrzej Bargiel im Interview: "Die Motivation war, meine Grenzen auszuloten"
Der polnische Skibergsteiger Andrzej Bargiel schrieb am 25. September 2025 Alpingeschichte, als er als erster Mensch vom Gipfel des Mount Everest über die Südseite des Berges bis ins Basislager abfahren konnte. ALPIN traf den 37-jährigen Bergführer zum Gespräch.

Andrzej, du warst am Everest mehr als 16 Stunden in der Todeszone auf über 8000 Metern. Was ging dir in dieser Zeit durch den Kopf? Wie viel Raum für Gedanken bleibt in solchen Momenten?
Das stimmt, ich habe sehr lange in der Zone über 8000 Metern verbracht – etwa 16 Stunden oberhalb von Lager 4. Insgesamt war ich von etwa 13 Uhr bis 16:30 Uhr am nächsten Tag, also fast 28 Stunden über 7900 Meter. Ich musste extrem konzentriert bleiben und meine Kräfte einteilen, da ich nicht wusste, wie lange ich dort oben bleiben würde. Ehrlich gesagt, hatte ich mit mehr Tempo gerechnet.
Aber es lag so viel Schnee, dass ich mich sehr langsam und stetig, Schritt für Schritt, fortbewegen musste. Es war ein echter Kampf. Ich erinnere mich, dass ich einmal in 14 Stunden vom Basislager zum Gipfel des Manaslu aufgestiegen bin. Und hier, von 8000 Metern bis zum Gipfel, habe ich sogar noch länger gebraucht. Das zeigt den Aufwand, den Unterschied und wie hart die Bedingungen wirklich waren.
Am Manaslu habe ich in 14 Stunden etwa 3500 Höhenmeter zurückgelegt. Am Everest, vom Südsattel aus, waren es 900 – und das hat mich fast 16 Stunden gekostet. Dort oben konzentriert man sich voll und ganz auf jede einzelne Bewegung. Für alles andere ist im Kopf kein Platz.

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