Erster bestiegener 4000er der Schweiz

03. August 1811: Die Erstbesteigung der Jungfrau schreibt Alpingeschichte

Heute zählt die Jungfrau zu den bekanntesten Viertausendern der Alpen. Vor 215 Jahren galt der 4158 Meter hohe Gipfel noch als unerreichbar. Am 3. August 1811 änderte sich das – vier Männer schrieben Bergsteigergeschichte.

03. August 1811: Erstbesteigung der Jungfrau
© IMAGO / Zoonar

Zusammen mit Eiger (3970 m) und Mönch (4099 m) bildet die Jungfrau (4158 m) das weltberühmte Dreigestirn des Berner Oberlandes. Heute lockt die Region dank Jungfraujochbahn und Mönchsjochhütte jedes Jahr tausende Alpinisten und Touristen an. Anfang des 19. Jahrhunderts war der markante Gipfel jedoch noch ein weißer Fleck auf der Landkarte des Alpinismus.

Am 3. August 1811 gelang schließlich die Erstbesteigung der Jungfrau – zugleich die erste dokumentierte Besteigung eines Viertausenders auf Schweizer Boden.

Vier Männer erreichen den Gipfel der Jungfrau

Den Gipfel erreichten der Aargauer Unternehmer Johann Rudolf Meyer, sein älterer Bruder Jérôme (Hieronymus) Meyer sowie die beiden erfahrenen Gamsjäger Joseph Bortis und Alois Volken.

Die Seilschaft war von der Südseite des Berges aus dem Lötschental aufgestiegen und erreichte am 03. August 1811 über den Rottalsattel und den Südostgrat den höchsten Punkt der Jungfrau. Diese Route gilt – mit einigen Anpassungen an die heutigen Gletscherverhältnisse – bis heute als Normalweg auf den Gipfel.

Im Tourenbuch hielten die Brüder den historischen Moment fest: ""Nachdem wir die schwierigste Stufe überwunden hatten, öffnete sich der Weg über eine Schneeflanke, und nach ein paar Schritten erreichten wir den höchsten Punkt des Jungfraumassivs. Es war genau nach zwei Uhr nachmittags."

Eine außergewöhnliche Leistung

Aus heutiger Sicht lässt sich die Leistung kaum hoch genug einschätzen. Berghütten gab es in den Hochalpen damals praktisch noch nicht, zuverlässige Karten existierten kaum und die Ausrüstung hatte mit modernem Hochtourenmaterial wenig gemeinsam. Die vier Männer bewegten sich mit einfachen Lederschuhen, Holzstöcken und Hanfseilen in einer damals weitgehend unbekannten Gletscherwelt.

Auch heute verlangt der Anstieg über den Rottalsattel alpine Erfahrung. Die Hochtour führt über vergletschertes Gelände und erfordert sichere Spaltenbergungstechniken sowie den routinierten Umgang mit Steigeisen und Pickel.

Der Erstbesteiger führte ein bewegtes Leben

Johann Rudolf Meyer (1768 -1825) war ein überaus umtriebiger Zeitgenosse. Der Sohn eines erfolgreichen Unternehmers gründete 1802 in seiner Heimatstadt die heute älteste Kantonsschule der Schweiz. 

Aufgrund seiner Beteiligung an der Helvetischen Revolution von 1798 emigrierte Meyer nach Bayern, wo er sich ebenfalls als Seidenfabrikant versuchte, mit sein Viehzuchtbetrieben aber weit mehr Erfolg hatte.

Sein Lebensweg nahm jedoch ein dramatisches Ende: Wegen Falschmünzerei wurde er 1820 in Karlsruhe verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Fünf Jahre später starb Meyer unter bis heute ungeklärten Umständen in einem badischen Gefängnis.

<p>Johann Rudolf Meyer. Gemälde von Joseph Reinhart um 1790 (Stadtmuseum Aarau).</p>

Johann Rudolf Meyer. Gemälde von Joseph Reinhart um 1790 (Stadtmuseum Aarau).

© Wikipedia

Schulgründer, Fabrikant, Revolutionär, Bauherr und verurteilter Betrüger: Für Alpinisten bleibt Johann Rudolf Meyer dennoch vor allem der Mann, der als Erster den Gipfel der Jungfrau erreichte – und damit ein neues Kapitel der Alpingeschichte aufschlug.

In unserer Bildergalerie nehmen wir euch mit auf eine Skitour auf die Jungfrau:

Bildergalerie: Skitour auf die Jungfrau
Mit Ski auf den dritthöchsten Berg der Berner Alpen
Bildergalerie: Skitour auf die Jungfrau

Skitour auf den dritthöchsten Berg der Berner Alpen, mit klasse Aussicht und Gipfelschmaus.

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Text von Holger Rupprecht

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