Jost Kobuschs Everest-Expedition@(zwischenHeadlineTag)>
Jost Kobusch war heuer (wieder) am Everest aktiv. Er hat einen neuen Weltrekord aufgestellt. Er ist am Westgrat des Mount Everest im Winter und allein auf eine Höhe von 7537 Meter gelangt – laut seinem Höhenmesser. Das wäre höher als eine französische Expedition 1985, die erreichte "nur" 7500 Meter.
Vielleicht war Kobusch aber auch nur auf 7488 Meter, das zeigte der GPS-Tracker an. Keiner weiß es so genau. Stellt sich (u.a.) die Frage: Wann hat er seinen Höhenmesser das letzte Mal auf eine bestätigte Höhe eingestellt?
Um eine Leistung (mal wieder) so vollmundig in die Öffentlichkeit zu tragen, ist das auf jeden Fall arg dünn. Aber Kobusch schafft es immer wieder (und ja, auch wir greifen das Thema auf), mit seinem Tun öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen.
Weltrekord oder einfach nur ein Rekord?@(zwischenHeadlineTag)>
Eine Leistung am Berg als Weltrekord zu betiteln (nein Jost, das auf die Medien zu schieben, funktioniert nicht immer), ist an sich schon mal fragwürdig. Einen Weltrekord kann man auf einer Laufbahn aufstellen, da herrschen immer gleiche Bedingungen. Am Berg sind die Bedingungen nie vergleichbar. Daher kann man am Berg einen Rekord aufstellen, jedoch keinen Weltrekord. Aber Rekord klingt halt nach ziemlich wenig … Weltrekord macht mehr her.
Dass es Kobusch immer wieder schafft, mit seinen Leistungen so viel Aufmerksamkeit zu erhaschen, ist schon verwunderlich. Aber da geht es ihm wohl vor allem drum, das befeuert er aktiv. Natürlich ist es kein Zuckerschlecken, im Winter alleine über den Pass Loh La auf den Westgrat des Everest zu steigen. Das muss man erstmal machen. Aber aus der Tatsache, dass er (vielleicht) höher gekommen sei als eine Expedition 1985, einen Weltrekord zu stricken (oder auch nur einen Rekord), ist schon dick aufgetragen.
Kobusch verkauft der Öffentlichkeit den Everest zum x-ten Mal, nur dass er zu den eigentlich schwierigen Passagen bisher noch nie gelangt ist. Beim ersten Versuch heuer sei er nicht gut genug akklimatisiert gewesen für die Höhe, ließ er verlauten, daher sei er von 7537 Meter auch wieder abgestiegen.
Bei einem erneuten Vorstoß war er von dem Erdbeben betroffen, das sich in Tibet ereignete, er kehrte um. Und nochmal von ganz unten bis dorthin aufzusteigen, wo er umgekehrt ist (irgendwo um die 7500 Meter), wäre doch sehr mühselig (und wenig medienwirksam).
Obwohl Kobusch bis Ende Februar Zeit gehabt hätte am Everest, verkündete er am 13.1. das Ende der diesjährigen Expedition. Sein Ziel (viel Publicity) hat er ja erreicht. Beim nächsten Mal, in der Saison 25/26 (?), peilt er dann vielleicht eine Höhe von 7600 Meter an? Oder tun es auch 7550 Meter? Das wäre wieder ein Weltrekord und alles, was er sich für diesen Versuch vorgenommen hat, wetten!
Die Frage nach dem Alpinstil@(zwischenHeadlineTag)>
Aber wo wir bei der Darstellung sind: Kobusch spricht davon, im Alpinstil unterwegs gewesen zu sein. In einem Insta-Post sagt er aber, an Seilen in Richtung Loh La aufgestiegen zu sein, die er vorher installiert habe. Das ist kein Alpinstil.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Hier ist jemand unterwegs, dem es darum geht, öffentliche Aufmerksamkeit (Anerkennung?) zu erhaschen. Sein vorrangiges Ziel ist nicht der Gipfel – es zählen Fernsehauftritte und Klicks – das sind auch mehr als 7537, garantiert!
Wie steht ihr zu der Aktion von Jost Kobusch am Mount Everest? Hier das Ergebnis unserer Abstimmung.

46 Kommentare
Kommentar schreibenWanna-be-Profibergsteiger ... würde er eine alpinistische Topleistung abliefern, würde sie sich sowieso medial verbreiten; aber das was er meint drauf zu haben, könnten dutzende Sherpas aus dem Ärmel schütteln
Ich hatte mal ein Interview von Reinhold Messner gesehen. Messner sagte auf Jost Kobusch angesprochen, dass er ein Ankündigungsweltmeister sei. Dem stimme ich zu, auch wenn ich seine Leistungen nicht schmälern will, aber wenn er den Everest im Winter solo bezwingen will, dann soll er es halt machen.
Die Touren, die Kobusch medienwirksam durchführt, können von jedem "Durchschnittsbergsteiger" durchgeführt werden. Sein Everest "Weltrekord" hätten Bergsteiger wie Messner usw. als Aklimationstour genutzt. Ab 7500 m beginnen ja erst die wirklichen Schwierigkeiten. Ich bin überzeugt, daß Kobusch niemals den Gipfel des Everest erreichen wird - zumindest nicht so, wie er es ständig proklamiert!
Phil, Sie verrennen sich mehr und mehr.
- Kritik enthält immer ein "Urteil" bzw. eine "Verurteilung" und diskreditiert den genannten kritisierten Punkt.
- Alpin.de kritisiert auch, bzw. lässt Diskussionen über Lamborghinis am Berg, Heli-und Heliumeinsatz zu. Warum das in diesem Fall nicht sein darf, oder sogar mit dem kruden Wort "Hetze" bezeichnet wird, erschließt sich mir nicht. In dem Fall könnte diese Heli-Bergsteiergin aus Norwegen von "Hetze" gegen sie reden.
- "Waghalsige Aktion, um Geld (und Aufmerksamkeit) zu verdienen"; nun ja, wenn Sie das als Bergsteigen verstehen, Ihre Sache...
- Weltrekorde gibt es beim Bergsteigen einfach nicht, da so gut wie nicht vergleichbar (oder es müßten Mannschaften zum selben Zeitpunkt am selben Ort antreten, um sich zu messen)
- Zuguterletzt der Wunsch nach Nachahmung und Überbietung der "Rekorde". Kennen Sie den Unterschied zwischen Hrn. Ueli Steck und dem Ihnen unbekannten, hier schreibenden Bruno? Der erstere war ein weitaus besserer Bergsteiger.
Bruno
Ich gehe in die Berge weil es mir Spaß macht und bin alles andere als eine Bergsteigerin und ja vielleicht sollte ich genau deshalb auch keinen Kommentar abgeben. Aber, ja genau jetzt kommt das Aber. Was Kobusch mach hat für mich von außen betrachtet nichts mehr mit dem eigentlichen Bergsteigen zu tun; dem in der Natur sein, den Berg begehen weil es Freude macht, ja weil es eine Challenge ist. Natürlich kann man jetzt argumentieren wir leben in einer anderen Zeit und er geht nur mit dieser. Aber ist es wirklich nötig, dass die Medien da mit gehen und ihm die Chance geben mit seiner Art des Bergsteigens Geld zu verdienen. Das man mit dem Bergsteigen Geld verdient, Aufmerksamkeit bekommt absolut kein Problem. Aber jemand der den Berg nur begeht um Klicks zu bekommen sollte nicht in den Medien sein. Dies gilt übrigens genauso wenig für die Bergsteiger die sich zum Fuße der Berge fliegen lassen schnell auf den Berg rennen um irgendwelche Schnelligkeitstelorde aufzustellen.
Vielen Dank für den Artikel! Er spricht mir aus der Seele!
Hallo Holger Rupprecht,
Dann würde ich mir an Ihrer Stelle ernsthaft überlegen, wieso sie und ihr Bergjournalist einen Alpinisten mit einem sehr ehrgeizigen Vorhaben so kritisieren und verurteilen?
Kritik ist gut. Aber verurteilende und diskreditierende Kritik sollte hier keinen Platz finden. Vor allem nicht von einem beruflichen Profi, der um die örtlichen Gegebenheiten wissen sollte. Er macht sich sogar lustig über den kleinen Fortschritt.
Unter Profis gilt immer noch: "Probier' es zuerst selber, bevor du andere kritisierst und mitredest" Besonders unter Bergführer sollte das bekannt sein.
Vielleicht sollte Olaf Perwitzschky persönlich einmal im Winter einige Wochen dort verbringen und ähnliches probieren, um die Waghalsigkeit des Unternehmens zu verstehen.
Und zum Vorwurf des medialen Auftritts:
Ja warum soll das ein Alpinist nicht dürfen? Sie verdienen ua damit ihr Geld, wie Alpin.de über alles mögliche und manchmal auch unsinnige zu berichten.
Jost Kobusch versucht noch am ehesten die Reinform des Alpinstils (im Gegensatz zu manch anderen Alpinisten mit ihren Rekorden), mit eigens angelegten Hilfsmitteln. Das mag wohl eine streitbare Grenze sein.
Viel mehr Kritik und Aufmerksamkeiten würden die Alpinisten brauchen, die mit Heli-Taxi, Infusionen, Krankenhaus-Zwischenaufenthalte und voller Medikamente Weltrekorde aufstellen.
DAS ist nämlich zu diskreditieren, weil es nichts mehr mit Alpinismus/Sportlichkeit zu tun hat und nicht ein einzelner Alpinist der hart erkämpfte 50hm feiert....
Phil, neben der guten Antwort von Holger, will auch ich Ihren Beitrag auseinandernehmen:
- Heckmair, Hillary und Messner hatte keine soz. Medien. Sie kamen erst nach ihren Leistungen zu gewisser Berühmtheit (und ggf. Geld)
- Er hat es sich in den Kopf gesetzt... eine extrem schwere und gefährliche Begehung zu machen. Ist ja löblich, aber er kann dann berichten, wenn er sein Ziel geschafft hat. Alles andere ist nicht Bergsteigen, sondern Geld zu verdienen. Nebenbei scheint er für seinen Wunsch nicht die geeigneten Voraussetzungen zu haben
- "Ehrfurcht" - für was? "Neid" - wegen was? Warum? Verstehe ich nicht.
- Die Begehung wurde schon versucht, aber er will sie mit ein paar Höhenmeter übertrumpfen und das als Rekord vermarkten und sie über die (a)sozialen Medien zu Geld machen.
Ich gebe zu, ich bin etwas altmodisch mit meinen Anschauungen, ich gehe Bergsteigen, da es mir Freude macht, daher verstehe ich das alles vermutlich nicht mehr.
Bruno
Hallo Phil,
ich verantworte die Webseite alpin.de.
Wer sich wie Jost Kobusch bewusst in die Öffentlichkeit stellt, muss damit klarkommen, dass sein Tun auch kritisch kommentiert wird. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das auch tut.
Der Meinungs-Artikel von Olaf Perwitzschky ist kritisch, enthält aber keine "Hetze" und es geht ganz gewiss nicht um das "Ego eines gekränkten Autors".
Olaf ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, seit vielen Jahrzehnten Berg-Journalist, versierter und ambitionierter Bergsteiger, Skitourengeher, Kletterer und Eiskletterer mit einem Tourenbuch, das für viele, viele Bergsteiger-Leben reichen würde. Er weiß wovon er spricht und kann die Dinge einordnen.
Dennoch kann man anderer Meinung sein und diese äußern. So wie Du es hier tust.
Aber akzeptiere bitte auch Meinungen, die nicht der Deinen entsprechen und unterstelle diesen nicht "ahnungslose egogetriebene Hetze".
Viele Grüße
Holger
Also dieser Artikel und die damit verbundene aufgestachelte Kommentar-abfrage diskreditiert Alpin.de komplett!
Das ist kein Journalismus, sondern Hetze eines im Ego gekränkten Autors.
Jost Kobusch hat sich ein Ziel in den Kopf gesetzt, das bisher kaum jemand überhaupt angedacht bzw versucht hat.
Extrem schwer und gefährlich. Dazu noch alleine (bis auf den Transport zum basecamp)
Wer nur ein bisschen Ahnung davon hat, müsste mehr Ehrfurcht vor dieser Idee haben als Neid und Missgunst.
Und ja klar will er Medienwirksam seine Story bis zum Erfolg darstellen. Und er sagte es könne viele Jahre und Versuche brauchen und trotzdem nie etwas werden, weil es so schwierig ist.
Mit was soll er währenddessen sonst seinen finanziellen Bedarf decken?
Also echt....dieser Artikel ist wirklich unter der Gürtellinie.
P.s: Bei vielen Besteigungen gab es vorher große Ankündigungen und Presse etc. Auch bei Messners Expeditionen, vor allem später. Messner hat sich mit der Presse und der Nachrichtenerstattung sein Geld verdient.
Bei ALLEN Profis ist social media und co unabdingbar fürs Geld verdienen.