Kurzinterview mit den Hüttenwirten

Felssturz am Hohenzollernhaus: Hütte öffnet wieder für Übernachtungsgäste

Vergangene Woche hat sich am Hohenzollernhaus ein großer Murenabgang ereignet. Verletzt wurde zwar niemand, doch für die Wirte der Hütte hatte es zunächst dramatische Konsequenzen. Das Schutzhaus, das erst am 1. Juni in die Saison gestartet war, musste vorübergehend schließen. Nun können wieder Tages- und Übernachtungsgäste bewirtet werden.

Felssturz am Hohenzollernhaus: Hütte öffnet wieder für Übernachtungsgäste
© Marissa und Daniel/Hüttenwirte

Felssturz am Hohenzollernhaus: Hütte öffnet wieder für Gäste

Ausgelöst worden war der Murenabgang durch ein nächtliches Unwetter, das über die Glockturmgruppe hinweggefegt war. Infolge brach der bereits durch Gletscherschmelze in leichter, aber stetiger Bewegung befindende Hang unterhalb des Glockturms (3353 m) über eine steile Felskuppe ab – etwa 500 Meter vom Hohenzollernhaus entfernt. Der See, der 2019 durch das zunehmende Abschmelzen des Glockturmferners (mittlerweile Toteis) entstanden war, wurde vollständig dadurch verschüttet.

In der Hütte machte sich der Felssturz zunächst gegen 1:30 Uhr in Form eines Stromausfalls bemerkbar. Als Hüttenwirt Daniel Wanek zur Prüfung des kleinen Wasserkraftwerks die Hütte verließ, stellte er fest, dass der vom See gespeiste Bach kein Wasser mehr führte. Bei Tagesanbruch konnte das Wirtspaar die Ursache für den plötzlichen Stromausfall überprüfen und stellte daraufhin fest, dass der See vollständig verschwunden war.

<p>Wo vorher ein idyllischer See war, liegt nun nur noch Schutt.</p>

Wo vorher ein idyllischer See war, liegt nun nur noch Schutt.

© Daniel Wanek

Für das Wirtspaar, Daniel Wanek (32) und Marissa Gruber (29), sowie die Betreibersektion ist der Vorfall ein Super-GAU, da der dringend nötige Strom direkt von der Wasserkraft abhing. Da keine schnelle Lösung auf der Hand lag, musste das Schutzhaus zunächst auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Die Wirte befanden sich u. a. für die Laufzeit des Notstromaggregats jedoch weiterhin auf der Hütte. Ab morgen (09. Juli 2025) können Übernachtungsgäste wieder die Hütte besuchen.

Kurzinterview mit den Hüttenwirten: "Wir sind am Boden zerstört"

War der Felssturz absehbar bzw. habt ihr damit gerechnet?

Wir wussten, dass der Hang unsicher ist und es immer was kommen kann, dass es aber genau uns heuer trifft, haben wir nicht geahnt. Der See entstand 2019 ja erst durch eine Moräne an der gleichen Stelle.

<p>Das ganze Ausmaß des Abbruchs.</p>

Das ganze Ausmaß des Abbruchs.

© Daniel Wanek

Welche Konsequenzen hat der Felssturz für euch und den Hüttenbetrieb?

Wir mussten alle Gäste (12) evakuieren und die Hütte vorerst schließen. Laut der ersten Auskunft des Geologen schien die Saison 2025 frühzeitig beendet zu sein. Dementsprechend haben wir bereits neue Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter gesucht und waren am Boden zerstört.

Das Hauptproblem war einfach auch, dass wir ohne Wasser unser Wasserkraftwerk nicht starten können und somit keinen Strom haben. Unser Notstromaggregat deckt zwar das mindeste ab, aber leider ohne Küche. Wir haben alle Reservierungen für die laufende Woche stornieren müssen, und konnten nur abwarten, was das geologische Gutachten sagt.

<p>So sah der See bis vor wenigen Tagen noch aus. </p>

So sah der See bis vor wenigen Tagen noch aus. 

© Lubika Brechtel

Wie schwerwiegend sind die Schäden? Wurden Wege zerstört?

Was diesen Punkt angeht, hatten wir Glück im Unglück, da es eigentlich keine Schäden aus Hüttensicht gibt (außer eben, dass wir einen Woche schließen mussten). Anders sieht's natürlich bei den Wegen aus. Der Steig in Richtung Absatzkopf/ Nauderer Hennesiglspitze ist im früheren Seebereich leider unter Wasser/Geröll. Hier ist aber unser zuständiger Wegewart bereits beauftragt einen neuen Weg festzulegen. 

Das gleiche gilt Richtung Glockturm– hier in der Nähe war der Murenabgang – somit muss auch hier teilweise ein neuer Weg angelegt werden. Gefahr besteht aktuell nicht, aber man muss im Hinterkopf behalten, dass die Berge in dieser Umgebung immer in Bewegung sind.

<p>Eigentlich ein einsames Refugium zum Wohlfühlen: Das Hohenzollernhaus.</p>

Eigentlich ein einsames Refugium zum Wohlfühlen: Das Hohenzollernhaus.

© DAV/Hans Herbig

Wie lange wird es wohl dauern, bis ihr wieder öffnen könnt?

Wir haben bereits wieder geöffnet: seit 05. Juli für Tagesgäste und ab Mittwoch, den 09. Juli 2025, sogar für Übernachtungsgäste. Somit steht nun einen guten Saison nichts mehr im Wege. Vorausgesetzt, der Hang bleibt, wo er ist, und spült nicht wieder Dreck ins Kraftwerk.

Text von Lubika Brechtel

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