Mangelhafte Tourenplanung

Rettung bei Schnee, Wind und Starkregen: Familie auf 2300 Metern verstiegen

Am 08. Juli 2025 wurde eine dreiköpfige Familie von der Bergrettung Muhr aus 2300 Metern Höhe gerettet. Die Wanderer waren trotz Schneefall und Unwetterwarnung zu einer Tour aufgebrochen.

Nächtlicher Einsatz auf 2300 Metern: Familie aus Unwetter gerettet
© Bergrettung Muhr

Nächtlicher Einsatz auf 2300 Metern: Familie aus Unwetter gerettet

Wie die Bergrettung berichtet, war die Familie am Morgen von der Gmündner-Hütte im Maltatal zu einer Wanderung aufgebrochen. Offenkundig hatten sich die Urlauber vorab nicht über die Wetterprognose und den Wintereinbruch in den Hochlagen informiert. Im Bereich der Kölnbreinscharte kamen der 56 Jahre alte Mann, seine zwei Jahre jüngere Frau und die 20-Jährige Tochter aufgrund der Schneelage vom Weg ab und verstiegen sich im unwegsamen Gelände.

Schließlich setzten sie gegen 15:40 Uhr im Bereich der Muritzenscharte auf rund 2300 Metern den Notruf ab, so Michael Schlick, Ortsstellen- und Einsatzleiter der Bergrettung Muhr im Lungau. Daraufhin rückten zehn Einsatzkräfte der Bergrettung Muhr, ein Bergretter der Ortsstelle Zederhaus, zwei Einsatzkräfte der Bergrettung Mauterndorf, ein Einsatzfahrzeug und zwei Alpinpolizisten trotz Regenschauer und Schneefall umgehend zu den Verstiegenen aus.

"Die Wanderer waren für diese Tour in dieser Höhe nicht ausreichend ausgerüstet"

Auch zwei Polizeihubschrauber wurden angefordert. Als die Einsatzkräfte, die dank kurzer Wetterfenster streckenweise mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen werden konnten, nach etwa 1,5 Stunden (gegen 19 Uhr) die Dreiergruppe erreichten, waren die Wanderer zwar erschöpft und unterkühlt, aber unverletzt. Die Familie befand sich im Nahbereich eines Steiges, der im Schnee allerdings nicht mehr erkennbar war. Noch vor Ort wurden die Urlauber mit Getränken, Nahrung und warmer Kleidung versorgt.

Der weitere Einsatz gestalte sich jedoch aufgrund des schlechten Wetters als Herausforderung: Schneefall, Starkregen und Windböen machten eine Luftrettung unmöglich. "Zum Glück gab es dort Handy-Empfang", berichtet Einsatzleiter Schlick. "Die Wanderer waren für diese Tour in dieser Höhe nicht ausreichend ausgerüstet", fügte er an und stellte infrage, ob die Gruppe eine Nacht im Freien überlebt hätte.

<p>Der Kälteeinbruch der vergangenen Tage hat im Hochgebirge kurzzeitig winterliche Verhältnisse zur Folge.</p>

Der Kälteeinbruch der vergangenen Tage hat im Hochgebirge kurzzeitig winterliche Verhältnisse zur Folge.

© Bergrettung Muhr

Stellenweise über Seilgeländer gesichert, begleiteten die Retter die drei Deutschen über die Muritzenalmen nach Hintermuhr. Dort wartete bereits das Einsatzfahrzeug, das Retter und Gerettete zur Bergrettungsortsstelle Muhr brachte. Dort wurden die Wanderer erneut mit Essen und Trinken versorgt. "Dann haben wir sie zu der Unterkunft gefahren, die wir für sie organisiert haben", so Schlick. Der Einsatz war gegen 2.30 Uhr beendet.

Appell der Bergrettung Muhr

Wörtlich schreibt die Bergrettung: "Die Familie hatte diese Tour unterschätzt. Der Ortsstellenleiter appelliert, vor dem Start auf den Wetterbericht zu achten, eine ausführliche Tourenplanung vorzunehmen und die geeignete Ausrüstung inklusive Notfallausrüstung mitzunehmen."

<p>Auf den rutschigen Steigen musste die Bergrettung stellenweise Seilgeländer einrichten.</p>

Auf den rutschigen Steigen musste die Bergrettung stellenweise Seilgeländer einrichten.

© Bergrettung Muhr

Text von Lubika Brechtel

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