Alpenverein München und Oberland "fehlen die Worte"

Biwakschachtel am Jubiläumsgrat vermüllt

Die DAV-Sektion München & Oberland zeigt sich auf Social Media enttäuscht über Müll und Verschmutzungen in der Biwakschachtel am Jubiläumsgrat.

Wichtige Schutzhütte für Bergsteiger: die Biwackschachtel am Jubiläumsgrat.
© Wikipedia / Marcus Hebel

Erst vor wenigen Tagen machte eine Meldung die Runde, dass die Hocheck-Schutzhütte am Watzmann zum wiederholten Mal stark beschädigt worden ist. Nun gibt es auch am Jubiläumsgrat im Zugspitz-Gebiet ähnlichen Ärger.

Wichtiger Stützpunkt für Bergsteiger: die Biwakschachtel am Jubiläumsgrat

Etwa auf halber Strecke des Jubiläumsgrats im Wettersteingebirge zwischen Zugspitze und Hochblassen steht auf 2.684 Metern Höhe eine einfache Schutzhütte. Bereits 1914 errichtete die Sektion München des Deutschen Alpenvereins dort die erste Biwakschachtel, die seither mehrfach erneuert wurde.

Die Biwakschachtel ist wichtig für Bergsteiger, die bei der anspruchsvollen Tour über den Jubiläumsgrat in Not oder einen Wetterumschwung geraten. Sie ist unbewirtschaftet, und mit Stockbetten und Decken, einem Klapptisch, Fenstern sowie Stangen zum Aufhängen nasser Kleidung ausgestattet. Auf sämtlichen Hüttenkomfort wie Wasser, Waschgelegenheiten, Herd oder Licht muss verzichtet werden. Geplante Übernachtungen sind nicht vorgesehen, im Fall der Fälle bietet die sechs Meter lange und zweieinhalb Meter breite, signalrote Biwakschachtel jedoch Schutz und Übernachtungsmöglichkeit für 12 Personen und kann lebensrettend sein.

<p>Blick auf den Jubiläumsgrat im Wetterstein.</p>

Blick auf den Jubiläumsgrat im Wetterstein.

© Holger Rupprecht

Es gilt gemeinhin als Teil der Bergsteiger-Ehre, solche Schutzhütten wie die auf dem "Jubi" besonders achtsam zu behandeln und keinerlei "Spuren" zu hinterlassen. Daran nicht gebunden fühlten sich offensichtlich einige Personen, die sich in jüngster Vergangenheit in der Hütte aufgehalten haben.

Müll in der Biwakschachtel am Jubiläumgsgrat

Der Sektionen München und Oberland des Deutschen Alpenvereins wurden Fotos von Müll in der Biwakschachtel am Jubiläumgsrat übermittelt. In einer dazugehörigen Nachricht schreibt der Absender: "Ich bin heute auf meiner Tour über den Jubigrat an der Jubiläumsgrathütte angekommen. Auf dem Grat selbst habe ich bereits Müll von Leuten gefunden und gesammelt, in dem Biwak sah es leider nicht besser aus: angebrochenes Trekking-Food, Schokolade auf einer Matratze und leere Riegel-Verpackungen. Hatte leider nicht genug Platz, um das alles mitzunehmen – habe es gesammelt und unter den Tisch gestellt. Schreibe diese Nachricht, um euch drüber zu informieren und dem vorzubeugen, dass sowas auf mich zurückfällt, da mein Name im Hüttenbuch steht ... " 

<p>Ärgerlich: Müll  in der Biwakschachtel am Jubiläumgsgrat.</p>

Ärgerlich: Müll in der Biwakschachtel am Jubiläumgsgrat.

© Alpenverein München und Oberland - DAV

Die Sektion machte die Bilder in einem Post auf Social-Media vom 28. Oktober öffentlich, dankt darin dem Absender und zeigt sich enttäuscht über das Verhalten der Verursacher. "Uns fehlen ehrlich gesagt die Worte", heißt es in dem Post und weiter: "Erst vor wenigen Wochen haben wir die Biwakschachtel repariert, gereinigt und alle Bettlaken erneuert – auf eigene Kosten. Umso enttäuschender ist es, zu sehen, wie respektlos manche mit diesem Ort umgehen."

Infografik
© Alpenverein München und Oberland - DAV

Der Post endet mit diesem Appell: "Wenn ihr in den Bergen unterwegs seid – nehmt euren Müll wieder mit! Hinterlasst den Platz so, wie ihr ihn selbst vorfinden möchtet. Nur so bleibt das Biwak das, was es sein soll: eine Notunterkunft für alle, die sie wirklich brauchen."

Hier findet ihr unsere Reportage zur Tour über den Jubiläumsgrat im Sommer (anspruchsvoll!), hier den Beitrag zur Tour im Winter (sehr anspruchsvoll!).

Schritt für Schritt: Der Jubiläumsgrat
Schwere Tour an Deutschlands höchstem Berg
Schritt für Schritt: Der Jubiläumsgrat

Wir stellen euch die Tour von der Zugspitze zur Alpspitze Schritt für Schritt vor.

zur Galerie

Text von Holger Rupprecht

13 Kommentare

Kommentar schreiben
Roland

kürzlich fand ich auf youtube ein video (sicher noch da) wo zwei besonders vergeistigte vögel auf der laliderer wand in der biwakschachtel geplant nächtigten (unerlaubterweise) der eine sitzt am Grat mit Pferdedecke um und spielt auf eine Hang (Handpan klangschale) und ein anderer filmt das mit Drohne! was willst da noch sagen ..
Wenn der DAV halt werbung macht und alles anlockt was ein insta account hat muss man sich nicht wundern
ich denke es wird zeit nach 45 jahren aus dem verein auszutreten.

BeSt

Mich wundern diese Bilder überhaupt nicht, da es doch der DAV selbst ist, der sich in den grob letzten immer mehr wie ein Tourismusverband aufspielt und eine Klientel herlotst, welche normalerweise nie auf die Idee kommen würde, in die Berge zu gehen.

Warum müssen in alle DAV-Hütten W-LAN, Strom usw. verfügbar sein?
Warum muss man auf Instagram Stories von irgendwelchen Bergtouren posten oder in dubiosen Aktionen wie dem "Rocktober" die Leute dazu animieren an bestimmten Felsen zu klettern?

Warum müssen Wege in den Bergen immer leichter und sicherer begehbar gemacht werden.
Die Berge sind und waren schon immer für alle betretbar aber nicht für alle da!
Berge sind nicht inklusiv!!
Möchte man wieder, das es ruhig wird in den Bergen muss man
1. endlich anfangen sämtliche Versicherungen aus Steigen und Klettersteigen zu entfernen
und diese auch nicht mehr bewarten,
2. die Erreichbarkeit und den Komfort von Hütten einschränken,
3. den DAV bestenfalls auflösen, da niemand einen Bergverein braucht, der wie ein Tourismusverband agiert und sich jeder gerade aktuellen Ideologie anbiedert.
4. Bergsport wieder uncool machen.
Zu der Zeit als ich Jugendlich war, war es ein Unding und "opa-mäßig" in die Berge zu gehen. Da ist man in das Fitnessstudio gegangen.

Will man Leute in den Bergen haben, die diese würdigen, muss man auch dafür sorgen dass der Rest draußen bleiben.
Da wir in einer freien Gesellschaft sind, kann man keinen dazu zwingen aber kann dafür sorgen dass es nicht populär wird.




Ohrwurm

Wer einen funken anstand bessitzt der hinterlässt so einen saustall nicht.da braucht es keine anleitungen in welcher sprache auch immer.menschen mit charakter nehmen ihre abfälle mit .sind ja wohl grossteils erwachsene die da raufgehn.scheinbar fehlts da an geistigem niveau.erbärmlich so was!

Roberto

Im Sommer hatte ich den Eindruck dass die meisten Aspiranten am Jubi die Übernachtung im Biwak eher fest eingeplant hatten. Der Charakter einer Notfallunterkunft geht gefühlt eher verloren. Das gilt, denke ich, für die meisten Biwakschachteln. Ausgenommen sind natürlich die, welche einem die Tour erst ermöglichen, was für den Jubi eigentlich nicht gilt...

Markus Siemes

Das ist doch längst kein Einzelfall mehr - seit im Rahmen der Corona-Restriktionen in den letzten Jahren immer mehr Leute die "Natur für sich entdeckt" haben, nimmt die Vermüllung doch allerorten rapide zu. Auf vielen Wanderwegen sieht es mittlerweile dreckiger aus als auf Autobahnparkplätzen, wo man hinschaut, Tempotaschentücher (natürlich gebraucht zum....), Zigarettenkippen, Dosen, Umverpackungen, sogar Reste von Silvesterkrachern habe ich schon an entlegenen Stellen aufgefunden. Bei dieser "Liebe zur Natur" wundert mich das hier beschriebene Verhalten in der Biwakschachtel kein wenig.

Alfred Schneider

Ärgerlich!
Schwarze Schafe gab es schon immer und wird es immer wieder geben….

Tanja

Besteht denn keine Möglichkeit, diese Hütten mit Kameras auszustatten?
Wer in Not dort unterkommt, hat ganz bestimmt nichts dagegen, wenn man ihn sieht. Wer nicht in Not ist, hat da nichts verloren und überlegt es sich hoffentlich, ob er seiner Zerstörungswut freien Lauf lässt.

LangerHeinz

Absolut eine Sauerei, da ja wohl kein Notfall. Ihr beschreibt die Route zwar als schwierig, aber im Detail so, dass wohl die meisten meinen, das geht schon. Der Hinweis auf das Biwak, dass man Wasser mitbringen muss, verleitet wohl doch den Ein oder Anderen, dies als „geplante“ Übernachtung anzugehen. Wie wir diese Menschenmassen rund um die Zugspitze in Griff bekommen dafür habe ich leider auch keine Lösung, außer Zivilcourage und (digitale) Überwachung. Für mich ist klar ich meide diese Orte - in Top-Spots müssen wir dieses „Bergbild“ wohl ertragen. BERG FREI Heinz Buchmann

Bruno

Die 2 Berichte über Zerstörung und Vermüllung machen traurig. Aber was ich nicht verstehe, (leider auch nicht die Technik...), warum kann man das nicht "digital" klären - also ein Digitalschloss einbauen, den Code dazu an den jeweiligen Bergsteiger zusenden (mit Bitte einer kleinen Spende). So hat man die Namen dieser Leute und dazu einen kleinen Zugewinn für die Bergwacht.
Ansonsten habe ich so etwas Ähnliches im Winterraum auf der Stüdl-Hütte gesehen - Müll wurde liegen gelassen, der geringe Obolus für Bewohnung wurde nicht bezahlt. Das waren 5 "Alpinisten" aus Polen. Als ich sie darauf ansprach, taten sie so, als verstehen sie mich nicht.
Also Bergwacht und AV, versucht das auf diesem Wege, ihr habt bestimmt einen IT-Experten, der das machen kann. Dann sollte sich die Sache bessern, Bruno

Tilda

Das sehe ich etwas anders - war in der Vergangenheit sehr viel in den Bergen unterwegs, u.a. auch durchs Höllental zur Zugspitze! Der Respekt vor der Natur hat in den Jahren stetig nachgelassen, da ist manchen Möchtegern-Wanderern der Sinn und die Schönheit der Natur verloren gegangen bzw. war und ist gar nicht vorhanden! Welche Hinterlassenschaften ich an manchen Rastplätzen oder mitten auf den Wegen gesehen (und mitgenommen) habe, läßt einem nur den Kopf schütteln und macht wütend! Solche Chaoten gehören einfach nicht ins Gebirge! Aber es wird leider nicht besser - siehe Biwak-Schachtel am Jubi! Da frage ich mich, wessen Geistes Kinder solche Leute sind!
Der DAV hat in meinen Augen wichtigere Aufgaben, als den Müll sogenannter „Bergsteiger“ aufzusammeln! Sicherlich kann man mal aus Versehen unbemerkt etwas verlieren, aber Konservendosen, Verpackungsmaterial jeglicher Art, gebrochene Stöcke, Schuhsohlen u.v.m. wird bewusst liegen gelassen unter dem Motto „was störts mich“! Höfliche Bitten, den Müll doch bitte mitzunehmen, werden mit Kommentaren beantwortet, die ich hier nicht wiedergeben möchte! Sicherlich sind diese Leute nicht die Mehrheit, aber sie werden immer mehr und machen jetzt noch nicht einmal vor Biwak-Schachteln halt! So ein Verhalten macht einfach nur sprachlos und ist zum Fremdschämen! An alle, die sich jetzt wiedergefunden haben - bleibt doch bitte einfach zu Hause und eßt eure Chips auf der Couch; Tüte könnt ihr dann getrost liegen lassen!

Seite 1 / 2 Next