Nur noch 32 Grad Körpertemperatur

Nach vier Tagen am Berg: Stark unterkühlter Wanderer in den Berchtesgadener Alpen gerettet

Einsatzkräfte haben am Dienstagmorgen (28. Oktober 2025) im Steinernen Meer einen stark unterkühlten Wanderer gerettet. Der Mann hatte nach vier Tagen am Berg und einer Nacht im Schneesturm eine Körpertemperatur von nur noch 32 Grad.

Bergwacht rettet stark unterkühlten 31-Jährigen in den Berchtesgadener Alpen
© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

Vier Tage allein im Steinernen Meer

Der 31-Jährige war laut Bergwacht bereits seit vier Tagen im Gebirge unterwegs. Seine Tour führte ihn zunächst von Kuchl über das Bluntautal ins Hagengebirge. Anschließend wollte er offenbar weiter über das Steinerne Meer und das Hundstodgatterl in Richtung Königssee absteigen und so eine Art Umrundung des Sees vollenden.

Das Wetter machte dem Bergwanderer jedoch einen Strich durch die Rechnung: Ergiebiger Schneefall zwang ihn, die Nacht auf Dienstag ungeschützt im Freien zu verbringen. Am Dienstagmorgen setzte er gegen 7:30 Uhr über Satellit via "Notruf SOS" einen Hilferuf ab.

<p>"Ziemlich sicher das Leben gerettet": Die Besatzung des Rettungshubschraubers "Christoph 14" versorgt unterkühlten Bergwanderer.</p>

"Ziemlich sicher das Leben gerettet": Die Besatzung des Rettungshubschraubers "Christoph 14" versorgt unterkühlten Bergwanderer.

© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

Hubschrauber-Rettung trotz tiefhängender Wolken

Ein Rückruf durch die Einsatzleitung war nicht möglich, der Mann hatte kein Handynetz. Da die Sichtverhältnisse schlecht waren und tiefe Wolken über dem Steinernen Meer hingen, stellte sich die Bergwacht zunächst auf einen langen Fußmarsch ein. Zusätzlich rückte das Team des Technikbusses mit einer Wärmebilddrohne aus, um den Vermissten zu lokalisieren.

Überraschend gelang es der Hubschrauberbesatzung von "Christoph 14" trotz der schwierigen Bedingungen bis zum Hundstodgatterl vorzudringen. Gegen 8 Uhr erreichten die Retter den Mann, der etwa 20 Minuten medizinisch versorgt und anschließend ins Tal geflogen wurde. Um 08:30 Uhr traf der Gerettete an der Bergrettungswache ein und wurde kurz nach 9 Uhr vom Roten Kreuz Freilassing in die Kreisklinik Bad Reichenhall gebracht. Insgesamt waren an dem Einsatz 17 Bergretter beteiligt.

Mit der Aktion haben die Einsatzkräfte dem Mann "ziemlich sicher das Leben gerettet", wie es in der Pressemitteilung hierzu heißt, "da der Mann nur noch eine Körpertemperatur von 32 Grad hatte".

So vermeidet ihr Notlagen auf Tour im Spätherbst

Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie schnell spätherbstliche Bergtouren in winterliche Lagen und schlimmstenfalls zu Notsituationen führen können. "Auch wenn im Tal noch Herbst ist, herrschen in höheren Lagen wie in diesem Fall dem Steinernen Meer oft schon winterliche Bedingungen mit Schnee und vereisten Stellen", sagt Olaf Perwitzschky, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und ALPIN-Experte. Er gibt folgende Tipps:

  • Ausrüstung: Erste-Hilfe-Set, Stirnlampe (!), warme Kleidung, Mütze, Handschuhe, Rettungsdecke, Biwaksack, Riegel und (warmes) Getränk gehören wie ein voll geladenes Handy und gegebenfalls eine zusätzliche Powerbank in jeden Rucksack!

  • Am besten hat man auch Gamaschen und Grödel dabei, für den Fall, dass man auf Schnee trifft. Auch Stöcke (mit Schneeteller) sind hilfreich.

  • Aktuelle Wetter- und Lawinenberichte prüfen

  • Schneefallgrenzen und Temperaturen berücksichtigen

  • Tour realistisch planen: Dauer, Höhenmeter und Schwierigkeit an Verhältnisse und eigene Kondition anpassen. Gegenüber dem Sommer stark verringerte Stundenzahl an Tageslicht bedenken.

  • Route mitteilen: Angehörige oder Freunde informieren, wohin man geht und wann man zurück sein will. Bei Überschreitung des Rückkehrzeitpunktes Rettungskette vereinbaren. 

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Text von Holger Rupprecht

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