Am 06. Dezember verunglückte ein 19-jähriger Deutscher im beliebten Stopselzieher-Klettersteig unterhalb der Zugspitze tödlich. Ein kleines Schneebrett löste sich über ihm, riss den Mann in die Tiefe und verschüttete ihn. Sein Begleiter überlebte.
In unserer Berichterstattung hierzu haben wir uns auf eine Presseaussendung der Polizei Tirol bezogen, die hier im Ganzen nachzulesen ist. Darin heißt es unter anderem: "Der 19-Jährige war offenbar nicht am Stahlseil gesichert."
Diesen Umstand haben wir in unserem Artikel benannt. Über die Frage, ob eine Sicherung mit Klettersteigset an der Stelle möglich war, treffen wir keine Aussage, da hierzu keine Informationen vorlagen.
Die Angehörigen des Verunglückten teilen uns in einem Schreiben mit, dass sie befürchten, bei den Leserinnen und Lesern unseres Artikels könnte der Eindruck entstanden sein, "es gebe eine eindeutige Ursache des Unfalls, die auf persönliches Fehlverhalten zurückzuführen sei".
Sie bitten daher um eine Richtigstellung und übermitteln die Aussagen des Tourenpartners. Wir kommen dieser Bitte sehr gerne nach und veröffentlichen die Darstellung des Augenzeugen hier wortwörtlich in Gänze und unkommentiert. Die Schilderung gibt ausschließlich die Perspektive des überlebenden Tourenpartners wieder.
Lawinenunglück im Stopselzieher: Aussagen des Augenzeugen@(zwischenHeadlineTag)>
Davor haben wir die Woche über und explizit Stunden vorher den Wetterbericht gecheckt und die Verhältnisse beobachtet.
Wir haben uns besprochen und sind uns einig geworden, dass das Wetter für einen Aufstieg akzeptabel ist und kaum besser werden könnte.
Wir haben auch stündlich bis 1 1/2 stündlich unsere Buddy Checks gemacht, sprich wir haben was gegessen, getrunken und geredet, wie es uns geht bzw. ob wir sagen, dass wir wieder absteigen, weil wir nicht mehr können (sobald einer auch nur ein ernstes Zeichen dafür angezeigt hätte, hätte es einen Abbruch gegeben).
Wie die Stunden zuvor haben wir uns nach 1-2 Stunden immer abgewechselt mit dem Anführen des Aufstiegs
Nach kurzer Zeit kamen wir wieder an eine Stelle, wo die Drahtseil Sicherung aufhörte und man ca. 4-6 Meter ohne Sicherung bis zur nächsten Drahtseil Sicherung laufen musste.
L. hatte sich mit mir an dem Ende der letzten Sicherung positioniert und ich bin vorgelaufen bis zur Sicherung. Ich gab ihm das okay, dass ich gesichert war und bin weiter aufgestiegen.
Nach ca. 10 Höhenmetern habe ich mich umgedreht und da sah ich ihn gerade am Anfang der nicht seilversicherten Passage. Da, wo ich am Klettern war, ist es sehr steil (ca. 60-70 Grad ) und man hatte sein Blick nicht nach oben, sondern eher auf den Füßen, um zu schauen, wo man hin tritt und wie man seinen nächsten Schritt ausführt.
Nach weiteren 5 m drehte ich mich um und sah, dass er in der Mitte war. Ich habe meinen Aufstieg fortgesetzt, als ich nach ein paar weiteren Metern plötzlich Schnee vor meinen Füßen angerutscht kommen sah. In diesem Moment schreie ich "Lawine" und wurde sofort mitgerissen und unter das Stahlseil gedrückt, sodass meine Sicherung teilweise auslöste und ich mit meinem Oberkörper zwischen Stahlseil und Fels eingeklemmt war
L. war zu jeder Zeit als es möglich war mit seinem Klettersteigset gesichert und er hätte niemals eine Sicherung ausgelassen, wenn eine vorhanden war .
Wir beide waren für die Tour bestens ausgerüstet und hätten die Tour niemals begangen, wenn wir nicht die erforderliche Ausrüstung sowie Kenntnisse besessen hätten.
Wir möchten den Angehörigen und Freunden des verstorbenen 19-Jährigen unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen. In diesen schweren Stunden wünschen wir seiner Familie und all jenen, die ihm nahestanden, Kraft, Trost und Menschen, die sie auffangen.

