Umweltverträglichkeitsprüfung muss erfolgen

Gericht bestätigt: UVP-Pflicht für Ausbaupläne am Pitztaler Gletscher

Die Ausbaupläne für weitere Pisten und Liftanlagen im Gletscherskigebiet "Pitztaler Gletscher" müssen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen werden. Der Österreichische Alpenverein begrüßt das Urteil, in dem das Höchstgericht ausdrücklich den Schutz von Gletschern und hochalpinen Regionen hervorhebt.

Das Gebiet rund um den Linken Fernerkogel mit Karlesferner (links), Mittelbergferner (Bildmitte) und Braunschweiger Hütte (Vordergrund rechts).
© Ann-Kristin Winkler/WWF

Alpenverein will skitechnische Erschließung unberührter Gletscherfläche verhindern

Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat als letzte Instanz im Fall "Pitztal" entschieden, dass die Bauvorhaben im Gletscherskigebiet UVP-pflichtig sind. Damit bestätigt er das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) vom Juni 2025, bei dem die Projektbetreiber im letzten Jahr eine Beschwerde eingereicht hatten. Der VwGH begründet die Entscheidung damit, dass der Karlesferner als eigenständiger und als vom Mittelbergferner getrennter Gletscher zu betrachten sei.

Da der Karlesferner bisher nicht erschlossen ist, sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) klar durchzuführen. Zielsetzung des Gesetzgebers hinsichtlich Gletscherskigebieten sei der Schutz von Gletschern und hochalpinen Regionen. "Dieses Urteil ist ein starkes Zeichen für den Umweltschutz: Es bestätigt die Rechtsansicht des Bundesverwaltungsgerichts, dass bei Eingriffen im hochalpinen Raum und in Gletscher höchste Prüfstandards gelten müssen. Gerade dort, wo Natur und die Landschaft besonders verletzlich sind, braucht es klare Leitplanken", sagt Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins.

"Die UVP-Pflicht ist auch deshalb wichtig, weil der Alpenverein als anerkannte Umweltorganisation damit in einem allfälligen Verfahren beteiligt ist. So können wir unsere Expertise einbringen und zum Schutz des vergletscherten Hochgebirges beitragen", sagt Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins. "Denn letztlich geht es bei den Ausbauplänen nicht um Anpassungen innerhalb des Skigebiets, sondern um die erstmalige skitechnische Erschließung bisher unberührter Gletscher."

Warnung vor Aushöhlung des Gletscherschutzes

Der Österreichische Alpenverein setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Gletscherflächen, inklusive Vorfelder und Moränen, vor neuen technischen Erschließungen geschützt werden. Er fordert die Tiroler Landesregierung erneut auf, die als "Gletscherschutzverordnung" bezeichnete Rechtsgrundlage aus dem Jahre 2006 aufzuheben, weil erst diese den Weg für die umstrittenen Erschließungen im Pitztal und im Kaunertal gebahnt habe.

Der ÖAV sieht die Politik in der Pflicht, den Wert der alpinen Naturräume, und vor allem der Gletschervorfelder, anzuerkennen und die Gebiete unter Schutz zu stellen. Nicht nur im Pitztal, sondern auch den Gepatschferner im Kaunertal.

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Das Gebiet rund um den Linken Fernerkogel mit Karlesferner (links), Mittelbergferner (Bildmitte) und Braunschweiger Hütte (Vordergrund rechts).

© Ann-Kristin Winkler/WWF

Was ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)?

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) am Gletscher ist ein gesetzlich geregeltes Verfahren, mit dem geprüft wird, welche Auswirkungen ein geplantes Projekt auf den hochsensiblen Naturraum Gletscher hat, bevor eine Genehmigung erteilt wird. Sie kommt etwa bei Skigebietserweiterungen, neuen Liftanlagen, Beschneiungsinfrastruktur, Speicherteichen, Gletscherabdeckungen oder touristischen Großprojekten zum Einsatz. 

Gerade am Gletscher ist die UVP besonders relevant, weil es sich um klimatisch hochgefährdete Ökosysteme handelt. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung am Gletscher prüft nicht nur ein Bauvorhaben, sie bewertet, ob menschliche Nutzung in einem schwindenden Hochgebirgsraum überhaupt noch vertretbar ist.

1 Kommentar

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Bruno

Was ausbauen? Entfernen von dem ganzen Kram der Unterhaltungsindustrie für selbstverliebte Rutscher, die einen ach so tollen Panorama-Hintergrund brauchen wäre das richtige! Die haben genug in der herrlichen Bergwelt zerstört, das sollte langsam reichen. Klar, Geldscheffeln, aber die Seele (dieser Welt) verkaufen.
Aber auch ein Tipp liebe Österreicher - macht es so wie die Saudis - baut klimatisierte Hallen und rutscht dort. Gibt auch Geld. Bruno