"Boofen": Fester Bestandteil der sächsischen Kletterkultur
Eine "Boofe" ist eine "Freiübernachtungsstelle" unter Felsen oder in kleinen Höhlen der Sächsischen Schweiz, das "Boofen" seit vielen Generationen ein fester Bestandteil der dortigen Kletter- und Bergsteigerkultur. Boofen ist an 57 ausgewiesenen Stellen (Hinweisschild "Freiübernachtungsstelle", siehe Foto) "im unmittelbaren Zusammenhang mit der Ausübung des Klettersports" erlaubt, sofern man sich besonders rücksichtsvoll gegenüber der Natur verhält.

"Nur für Bergsteiger": Hinweisschild für eine "Freiübernachtungsstelle" in der Sächsischen Schweiz.
Laute Aktivitäten sind unerwünscht und Nutzer der Boofen dringend aufgefordert, keine Schäden an Fels, Boden oder Vegetation zu hinterlassen. Einst teilweise liebevoll ausgebaut und oft mit Feuerstellen versehen, ist Feuer in den Boofen heute aufgrund des Nationalparkstatus' grundsätzlich verboten.
Boofverbot soll dauerhaft bestehen bleiben
Früher tatsächlich nahezu ausschließlich von Kletterern praktiziert, wurde das Boofen zunehmend populärer, in Social-Media-Zeiten entstand ein regelrechter "Boof-Tourismus". Mit Folgen wie unerlaubten Feuern, Lärm, Müll und (allzu) menschlichen Hinterlassenschaften
2023 wurde das Boofen im Nationalpark daher erstmals vom 01. Februar bis 15. Juni verboten. Ziel des Verbots war der Schutz der Natur im Allgemeinen und der sensibler Vogelarten im Besonderen. Auch sollte die Gefahr durch illegale Feuer gemindert werden. Das Verbot für den entsprechenden Zeitraum galt vorerst versuchsweise und befristet bis 31. Dezember 2025.
Die Versuchsphase war nach Evaluation des sächsischen Umweltministeriums erfolgreich, weswegen im Dezember bekannt wurde, dass das ursprünglich temporär auf den Zeitraum von drei Jahren begrenzte Boofverbot nun dauerhaft in der Zeit vom 01. Februar bis 15. Juni gilt.
Bergsportverbände kritisieren Boof-Verbot
Die Akademische Sektion Dresden, die DAV-Sektion Dresden, der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) und der DAV-Landesverband Sachsen wenden sich deutlich gegen die vom Umweltministerium geplante dauerhafte Sperre im genannten Zeitraum. In einer gemeinsamen Pressemeldung kritisieren sie, dass die Maßnahme die Probleme beim Boofen nicht nachhaltig löst und wichtige Klettertraditionen einschränkt.
Die Begründung der Sperrungen mit dem Schutz bedrohter Vogelarten hält man der Pressemitteilung zufolge für vorgeschoben. Vielmehr ginge es den Behörden generell um eine eine nächtliche Beruhigung. Die Verbände befürchten jedoch Ausweichbewegungen in sensiblere, bislang weniger frequentierte Bereiche der Sächsischen Schweiz, ein Effekt, der dem Naturschutz letztlich zuwiderlaufen könnte.
Statt auf Verbote setzen die Verbände auf Aufklärung und schlagen ein "Jahresticket auf Schulungsbasis" vor. Bei diesem Modell würden nur Menschen eine Übernachtungsgenehmigung bekommen, die jährlich eine Unterweisung erhalten und anschließend einen Kompetenztest zu umweltgerechtem Verhalten beim Boofen bestehen. "Dieses Modell ist rechtlich umsetzbar und findet breite Unterstützung", erklärt Christian Rucker, Vorsitzender der DAV-Sektion Dresden.
Die Verbände betonen, dass diese Lösung Naturschutzbelange beachte und gleichzeitig die Tradition des Boofens bewahren würde. Nach Einschätzung der Bergsportverbände drohe anderenfalls gar ein schleichender Übergang zu einem vollständigen Boof-Verbot im Nationalpark. "Boofen ist ein zentraler Bestandteil der Kletterkultur in Sachsen und Teil des immateriellen Kulturerbes Bergsteigen", betont Rainer Petzold vom Sächsischen Bergsteigerbund (SBB).
Der SBB hat eigenen Angaben nach über eine Anwaltskanzlei form- und fristgerecht Widerspruch gegen die Entscheidung des Umweltministeriums eingelegt. Zudem wurde ein Eilantrag gegen den Sofortvollzug der Regelung gestellt.
Regeln beim Boofen
Unabhängig von der zukünftig dauerhaft geltenden Regelung, bittet der DAV-Landesverband Sachsen um Einhaltung dieser Regeln beim Boofen:
Nutzt im Nationalpark nur die zugelassenen Boofen.
Seid vor Beginn der Dämmerung in der Boofe.
Macht kein Feuer.
Verhaltet euch ruhig.
Geht sparsam mit Licht um.
Verrichtet eure Notdurft abseits von Boofen (Überhängen generell) und Wegen, vergrabt Fäkalien und Klopapier.
Nehmt sämtlichen Müll mit.



6 Kommentare
Kommentar schreiben@Bruno
Festzustellen wer nun Kletterer ist, da ist Seil und Co wieder viel zu kurz gedacht.
Auch ich bin manchmal im Sommer an freien Tagen im Gebiet unterwegs und Boofe. Zwischendurch nehme ich auch mal Gipfel mit, und steige diese solo auf und ab.
Schuhe und Seil wirst du vergeblich suchen, ich klettere Barfuss, manchmal habe ich einen Kletterführer mit.
Ich klettere seit vielen Jahren und bin SBB Mitglied.
Das heisst ich krieg eine Strafe weil ich kein augenscheinlicher Kletterer bin?
Diese Argumentation ist ähnlich lächerlich und an der Realität vorbei wie jene, die Mindestausrüstung für die Alpen vorschreiben damit die Unfallzahlen sinken.
Ja, die Sache ist schwierig. Gesetze sollten für alle verbindlich sein, aber werden nie allen Menschen entgegenkommen. Leider gibt es Leute, auf denen Goethes Sprüchlein "Er nennts Vernunft und brauchts allein, um..." zutrifft, und Menschen, die versuchen, sich auch ohne Gesetzgebung respektierlich gegenüber der Natur und anderen Menschen zu verhalten.
Micha benutzt hierbei Huxleys Titel von "Schöne neue Welt". Richtig, alles zu verbieten führt zu den Konsequenzen aus diesem Buch, alles zu erlauben führt zu einer "schönen neuen Welt" wie auf dem Gebiet etwas südlicher anknüpfend, in der Region Hrensko. Dieser Teil, also die "böhmische Schweiz", wurde wegen Romantikern an Lagerfeuern zu "verbrannter Erde". Das ist ebenfalls unschön. Wer das gesehen hat, wünscht sich eine Strafandrohung von 1 Mio. für offenes Feuer (zumal die Schäden unendlich höher waren).
Aber da Kritik ohne Lösungsansatz ins Leere läuft, hier meiner: um die Leute, wie sie Goethe beschrieb, aus diesem Gebiet fernzuhalten: Kletterer haben in der Regel ein Seil und Ausrüstungsgegenstände bei sich. Diesen sollte das "Boofen" weiterhin gestattet sein. Leicht bei Kontrollen festzustellen. Leute mit Musikboxen und Drohnen unter Bußgeldandrohung sofort ausweisen. Gedudel hören und sich kindisch und peinlich benehmen kann man auch zu Hause. Und Ruhe ist. Also eigentlich ganz einfach zu lösen, Bruno
Seitdem auch die Doofen boofen, könnwa nicht mehr in den Boofen schwofen.
Der gleiche Sch... wie in den Winterräumen ... Find den Vorschlag vom SBB eigentlich gut, aber wer will das wie kontrollieren? Sollen Ranger jeden Abend 57 Bofen durchsuchen, ob evtl jemand ohne "Jahresticket" dort übernachtet?
Ja, leider ist das die neue wildromantische Realität hier in Sachsen.
Lagerfeuer im Sommer, Zelte in den Boofen, Drohnenflüge, Musikboxen, Einweggrills abgerissene Vegetation damit der Bushcrafter ein weiches Lager hat.
Agenturen haben Boofen als Event vermarktet.
Die Liste ist lang.
Und mit der zeitweiligen Sperrung wurden auch jegliche Kocher verboten. Richtig, in der sandgefüllten Boofe ist ein Gaskocher zum Teekochen verboten und wird geahndet.
Schöne neue Welt.
Och nö... Müssen denn nun alle naturverbundenen Kletterer müssen, weil irgendwelche Party-Touristen Dreck hinterlassen haben?