03. März 2026 | Update: Sportlicher Leiter freigestellt@(zwischenHeadlineTag)>
Im Zuge der Ermittlungen und der schweren Vorwürfe im Umfeld des olympischen Skibergsteigens gibt es neue Entwicklungen beim Deutschen Alpenverein (DAV): Zunächst hat der sportliche Leiter Skimo die DAV Leistungssport GmbH um eine Freistellung gebeten. Diese erfolgt einer Pressemitteilung des DAV nach im Interesse einer transparenten und ungestörten Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft Traunstein sowie im Sinne der Athletinnen und Athleten. Der DAV betont, die Ermittlungen bestmöglich unterstützen zu wollen und verweist auf das gemeinsame Interesse aller Beteiligten an einer raschen und vollständigen Klärung.
Darüber hinaus informiert der Verband über den Start einer unabhängigen Hinweisgeberstelle zum 1. März 2026, die beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angesiedelt ist. Die Einrichtung sei Teil eines bereits 2025 begonnenen Strukturaufbaus im Leistungssport der neuen olympischen Disziplin Skibergsteigen und erfolge ausdrücklich losgelöst von aktuellen Einzelfällen.
Künftig können sich Athletinnen und Athleten sowie weitere Personen aus dem Leistungssportumfeld an diese externe Beschwerde- und Vermittlungsstelle wenden, um Verstöße zu melden, Konflikte außerhalb der eigenen Organisationsstrukturen zu adressieren oder Unterstützung bei wahrgenommener unfairer Behandlung zu erhalten.
Ursprüngliche Meldung: Was geschah in Ruhpolding?@(zwischenHeadlineTag)>
Kern der Vorwürfe sind leistungsdiagnostische Tests im April 2024 am Olympia-Stützpunkt Ruhpolding. Bei sogenannten Laktattests – einer im Leistungssport üblichen Methode zur Bestimmung der individuellen Belastungsgrenze – sollen Athletinnen und Athleten mehrfach Blut aus den Ohrläppchen abgenommen bekommen haben.
Betroffene berichten von bis zu 60 Blutentnahmen innerhalb weniger Stunden, teils durch ungeschultes Personal. Zudem seien Hygienestandards nicht konsequent eingehalten worden. Ein Rechtsgutachten, das später erstellt wurde, sieht Anhaltspunkte für mögliche strafrechtlich relevante Tatbestände.
Der DAV betont hingegen, die Tests seien in Kooperation mit externen sportwissenschaftlichen Partnern durchgeführt worden und kapillare Blutentnahmen am Ohrläppchen seien im Leistungssport ein gängiges Verfahren. Nach Rückmeldungen aus dem Athletenkreis seien Abläufe überprüft und organisatorisch weiterentwickelt worden. Die Sicherheit der Athleten habe höchste Priorität.
Interne Aufarbeitung und strukturelle Änderungen@(zwischenHeadlineTag)>
Laut DAV seien die Vorgänge intern seit längerem bekannt gewesen. Bereits im Sommer 2024 habe es Gesprächsangebote und Diskussionsrunden gegeben. Nach einer offenen Aussprache sei beschlossen worden, bei künftigen Maßnahmen Hygiene- und Sicherheitsstandards noch stärker zu fokussieren.
Eine weitere Testmaßnahme im Oktober 2024 sei ohne Beanstandungen verlaufen. Darüber hinaus seien Konflikte im Trainingsumfeld unabhängig aufgearbeitet und Governance- sowie Schutzstrukturen weiterentwickelt worden.
Die Mitgliedschaft in Kaderstrukturen erfolge laut Verband ausschließlich auf Basis veröffentlichter Kriterien und dokumentierter Wettkampfergebnisse. Der Verlust der Kaderplätze von Weßling und Gramelsberger sei rein sportlich begründet gewesen.
Kritik an Machtstrukturen@(zwischenHeadlineTag)>
Die betroffenen Athleten Sophia Weßling und Felix Gramelsberger sehen das anders. Sie berichten gegenüber der ARD, nach geäußerter Kritik zunehmend unter Druck geraten zu sein. Interne Dokumente, die öffentlich wurden, legen nahe, dass es auch innerhalb des Verbands Diskussionen über mögliche "problematische Machtstrukturen" gab.
Brisant: Trotz späterer Nichtberücksichtigung im Kader wurde Gramelsberger intern weiterhin Weltklassepotenzial attestiert.
Olympia-Premiere überschattet@(zwischenHeadlineTag)>
Der Konflikt fällt in eine Phase, in der Skibergsteigen erstmals olympisch ausgetragen wird und eigentlich wohlverdient seinen Platz im Rampenlicht sucht. Der DAV verweist auf die Notwendigkeit, rasche professionelle Strukturen für die neue Disziplin aufbauen zu müssen und auf sportliche Erfolge: Tatjana Paller, Helena Euringer und Finn Hösch konnten sich für bei der olympischen Premiere in Bormio qualifizieren. Paller wurde im olympischen Sprint der Damen sogar Vierte.
Zwischen Aufbruch und Aufarbeitung@(zwischenHeadlineTag)>
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie gelingt der Spagat zwischen sportlicher Professionalisierung, Leistungsdruck und konsequentem Athletenschutz? Ob die Staatsanwaltschaft tatsächlich ein Ermittlungsverfahren einleitet, dürfte maßgeblich dafür sein, wie es in dieser Angelegenheit weitergeht.
Die Verlierer stehen schon fest: Sophia Weßling und Felix Gramelsberger werden wohl auch bei Olympia 2030 nicht für den Alpenverein starten.




6 Kommentare
Kommentar schreiben@Bernhard: Vielen Dank, genau so sehe ich das auch...
zunächst Mal:
unten wurde "Doping" reingebracht, darum geht es nicht bei den Vorwürfen.
Es geht um die Anzahl, die Fachlichkeit und die Hygiene von Dutzenden Laktatabgaben an einem Tag. Ich kann das sehr nachvollziehen, nach 60 Ohrläppchen Stichen muss dieses wohl wie ein Nadelkissen aussehen, finde ich von der Anzahl an einem Tag sehr seltsam.
Zum Thema Zuordnung des Skimo zum DAV:
das wurde sicher diskutiert, vermutlich auch kontrovers.
Für den DSV spricht vor allem der Biathlon, da gibt es Staffeln, und eben eine Mischung aus bergauf und bergab, plus das Schießen mit technischer Ausrüstung.
Aus meiner Sicht gibt es mehr Gründe das Skimo dem DSV zuzuordnen als dem DAV.
Mein aktueller Eindruck ist, dass der DAV mit der Fachbetreuung des Skimo überfordert ist.
Man kann natürlich das Sportklettern als Stichwort für den DAV einbringen. Das Sportklettern ist halt aber doch sehr anderst als Skimo. Beim Sportklettern sind Schnee und Ski kein Thema. Es geht eben um Kletterwände, die Felskletterwänden nachempfunden sind. Da ist die Zuordnung zum DAV schon gut begründet und verständlich.
@GeFe: Danke für deine Meinung. Wir haben den zeitlichen Ablauf ("bereits im Sommer 2024") und auch die verschiedenen Vorwürfe klar und deutlich dar- und gegenüber gestellt. Von Blutpanscherei schreiben wir hier im Gegensatz zu anderen Medien nicht.
Dass schwere Vorwürfe ernst genommen und geprüft werden müssen, steht außer Frage. Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist eine transparente Aufklärung selbstverständlich. Gleichzeitig gilt jedoch die Unschuldsvermutung.
Was in der Berichterstattung – auch in diesem Beitrag – auffällt, ist die starke Orientierung an der ursprünglichen ARD-Darstellung. Viele der Formulierungen und Narrative stammen erkennbar aus diesem Bericht und werden weitgehend übernommen, ohne zusätzliche Recherche oder eine breitere Einordnung vorzunehmen. Gerade bei so gravierenden Vorwürfen wäre es jedoch Aufgabe des Journalismus, verschiedene Perspektiven darzustellen und Fakten sauber zu kontextualisieren.
Zum Beispiel fehlt auch hier der sportliche Hintergrund: Die anzeigenden Athleten gehörten nicht zum aktuellen Olympia-Aufgebot; der DAV begründete dies mit sportlichen Kriterien und dokumentierten Wettkampfergebnissen. ?
Die Leistungsdaten aus Weltcups, Qualifikationsrennen und Tests sind öffentlich nachvollziehbar und zeigen, dass die Ergebnisse über längere Zeit nicht auf dem Niveau lagen, das für eine dauerhafte Kaderperspektive oder eine Olympia-Teilnahme erforderlich gewesen wäre.
Ebenso relevant ist der zeitliche Ablauf: Die kritisierten Leistungstests fanden bereits im Frühjahr 2024 statt, während die Strafanzeigen erst deutlich später öffentlich wurden. ? Auch dieser Kontext gehört zu einer vollständigen Einordnung.
Begriffe wie „Blutpanscherei“ oder dramatische Darstellungen einzelner Testabläufe erzeugen starke Bilder, ersetzen aber keine fachliche Bewertung. Laktatmessungen über kapillare Blutproben sind im Leistungssport ein übliches diagnostisches Verfahren – entscheidend ist daher die konkrete medizinische und juristische Bewertung des Einzelfalls, nicht die Schlagzeile.
Aufklärung ist notwendig. Aber gerade in einem sensiblen Umfeld wie einer neuen olympischen Disziplin braucht es journalistische Sorgfalt, Kontext und Ausgewogenheit – statt der bloßen Weiterverbreitung eines einzelnen, sehr zugespitzten Narrativs.
Das Problem der dt. TN an dem Olympiawettbewerb lag nicht in entstellten Ohrläppchen sondern in mangelndem Training der Wechsel. Wenn man doppelt so lange brauch, die Felle auf bzw. abzuziehen wie die Elite, dann kannst du auch zu Hause bleiben.
Neben Biathlon/Skilanglauf und Radrennen eine weitere Sportart, die früher oder später in Doping-Skandale verwickelt sein wird. Was diese kurzen Rennen in künstlicher Umgebung (Treppen, "Diamant") mit Bergsport zu tun haben, keine Ahnung. Der Alpenverein hängt sein Fähnchen mittlerweile in jeden Wind, um bei Trendsportarten Mitglieder zu rekrutieren und Funktionären eine Bühne zu bieten. Eine Verschwendung bzw. Zweckentfremdung von Mitgliedsbeiträgen, die für Wege- und Hüttensanierungen sowie Umweltschutz besser angelegt wären. Die Mitgliedschaft beim AV kann man sich mittlerweile sparen, eine Bergeversicherung bieten andere auch an.