Lawine erfasst Schneeschuhwanderer

Update: Tödlicher Lawinenabgang: Mann am Stubaier Höhenweg verschüttet

Nach dem tödlichen Lawinenabgang im Stubaital am 08. März 2026 liegen nun detaillierte Erkenntnisse des Lawinenwarndienstes Tirol vor. Die Analyse zeigt, dass sich die Schneebrettlawine oberhalb des Panoramawegs südlich der Elferhütte löste und den Schneeschuhwanderer über mehrere hundert Höhenmeter durch extrem steiles Gelände mitriss. Die Experten bestätigen ein ausgeprägtes Altschneeproblem als Hauptursache.

Im Einsatz am Stubaier Höhenweg: der Notarzthubschrauber Christophorus 1, der Polizeihubschrauber Libelle Tirol, Kräfte der Bergrettung Neustift im Stubaital, sowie ein Bergrettungshundeführer und mehrere Beamte der Alpinpolizei.
© Bergrettung Neustift im Stubaital

Unfallhergang: Gruppe quert steile Rinne am Panoramaweg

Am Sonntag, 08. März 2026, unternahmen drei befreundete Schneeschuhwanderer eine Tour von der Elferhütte in Richtung Süden. Der Panoramaweg war bereits von früheren Begehungen gespurt. Nach rund 600 Metern erreichte die Gruppe eine sehr steile, mit Schnee gefüllte Rinne. Sie beschlossen, diese einzeln zu queren.

Während zwei Personen an einem sicheren Punkt warteten, stieg der erste Schneeschuhwanderer in die Rinne ein. Als er einen Großteil der Querung hinter sich hatte, löste sich etwa 50 Höhenmeter oberhalb des Weges ein Schneebrett und erfasste ihn.

<p>Obwohl das Schneebrett im Durchschnitt nur etwa 20 bis 30 cm mächtig war, konnte sich der Bruch dennoch über eine größere Fläche fortpflanzen.</p>

Obwohl das Schneebrett im Durchschnitt nur etwa 20 bis 30 cm mächtig war, konnte sich der Bruch dennoch über eine größere Fläche fortpflanzen.

© LWD Tirol

Lawine reißt den Mann über 500 Höhenmeter mit

Die Lawine entwickelte sich rasch zu einer mittelgroßen, nassen Schneebrettlawine (Größe zwei). Sie riss den Mann rund 500 Höhenmeter durch eine extrem steile Rinne mit und verschüttete ihn im oberen Bereich des Auslaufs vollständig. Die beiden Begleiter blieben unverletzt und setzten sofort die Rettungskette in Gang.

<p>Übersichtsbild der Unfalllawine: Der rote obere Kreis beschreibt den Auslöse- bzw. Erfassungspunkt des Schneeschuhwanderers, die untere Ellipse markiert die Verschüttungsstelle.</p>

Übersichtsbild der Unfalllawine: Der rote obere Kreis beschreibt den Auslöse- bzw. Erfassungspunkt des Schneeschuhwanderers, die untere Ellipse markiert die Verschüttungsstelle.

© LWD Tirol

Im Einsatz standen der Notarzthubschrauber "Christophorus 1", der Polizeihubschrauber "Libelle Tirol", die Bergrettung Neustift, ein Lawinenhundeteam sowie die Alpinpolizei. Die Crew von "Christophorus 1" ortete beim Überflug ein LVS-Signal. Der Mann konnte rasch gefunden werden, erlag jedoch den schweren Verletzungen, die er beim Absturz erlitten hatte.

<p>Gut zu erkennen: die Anrisskante und der Lawinenkegel.</p>

Gut zu erkennen: die Anrisskante und der Lawinenkegel.

© Bergrettung Neustift im Stubaital

Analyse des LWD Tirol: Bodennahes Altschneeproblem entscheidend

Am 09. März 2026 führten der Lawinenwarndienst Tirol und die Alpinpolizei Schneedeckenuntersuchungen im Unfallbereich durch. Die Experten fanden eine bereits ausapernde Frühjahresschneedecke vor, unterbrochen von schneebedeckten Rinnen und Mulden.

Im Anrissbereich zeigte sich eine gleichmäßig aufgebaute, aber insgesamt dünne Schneedecke. Das Schneeprofil offenbarte zwei ausgeprägte Schwachschichten aus Becherkristallen im bodennahen Altschnee. Beide Schichten waren für den Bruch relevant. Das darüberliegende Schneebrett bestand aus mehreren Schmelzkrusten und war nur 20 bis 30 Zentimeter mächtig, dennoch ausreichend, um einen Bruch über eine größere Fläche fortzupflanzen.

Die Schneedecke war vollständig durchfeuchtet, weshalb die Lawine als nasse Schneebrettlawine klassifiziert wird. Der verunglückte Schneeschuhwanderer ist das sechzehnte Lawinenopfer der laufenden Wintersaison.

Lawinenlage: Mäßige Gefahr, aber heikle Übergangsbereiche

Am Unfalltag herrschte oberhalb von zweitausend Metern mäßige Lawinengefahr (Stufe 2). Der Lawinenwarndienst Tirol warnte vor einem ausgeprägten Altschneeproblem, insbesondere in sehr steilen Schattenhängen sowie in steilen West- und Osthängen oberhalb von etwa zweitausendzweihundert Metern. Gefahrenstellen bestanden vor allem an Übergängen von wenig zu viel Schnee – genau in solchen Bereichen war die Gruppe unterwegs.

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Text von Robert Scheitzeneder