Abseilen missglückt: Vier Kletterer nach Blockade aus Felswand gerettet
Vier Alpinisten sind am Sonntagabend am Gimpel im Tannheimer Tal per Hubschrauber aus einer Kletterroute gerettet worden. Nach Angaben der Polizei Tirol handelte es sich um drei Deutsche im Alter von 35, 36 und 37 Jahren sowie einen 26-jährigen Belgier. Die Gruppe war nach Nesselwängle gekommen, um am Gimpel die Route "Alte Süd" (Alte Südwand) zu begehen.
Die Kletterer befanden sich am Nachmittag im Aufstieg und setzten die Tour bis in die Abendstunden fort. Gegen 20:45 Uhr seilten sie sich in zwei Zweierseilschaften über die Route ab. Dabei verhängten sich die Seile im felsigen Gelände so, dass die Gruppe sie nicht mehr selbstständig lösen konnte. Ein eigenständiges Weiterkommen war damit nicht mehr möglich.
Die vier suchten sich im steilen Gelände einen Standplatz und setzten wegen der einsetzenden Dämmerung einen Notruf ab. Die Rettung wurde vom Notarzthubschrauber "RK-2" durchgeführt; alle Beteiligten wurden ins Tal geflogen. Im Einsatz standen außerdem die Bergrettung Nesselwängle und die Polizei Grän. Verletzt wurde niemand.
Gimpel: Klassisches Kletterziel im Tannheimer Tal
Der 2173 Meter hohe Gimpel zählt zu den bekannten Kletterbergen der Tannheimer Gruppe. Das Gebiet rund um Nesselwängle, Gimpelhaus und Rote Flüh ist für alpine Mehrseillängentouren mit vergleichsweise kurzem Zustieg, südseitigen Wänden und einer großen Routenauswahl bekannt. Am Gimpel gibt es Mehrseillängenrouten in einem breiten Schwierigkeitsspektrum von 3 bis 8.
Die Route "Alte Süd“ ist eine klassische, überwiegend moderate Kletterroute mit Schwierigkeiten 3 bis 4. Durch die vielen Besteigungen sind manche Passagen mittlerweile glatt poliert und entsprechend schwieriger. Die Länge der Tour und das alpine Gelände erfordern solide Seil- und Abseiltechnik, Orientierung sowie ausreichend Zeitreserven.
Verklemmte Seile zählen zu den typischen Problemen beim Abseilen in alpinem Gelände. Ursachen können Felszacken, Rinnen, Blöcke, Reibung, Wind oder ungünstige Seilführung sein. Besonders in langen Mehrseillängenrouten kann ein solcher Zwischenfall durch fortschreitende Dämmerung, Kälte oder fehlende Standplätze schnell zu einer ernsten Lage werden.


2 Kommentare
Kommentar schreibenSehe das aus eigenen Begehungen auch so, der Abstieg über den Normalweg dauert keine 20 Minuten länger als Abseilen, wenn man's denn kann...
Ich kenne die Route aus eigenen Begehungen.
Die Kletterei ist nicht schwierig, und endet direkt am Gipfel.
Von hier kann man bequem über den Normalweg zum Wandfuss absteigen. Warum man auf die Idee kommt hier abzuseilen ist mir schleierhaft.
Die Unfall- bzw. Rettungsberichte der letzten Jahre vermitteln mir den Eindruck, dass ganz viele auf Touren unterwegs sind die sie eigentlich überfordern. Wenns eng wird kann man ja den Heli rufen.