Elfjähriger in schwierigem Klettersteig erschöpft
Ein Elfjähriger musste am Samstagnachmittag aus dem Bürgeralm-Panoramaklettersteig bei Aflenz in der Steiermark gerettet werden. Der Bub war gemeinsam mit zwei 36-jährigen Verwandten unterwegs. Für ihn war es die erste Tour in einem Klettersteig. Zuvor hatte er nach Angaben seiner Begleiter mehrfach in einer Kletterhalle trainiert.
Ursprünglich hatte die Gruppe eine einfachere Tour geplant. Unmittelbar vor dem besonders schwierigen Abschnitt wollten die drei den Klettersteig über einen Notausstieg verlassen. Weil sich der Elfjährige zu diesem Zeitpunkt noch körperlich und mental fit gezeigt habe, entschieden sich die Begleiter jedoch für die Fortsetzung.
Kräfte reichten in D-Passage nicht mehr aus
In einer Passage des Schwierigkeitsgrades D verlor der Junge zunehmend an Kraft. Schließlich konnte er weder selbstständig weiterklettern noch seine Klettersteigkarabiner am Stahlseil umhängen. Seine Begleiter sicherten ihn daraufhin am Stahlseil und verständigten den Alpinnotruf. Einsatzkräfte der Bergrettung Aflenz und der Alpinpolizei retteten den Elfjährigen gegen 13:30 Uhr aus dem Klettersteig. Das Kind blieb unverletzt.
Bürgeralm-Panoramaklettersteig: Schwere Klettersteig mit extremer Variante
Der rund 400 Meter lange Bürgeralm-Panoramaklettersteig verläuft an der Südseite der Aflenzer Bürgeralm und überwindet etwa 90 Höhenmeter. Er verbindet mehrere kleinere Felsformationen zu einem überwiegend querenden Klettersteig. In der ersten Hälfte liegen die Schwierigkeiten meist zwischen A und C; zwei Ausstiegsmöglichkeiten erlauben es, die Tour vorzeitig zu beenden.
Danach folgt die sogenannte Arena, eine rund 25 Meter hohe Felswand mit einem etwa zwölf Meter langen Überhang. Der normale Steigverlauf umgeht diesen Überhang, erreicht aber dennoch schwierige Passagen bis zum Grad D. Die direkte Arena-Variante wird mit F beziehungsweise F/G bewertet und zählt damit zu den extremsten Klettersteigpassagen Europas. Für sie ist laut Betreiber zusätzlich eine Sicherung von oben vorgeschrieben.
Alpinpolizei bittet um realistische Einschätzung des Könnens
Die Alpinpolizei nahm den Einsatz zum Anlass, erneut auf eine sorgfältige Tourenplanung hinzuweisen. Neben der geeigneten Ausrüstung sei vor allem eine realistische Einschätzung der körperlichen Fähigkeiten entscheidend. Erfahrungen aus der Kletterhalle ließen sich nur eingeschränkt auf einen Klettersteig übertragen: Im alpinen Gelände kommen Ausgesetztheit, längere Belastung, Witterung und fehlende einfache Rückzugsmöglichkeiten hinzu.


2 Kommentare
Kommentar schreibenEs ist so passiert. Wichtig ist es nun, dass das Kind Unterstützung erhält, um die Freude am Bergsport zu bewahren. Der 11-jährige Bub hat Erfahrung sammeln dürfen, doch auch seine Begleiter, die sich selbst überschätzt haben - ohne ihnen gegenüber Vorwürfe machen zu wollen - es ist ein klassisches Lehrstück für uns alle! Gerade mit Kindern gilt es, sorgfältige Touren- und Routenplanung in den Bergen zu betreiben. Wir befinden uns im alpinen Bereich, nicht mehr in einer Kletterhalle.
Dank an alle ehrenamtlichen der Bergwacht und großen Respekt für jeden einzelnen Einsatz!
Gotti & Rosi das Alphorn
Nun, der Vergleich von Kletterhalle zu alpinen Klettersteig der Alpinpolizei kann man - wieder mal - voll unterstreichen.
Nehmt doch bitte Kinder mit reiner Kletterhallen Erfahrung erst mal in typische B/C Einsteiger Klettersteige mit. Darin mal grundsätzlich die Erfahrung sammeln mit der Klettersteigset Mechanik, am besten natürlich auch die Rastschlinge oder besser den Petzl Connect Adjust Einsatz üben. Erst danach mal auf C Klettersteige gehen. Und wiederum erst NACH Schaffen von C Klettersteigen auf D gehen.
Wie die zwei Erwachsenen im vorliegenden Fall darauf kommen den Filius direkt in einen D Klettersteig reinzubringen ist mir schleierhaft, denn da würde ich an erster Stelle auch keine Erwachsenen Einsteiger mitnehmen.