Bricht auch ein Nachbargipfel?

Neben dem Hochvogel: Neuer Gipfelriss beschäftigt Geologen

Der Hochvogel gilt seit Jahren als einer der am intensivsten überwachten Berge der Alpen. Nun könnte ein weiterer Gipfel im Allgäu in den Fokus der Forschung rücken: Ein Bergsteiger hat an der benachbarten Kesselspitze einen markanten Riss entdeckt. Geologen der TU München wollen die Stelle nun untersuchen.

Glasfelderkopf und Kesselspitze von Westen gesehen.
© Wikimedia.org/Kauk0r

Neuer Riss im Allgäu entdeckt: Bewegt sich auch die Kesselspitze?

Nicht nur am Hochvogel, sondern möglicherweise auch an der benachbarten Kesselspitze zeigen sich Anzeichen größerer Felsbewegungen. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, hat der Allgäuer Bergsteiger und Autor Kristian Rath am Gipfel der Kesselspitze einen markanten Riss entdeckt und die Beobachtung an Geologen der Technischen Universität München weitergeleitet.

Der Spalt verläuft nach Angaben Raths durch den Gipfelbereich und erinnere in seiner Form an eine Gletscherspalte. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Erscheinungsbild deutlich verändert. Ob der Riss auf eine bevorstehende Instabilität hindeutet, lässt sich derzeit allerdings nicht sagen. Für Michael Krautblatter, Professor für Hangbewegungen an der TU München, sind Hinweise erfahrener Bergsteiger von großer Bedeutung. Wer regelmäßig im Gebirge unterwegs sei, erkenne Veränderungen oft frühzeitig.

<p>Auf die Kesselspitze führt kein markierter Weg.</p>

Auf die Kesselspitze führt kein markierter Weg.

© Wikimedia.org/Kauk0r

Sein Forschungsteam kennt den neuen Riss bislang nur anhand von Fotos und will die Stelle bei Gelegenheit vor Ort untersuchen. Zugleich mahnt Krautblatter zur Zurückhaltung: Derartige Klüfte seien in den Alpen keineswegs ungewöhnlich und bedeuteten nicht zwangsläufig, dass ein Felssturz unmittelbar bevorstehe. Der Fund lenkt den Blick erneut auf den benachbarten Hochvogel (2592 m), dessen Gipfel seit Jahren als einer der aktivsten Bergsturz-Hotspots der Alpen gilt. Dort wird die Rissbildung seit 2014 wissenschaftlich überwacht.

Inzwischen ist der dortige Spalt mehr als zwei Meter breit und rund 100 Meter tief. Messungen zeigen, dass sich der Gipfelbereich zeitweise um bis zu fünf Millimeter pro Woche bewegt. Nach Einschätzung der Forscher haben die Starkregenereignisse im Juni sowie hohe Temperaturen die Entwicklung zuletzt zusätzlich beschleunigt. Erst im Juni brach zudem ein rund 2000 Kubikmeter großer Felsturm ab.

Für Bergsteiger besteht auf den regulären Anstiegen von bayerischer Seite nach Angaben des Hüttenwirts des Prinz-Luitpold-Hauses derzeit keine akute Gefahr. Gesperrt bleibt allerdings weiterhin der Bäumenheimer Weg auf der Tiroler Südseite, wo seit Längerem Felssturzgefahr besteht. Zur Kesselspitze führt kein markierter Wanderweg. Welche Bedeutung der neu entdeckte Riss tatsächlich hat, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Für die Forschung liefern solche Beobachtungen jedoch wertvolle Erkenntnisse, um Felsbewegungen besser zu verstehen und Frühwarnsysteme für Bergstürze in den Alpen weiterzuentwickeln.

Text von Lubika Brechtel

4 Kommentare

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Bruno

Servus Hubert, also so episch ist dieser Satz auch wieder einmal nicht, aber es freut mich, daß er Ihnen gefällt. Und warum sollte er nicht durchkommen? Es steckt keine freudsche Fehlleistung dahinter, wie Sie es vermutlich interpretieren, ehrlich... - ich hatte ihn ohne Hintergedanken aus dem vorhergehenden Kommentar der Bergkameradin eins zu eins übernommen, um diese etwas zu beruhigen, was Felsstürze anbelangt. Daher dürfen Sie diese für diesen Satz loben, ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken! Darüber hinaus - insofern diese Fehlleistung zu Missverständnissen bei Ihnen führte, so hatte diese den richtigen Begriff "Riss" in "Spalte" etwas unglücklich uminterpretiert und dadurch diesen aus dem Bereich der Geotektonik den Interpretationsmöglichkeiten der Psychoanalyse zugänglich gemacht. Bruno

Hubert

@Bruno: welch ein Satz, "daß das Wasser in der Spalte gefriert". Wundert mich, dass der durchkam.

Bruno

Sonja, Sie begehen hier einen Denkfehler; da es sich nicht um eine Kaverne, sondern um eine Spalte handelt und weiterhin Wasser die Eigenschaft hat, nach unten abzufließen (Gravitation), dürfen Sie sich nicht vorstellen, daß sich im Winter eine 100 Meter hohe Eiswand bildet, die einfach mal so den Fels wegdrückt.
Ein in diesem Zusammenhang eher interessanter Fakt ist, daß sich laut Text der Gipfelbereich um 5 mm pro Woche "bewegt", was zu Spannungen, Verwerfunden und anschließendem Felssturz führen könnte.
Natürlich ändert sich das Aussehen von Gebirgen durch Tektonik und Erosion im Laufe der (geologischen) Zeit, aber wir (ich vor allem auch), sollten die Geomorphologie den Profis überlassen, die sich, wie sie lesen können, auch nicht vollkommen sicher sind.
Also keine Panik, daß das Wasser in der Spalte gefriert, freuen Sie sich eher auf ein paar schöne Bergtage im Sommer, Bruno

Sonja

Wenn im Winter das Wasser in der Spalte gefriert, zerreißt es den Berg!