Everest-Regel weiterhin nicht beschlossen
Die geplante 7000er-Pflicht ist Teil des neuen nepalesischen Tourismusgesetzes, des sogenannten „Tourism Bill 2081“. Der Gesetzentwurf soll die bisherigen Regelungen für Tourismus und Bergsteigen umfassend neu ordnen.
Die Nationalversammlung, das Oberhaus des nepalesischen Parlaments, hat den Entwurf bereits verabschiedet. Damit war das Gesetzgebungsverfahren jedoch noch nicht beendet. Das offizielle Parlamentsportal führt den Tourism Bill weiterhin als laufendes Verfahren; eine endgültig authentifizierte Gesetzesfassung ist dort bislang nicht veröffentlicht.
Im Repräsentantenhaus wird der Entwurf derzeit im Ausschuss für Internationale Beziehungen und Tourismus beraten. Dass die Arbeit daran noch läuft, zeigen aktuelle Mitteilungen des Parlaments: Am 4. August 2026 stand eine grundsätzliche Beratung mit dem zuständigen Ministerium auf der Tagesordnung. Am 7. August folgte eine weitere Sitzung, bei der Sachverständige zum Tourism Bill angehört wurden.
Damit wird eine Anwendung der neuen Everest-Regeln bereits zur Frühjahrssaison 2027 zunehmend unwahrscheinlich.
Gesetz hängt im Parlament fest
Ein Grund für das langwierige Verfahren ist die große Zahl der Änderungswünsche. Nach Recherchen der „Kathmandu Post“ haben 58 Abgeordnete insgesamt 263 Änderungsvorschläge eingebracht. Der Ausschuss muss diese nun im Rahmen seiner Beratungen prüfen.
Dabei geht es längst nicht nur um den Everest. Der Gesetzentwurf regelt zahlreiche Bereiche des nepalesischen Tourismus neu. Beim Höhenbergsteigen stehen unter anderem Anforderungen an die Erfahrung von Expeditionsteilnehmern, Versicherungen, medizinische Nachweise sowie Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen zur Diskussion.
Erst wenn die Ausschussarbeit abgeschlossen ist, kann der Entwurf wieder dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden. Anschließend muss das Gesetz den weiteren formalen Gesetzgebungsprozess durchlaufen, bevor die neuen Bestimmungen tatsächlich in Kraft treten können.
Was für Everest-Bergsteiger geplant ist
Für internationale Aufmerksamkeit sorgt vor allem die geplante Erfahrungsvoraussetzung für den Mount Everest. Der ursprüngliche Entwurf sieht vor, dass Bewerber für ein Everest-Permit zuvor einen mehr als 7000 Meter hohen Gipfel in Nepal bestiegen haben müssen.
Eine entsprechende Regel war bereits im ursprünglichen Gesetzentwurf enthalten. Reuters berichtete schon 2025 über die Pläne der nepalesischen Regierung; auch nach der Verabschiedung im Oberhaus blieb die 7000er-Voraussetzung Bestandteil des Gesetzespakets.
Damit will Nepal unter anderem sicherstellen, dass Everest-Aspiranten bereits über Erfahrung in extremer Höhe verfügen. Gleichzeitig würde die Regel zusätzliche Expeditionen auf andere hohe Berge Nepals lenken.

Khumbu-Gletscher: Im Vordergrund ist Müll zu sehen, dahinter erstreckt sich der Gletscher in Richtung Everest Base Camp.
Zählt künftig nur ein nepalesischer 7000er?
Genau dieser Punkt ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Während der ursprüngliche Gesetzentwurf einen zuvor bestiegenen 7000er in Nepal verlangt, liegen dem Parlament inzwischen unterschiedliche Änderungsvorschläge vor.
Nach Angaben der "Kathmandu Post" fordern einige Abgeordnete sogar strengere Voraussetzungen. Ein Vorschlag sieht beispielsweise neben einem nepalesischen 7000er zusätzliche Erfahrung auf zwei Achttausendern in Nepal vor. Andere Änderungsanträge unterscheiden sich hinsichtlich der geforderten Erfahrung. Wie die endgültige Regel aussehen wird, steht deshalb erst nach Abschluss des parlamentarischen Verfahrens fest.
Expeditionsveranstalter rechnen nicht mehr mit 2027
Auch in der Expeditionsszene geht man inzwischen davon aus, dass die 7000er-Regel 2027 noch nicht greifen wird. Der Bergjournalist Stefan Nestler berichtet auf seinem Blog "Abenteuer Berg", dass ihm der Expeditionsveranstalter Daniel Mazur von Summit Climb eine entsprechende Auskunft aus nepalesischen Regierungskreisen bestätigt habe.
Nestler fragte zudem bei Mingma Gyalje Sherpa, Chef des Expeditionsveranstalters Imagine Nepal, nach. Auch dieser rechnet nach aktuellem Stand mit einer Einführung frühestens 2028. Nach seiner Einschätzung könnten am Ende möglicherweise auch außerhalb Nepals bestiegene 7000er anerkannt werden.
Eine offizielle Festlegung der nepalesischen Regierung auf das Jahr 2028 gibt es bislang jedoch nicht. Sicher ist derzeit lediglich: Das Gesetz befindet sich noch in der parlamentarischen Beratung – und die ursprünglich ins Auge gefasste Anwendung zur Everest-Saison 2027 rückt damit in immer weitere Ferne.


5 Kommentare
Kommentar schreibenServus Jürgen, schön, daß Sie sich bei den vielen Kommentaren hier meiner erinnern. Zur Antwort (ich hoffe und bedanke mich bei Alpin.de im Voraus, daß unsere "Privatpost" ausnahmsweise durchgehen gelassen wird, bzw. kann ich als Gegenleistung einen fundierten Artikel kostenlos anbieten bzw. meine wie immer langatmigen Kommentare fundierter schreiben): Ich habe da letztens wohl etwas vorgegriffen; es geht erst am Samstag los, ich will dann auch die hier bei Alpin neue vorgestellte Route auf den Ortler versuchen (aber vermutlich mit BF). Nach den 2 Wochen im Vinschgau werde ich dann noch 2 Wochen einige Berge in Tirol unsicher machen - oder die mich, wer weiß... Dann werde ich hier, falls ich Ihren Namen sehe, ganz kurz in einem Kommentar berichten, wie es mir ergangen ist und ggf. Regreßansprüche stellen ;). Ins Val Müstair gehts auf jeden Fall auch.
Nebenbei - und vor allem - zu Ihrem Kommentar zum Everest; wie Sie gelesen haben, bearbeiten die dort mehrere Änderungsvorschläge, vermutlich werden die auch über Kontrollen nachdenken (ein Verb, das in Beziehung zu Politikern oftmals obsolet geworden ist), aber vermutlich, wie Sie erwähnen und Recht haben sollten, dürfte ein Handgeld oder eine mit KI bearbeitete (Selfie-)Fotografie von der Besteigung des Kreuzbergs in Berlin etc. reichen. Ich wünsche Ihnen und allen einen schönen restlichen Bergsommer, kommt immer gut zurück, Bruno
Bruno, wie war der Aufenthalt im Vinschgau? Hat es dir gefallen? Zum Thema 7000er Pflicht, also wer will das denn überprüfen und wie? Gegen bissel Kleingeld dürfte da Tür und Tor geöffnet sein für Betrug. Wer will denn als Selbstdarsteller erst den Umweg über 7000er machen wenn es gegen kleines Aufgeld auch gleich am Everest möglich wäre?
Richtig Timo! Zwar sieht es so aus, als hätten Sie den Artikel und meinen Kommentar nicht richtig verstanden, aber werden Sie dort Abgeordneter und bringen Sie diesen weiteren, bestimmt willkommenen Änderungsvorschlag ein! Bei einstweilen 263 kommt es auf den einen mehr oder weniger nicht mehr an!
Spaß beiseite, kurz und knapp: mich störte vor allem, daß die dortige Politikerkaste aus "Sicherheitsgründen" total irrsinnige Vorschläge brachten, die aber nur auf Mehreinnahmen ausgerichtet sind. Sollen die also ehrlich sein und das zugeben, anstelle solchen Müll zu verzapfen und zu beantragen.
Und wenn das alles darauf herausläuft, daß nur noch die reichsten der Reichen sich den Everest & Co. leisten können, soll es mir Recht sein, wenn die ihre Berge verhökern, vielleicht wird es ruhiger, aber eher werden auch endlich dort richtige Ressorts gebaut, die das Mindesteinkommen der Bevölkerung durch Bedienen der Superreichen steigern lassen.
Und nebenbei, wenn Ihr Vorschlag Schule macht, wird es auch mit günstigen Wanderungen in Europa kritisch - auch Frankreich, Spanien, Zypern etc. haben ein Handelsbilanzdefizit, woran wohl weniger ein paar Berg-Romantiker die Schuld tragen, sondern eher unfähige Politiker und Wirtschaftsführer.
Also "pscht" hinsichtlich Ihres Vorschlags, der könnte Schule machen... Nebenbei, sind Sie beim Finanzamt beschäftigt? Nichts für ungut, Bruno
@Bruno: Bei einem Handelsdefizit von fast 1 Milliarde Euro im Monat müsste Nepal eigentlich schon lange eine symbolische Wanderwegemaut von 1$ pro KM erheben um die ganzen Romantiker daran zu erinnern, dass man mit 100€ Durchschnittslohn kein deutsches Auto kaufen kann und andererseits die Produktion der nepalesischen Automobilindustrie nicht ausreicht um den deutschen Markt mit lukrativen Exporten zu überschwemmen.
Zwar hat das alles nichts mehr mit Alpinismus zu tun, aber herrlich dieser Artikel über Politik! Realsatire vom feinsten! Ich habe wirklich selten so lachen müssen, wie beim Lesen des Inhalts. Danke! Also:
"Nach Recherchen...haben 58 Abgeordnete insgesamt 263 Änderungsvorschläge eingebracht. Der Ausschuss muss diese nun im Rahmen seiner Beratungen prüfen". Und in Verbindung damit weiterhin: "Einführung frühestens 2028". Bei Kenntnis der Arbeit politischer Entscheidungsträger wurden hierbei wohl 0 und 1 verwechselt.
Weiter: "Ein Vorschlag sieht beispielsweise neben einem nepalesischen 7000er zusätzliche Erfahrung auf zwei Achttausendern in Nepal vor". Absolut richtig, sollen die Jungs erst einmal auf den niedrigsten der 8000er, den Annapurna gehen, da wird vorher bereits eine natürliche Auslese hinsichtlich der Everest-Aspiranten stattfinden. Oder sollte man nicht besser für diese zwei 8000er erst auch einen 7000er im Nepal besteigen lassen? Da hören manche Politiker bereits die Kassen klingeln! Aber ich kann diesen hinsichtlich der klammen Tourismus-Kasse helfen: Für einen 7000er erst einen 6000er, für einen 6000er erst einen 5000er usw. usf. (alles natürlich in Nepal).
Etwas traurig machte mich dieser Artikel nur hinsichtlich des genialen Geschäftsmodells meines Mentors in geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten Lukas F. Was also machen, um trotz dieser Polit-Kaspereien mit dem kürzesten Zeitaufwand und dem maximalen Gewinn unsere Klientel auf den Everest zu bringen? Aber auch hierbei kann ich ihm als gelehriger Schüler den Rat geben, da im Text geschrieben steht: "Nach seiner Einschätzung könnten am Ende möglicherweise auch außerhalb Nepals bestiegene 7000er anerkannt werden". Und bei 58 Abgeordneten findet man bestimmt einen, der durch den richtigen Handschlag mit einem Änderungsvorschlag dafür sorgt, daß auch die heimische Vorbereitung, z.B. in Bottrop, in Xenon-Zelten als richtiger außerhalb Nepals bestiegenen 7000er anerkannt wird. Bruno