Gletscherschmelze gibt Überreste frei

Knochenfund: Zwei Vermisstenfälle in den Alpen nach Jahrzehnten geklärt

In der Schweiz und in Tirol sind die Schicksale von drei seit den 1990er-Jahren vermisster Bergsteigern geklärt worden. Am Triftgletscher im Wallis wurden zwei seit 1992 vermisste Belgier identifiziert, in der Innsbrucker Nordkette konnte ein Knochen einem seit 1991 vermissten Italiener zugeordnet werden.

Links der Triftgletscher im Walis rechts die Brandjochspitze von Innsbruck aus.
© picture alliance/Dieter Fischer/Weingartner-Foto

Zwei Vermisste am Triftgletscher identifiziert

Am 26. Juli 2026 entdeckte ein Wanderer auf dem Triftgletscher bei Saas-Grund im Schweizer Kanton Wallis menschliche Überreste. Der Fundort liegt im Gebiet des Weissmies und nahe der Grenze zu Italien. Die beiden Leichname wurden geborgen und anschließend untersucht.

Nach Angaben der Kantonspolizei Wallis ergab ein DNA-Abgleich, dass es sich um zwei belgische Bergsteiger handelt, die seit 1992 vermisst wurden. Die Männer waren damals 39 beziehungsweise 41 Jahre alt. Weitere Angaben zu ihrem damaligen Tourenziel oder zum konkreten Unfallhergang machte die Polizei in den vorliegenden Informationen nicht.

Der Fund steht im Zusammenhang mit dem Rückgang der Gletscher. Wenn Eisflächen abschmelzen, können Überreste von Menschen und Ausrüstungsgegenstände freigelegt werden, die über Jahrzehnte vom Gletschereis eingeschlossen waren.

Knochenfund an der Nordkette führt zu Vermisstenfall von 1991

Auch in Tirol brachte ein Fund im alpinen Gelände nach Jahrzehnten Gewissheit. Am 21. Juni 2026 entdeckte ein 42-jähriger österreichischer Wanderer im Bereich der Vorderen Brandjochspitze im Gemeindegebiet von Innsbruck mehrere Knochen in einer Geröllablagerung.

Zunächst war laut der Polizei Tirol nicht klar, ob es sich um menschliche oder tierische Knochen handelte. Ein Alpinpolizist barg die Funde und übergab sie zur Untersuchung an die Gerichtsmedizin Innsbruck. Von insgesamt elf gefundenen Knochen erwies sich nur einer als menschlich.

Eine DNA-Untersuchung ordnete diesen Knochen einem Mann zu, der seit 1991 in Innsbruck als vermisst galt. Der 22-jährige Italiener hatte sich nach den damaligen Vermisstenangaben vermutlich im Bereich der Nordkette aufgehalten. Eine großangelegte Suchaktion war seinerzeit ohne Ergebnis geblieben. Die genaue Todesursache ließ sich nicht mehr feststellen. Nach Angaben der Polizei gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Schmelzende Gletscher verändern die Suche im Hochgebirge

Die beiden Fälle zeigen, wie sich das alpine Gelände über Jahrzehnte verändern kann. Besonders Gletscher ziehen sich zurück und legen dabei Bereiche frei, die lange Zeit unter Eis verborgen waren. Die Kantonspolizei Wallis weist bereits bei früheren Funden darauf hin, dass der Gletscherrückgang zunehmend Überreste seit Jahrzehnten vermisster Alpinisten zutage bringt. So wurde etwa 2023 ein seit 1986 vermisster deutscher Alpinist auf dem Theodulgletscher identifiziert. Auch 2025 wurde am Obergabelhorn ein seit 1994 vermisster Mann gefunden und identifiziert. Die menschlichen Überreste waren dort von Alpinisten entdeckt worden.

Für Bergsteiger bedeutet der Gletscherrückgang zugleich, dass sich bekannte Routen und deren Gefahren verändern können. Spalten werden sichtbar oder verändern ihre Lage, Eis kann instabil werden und Übergänge, die früher schneebedeckt waren, können ausapern. 

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