Reinhold Messner geht wieder auf große Live-Tournee
Reinhold Messner kehrt auf die Vortragsbühne zurück. Der Südtiroler Alpinist und Abenteurer ist mit mehreren Live-Multivisionsprogrammen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Im Mittelpunkt stehen seine großen Berge und Expeditionen – aber zunehmend auch die Frage, was nach einem Leben voller Grenzerfahrungen eigentlich bleibt.
Die Programme setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Mal geht es tief hinein in die Geschichte des Alpinismus, mal steht Messners eigenes Leben im Mittelpunkt. Mit "Weltberge – Die 4. Dimension", "Über Leben", "Nanga Parbat – mein Schicksalsberg", "Kalipé – Immer ruhigen Fußes" und "Leben am Limit" umfasst sein Repertoire mehrere Vorträge, in denen historische Aufnahmen, moderne Visualisierungen und persönliche Erzählungen miteinander verbunden werden.
Zurück zum Schicksalsberg Nanga Parbat
Besonders persönlich ist "Nanga Parbat – mein Schicksalsberg". Kaum ein anderer Berg ist so eng mit Messners Biografie verbunden. In seinem Vortrag schlägt er zunächst einen historischen Bogen: von Albert Mummery, der 1895 am Berg verschwand, über die Katastrophe von 1934 und Willo Welzenbach bis zu Hermann Buhls legendärer Erstbesteigung 1953. Auch die Durchsteigung der Rupalwand durch Steve House und Vince Anderson 2005 gehört zu dieser Geschichte.
Schließlich kommt Messner zu jenem Kapitel, das sein eigenes Leben veränderte. 1970 durchstieg er gemeinsam mit seinem Bruder Günther die Rupalwand des Nanga Parbat. Beim anschließenden Abstieg über die Diamirseite kam Günther Messner ums Leben. Die Expedition wurde zu einer der großen Tragödien in Messners Biografie und beschäftigte ihn über Jahrzehnte.
Acht Jahre später kehrte Reinhold Messner zurück – und bestieg den Nanga Parbat im Alleingang über die Diamirflanke. Es war der erste vollständige Soloaufstieg eines Achttausenders vom Basislager bis zum Gipfel und eine der bedeutendsten Leistungen seiner Karriere. Für Messner selbst liegt darin die ganze Ambivalenz seines "Schicksalsbergs": Tragödie und alpinistischer Triumph sind dort untrennbar miteinander verbunden.

Weltberge aus ungewohnten Perspektiven
Technischer wird es bei "Weltberge – Die 4. Dimension". Darin stellt Messner 13 Berge vor, an denen Alpingeschichte geschrieben wurde. Grundlage sind digitale, dreidimensionale Modelle, die mithilfe von Satellitendaten entstanden sind. Die Visualisierungen ermöglichen Perspektiven, die klassische Bergfotografie nicht bieten kann. Historische Besteigungslinien lassen sich räumlich nachvollziehen, ganze Bergkörper drehen und aus unterschiedlichen Richtungen betrachten. Messner verbindet diese Technik mit seinen eigenen Erfahrungen an den großen Bergen der Erde.
"Über Leben": Was bleibt nach den Gipfeln?
Deutlich biografischer fällt "Über Leben" aus. Messner blickt darin auf seinen Weg vom Bergbauernsohn aus Südtirol zum Extrembergsteiger zurück – bleibt aber nicht bei Himalaja und Karakorum stehen. Er erzählt von Wüstendurchquerungen und Polarabenteuern, von Politik, Landwirtschaft und seinen Museen, von seiner Familie und vom Älterwerden. Im Zentrum stehen Fragen, die ihn während seiner Expeditionen begleitet haben: Welche Funktion hat Angst? Wie viel Egoismus braucht ein Abenteurer? Was bedeutet Verantwortung und wie geht ein Mensch, der sein Leben lang nach neuen Herausforderungen gesucht hat, irgendwann mit dem Loslassen um?
"Kalipé": Weniger als Gegenentwurf zum Immer-mehr
Messner verwendet "Kalipé" seit Langem als Gruß in den Bergen. In seinem Vortrag wird der Begriff zum Ausgangspunkt für die Frage, wie viel ein Mensch tatsächlich braucht. Er erzählt zwar weiterhin von Bergen, Wüsten, Eis und persönlichen Grenzsituationen. Doch die Abenteuer bilden diesmal eher den Hintergrund für Themen wie Reduktion, Nachhaltigkeit, Selbstverantwortung, Verlust und Vergänglichkeit. Was bleibt, wenn Überflüssiges wegfällt? Und lässt sich gerade durch Verzicht mehr Freiheit gewinnen?
Ein Leben am Limit
In "Leben am Limit" verbindet er seine Jugend in den Dolomiten mit den großen Achttausender-Expeditionen, Durchquerungen der Wüste Gobi und Grönlands sowie seinem späteren Engagement für Natur- und Umweltschutz. Auch das Scheitern gehört dazu. Messner erzählt von Nahtoderfahrungen, Niederlagen in der Todeszone und Widerständen, die seine Karriere begleiteten. Die Botschaft ist weniger eine Verklärung des Risikos als der Versuch, aus den eigenen Grenzerfahrungen Erkenntnisse über Verantwortung und den Umgang mit Natur abzuleiten.
Die Multivisionsvorträge dauern jeweils etwa 2 Stunden und 15 Minuten inklusive Pause. Je nach Veranstalter sind außerdem Signierstunden und Büchertische vorgesehen. Die einzelnen Termine und Programme der Tournee veröffentlicht Messner auf seiner offiziellen Website.



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