Nach zwölf Jahren: Watzmannhaus bekommt neues Salettl
Zwölf Jahre nach den ersten Planungen bekommt das Watzmannhaus in den Berchtesgadener Alpen seinen neuen Anbau. Das sogenannte Salettl wurde im August auf 1930 Metern Höhe montiert. Vorausgegangen waren ein jahrelanger Rechtsstreit, zwei erfolgreiche Klagen des Bund Naturschutz und schließlich ein Kompromiss: Statt der ursprünglich geplanten 80 wird der Neubau nur noch gut 40 Sitzplätze bieten.
Das historische Vorgängergebäude hatte stolze 122 Jahre auf dem Buckel und war zuletzt baufällig. Schon 2014 hatte die Sektion München des Deutschen Alpenvereins deshalb mit den Planungen für einen Ersatz begonnen. Dass daraus ein zwölfjähriges Projekt werden würde, war damals kaum abzusehen. Nun ist zumindest der schwierigste Teil geschafft. Am 19. August 2026 wurden die vorgefertigten Bauteile des neuen Salettls per Hubschrauber zum Watzmannhaus transportiert und dort zusammengesetzt.
Rund 20 Helikopterflüge für den Neubau
Ein gewöhnlicher Hüttenumbau ist das Projekt schon aufgrund seiner Lage nicht. Das Watzmannhaus ist nicht über eine befahrbare Straße erreichbar. Baumaterial lässt sich deshalb nicht einfach mit dem Lkw bis vor die Tür bringen – und auch das Material des abgerissenen Altbaus musste aus dem Gebirge ausgeflogen werden. Der Neubau wurde zunächst vollständig im Tal aufgebaut und anschließend wieder in transportfähige Elemente zerlegt. Kein Bauteil durfte schwerer als 900 Kilogramm sein, die maximale Last des eingesetzten Helikopters.
Per Lkw gelangten die Elemente zunächst auf eine Alm, die nur rund drei Flugminuten vom Watzmannhaus entfernt liegt. Von dort waren am entscheidenden Bautag rund 20 Hubschrauberflüge nötig, um das Material zur Hütte zu transportieren. Auch das Einsetzen der Bauteile erforderte Präzision. Aufgrund des begrenzten Platzes konnten die Elemente nicht unmittelbar an jeder Stelle abgesetzt werden. Teilweise wurden sie zunächst auf der Terrasse abgelegt, umgehängt und anschließend erneut vom Hubschrauber aufgenommen und an ihre endgültige Position manövriert. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf rund 380.000 Euro.
Zwei Klagen stoppten die ursprünglichen Pläne, nun der Kompromiss
Dass der Neubau erst jetzt verwirklicht wird, hat allerdings weniger mit den logistischen Herausforderungen zu tun als mit seiner langen Vorgeschichte. Die ursprünglichen Planungen der DAV-Sektion München sahen einen deutlich größeren Bau mit rund 80 Sitzplätzen vor. Ein bestehender Weg sollte überbaut werden und anschließend unter dem neuen Salettl hindurchführen. Das Landratsamt Berchtesgadener Land erteilte dafür 2016 eine Baugenehmigung.
Dagegen zog der Bund Naturschutz vor Gericht – und bekam Recht. Entscheidend war dabei die besonders sensible Lage: Das Watzmannhaus befindet sich im Nationalpark Berchtesgaden. Auch ein zweiter, bereits verkleinerter Entwurf scheiterte vor Gericht. Nach Auffassung des Bayerischen Verwaltungsgerichts waren die Voraussetzungen für eine Befreiung von den geltenden naturschutzrechtlichen Vorgaben nicht erfüllt.
Statt einer weiteren juristischen Auseinandersetzung suchten DAV und Bund Naturschutz schließlich gemeinsam nach einer Lösung. Das Ergebnis ist der Neubau, der jetzt auf dem Berg steht – mit gut 40 Plätzen nur etwa halb so groß wie ursprünglich geplant. Beim Bund Naturschutz stößt der Kompromiss auf Zustimmung. Die gefundene Lösung entspreche den Vorstellungen des Verbands davon, wie Baumaßnahmen in der Kernzone des Nationalparks aussehen sollten.
Gleichzeitig hat sich auch beim Alpenverein der Umgang mit seinen Hütten verändert. Im Zuge der Sanierung des Watzmannhauses wurde dessen Übernachtungskapazität beispielsweise bereits von 220 auf 160 Schlafplätze reduziert. Dahinter stehen nicht nur naturschutzfachliche Überlegungen. Stark frequentierte alpine Ziele, steigender Nutzungsdruck und zunehmend knappe Ressourcen stellen viele Hütten vor neue Herausforderungen. Gerade Wasser wird in trockenen Sommern an hoch gelegenen Standorten immer häufiger zum limitierenden Faktor.

Abschluss einer langen Sanierung
Für Hüttenwirt Paul Verst endet mit dem Salettl zugleich ein Projekt, das ihn fast sein ganzes Leben begleitet hat. Seine Eltern bewirtschafteten das Watzmannhaus viele Jahre, er selbst führt die große Hütte heute gemeinsam mit seiner Mutter Annette und zahlreichen Mitarbeitern. Der 25-Jährige ist gelernter Schreiner und stand bei der Montage selbst auf dem Gerüst. Das Haupthaus war bereits zuvor umfassend saniert worden. Mit dem Neubau des Salettls soll die Kernsanierung des Watzmannhauses nun abgeschlossen werden.
Ganz fertig ist der Anbau allerdings noch nicht. Innenausbau, Elektrik und Fassade sollen in den kommenden Wochen folgen. Zur Hüttensaison 2027 soll das neue Salettl schließlich für Gäste geöffnet werden. Dann lässt sich von dort wieder der Blick auf die Berchtesgadener Bergwelt genießen – nur eben in deutlich kleinerem Rahmen, als ihn die ersten Pläne vorgesehen hatten.


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Kommentar schreibenEine allgemeine Klagebefugnis von durch einen bestimmten Sachverhalt nicht konkret betroffen Lobbyverbänden ist rechtlich nicht geboten, stets destruktiv, belastet in vermeidbarer Weise die Gerichte und schädigt im Ergebnis zunehmend die Allgemeinheit.