Jüngster Mensch auf dem höchsten Alpengipfel?

"Weltrekord"? Neunjähriger besteigt mit seinem Vater den Mont Blanc

Mit neun Jahren erreichte Lelio Massimo di Roccasecca den Gipfel des 4807 Meter hohen Mont Blanc. Der Italiener stieg mit seinem Vater, einem 8000er-Bergsteiger, über die französische Normalroute auf. Die Familie des Jungen spricht von einem Weltrekord.

Weltrekord am Mont Blanc? 
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Einem Bericht der italienischen Tageszeitung "La Stampa" zu Folge hat ein neunjähriger Junge aus Rom am 4. September 2026 den Mont Blanc bestiegen. Lelio Massimo di Roccasecca erreichte mit seinem Vater Valerio Massimo den 4807 Meter hohen Gipfel. Nach Angaben der Familie ist er der jüngste Mensch, dem es gelungen ist, den höchsten Berg der Alpen zu besteigen.

Mont-Blanc-Besteigung: Familie spricht von Weltrekord

Nach der Besteigung kehrten Vater und Sohn zur Goûter-Hütte zurück, die auf einer Höhe von 3835 Metern und damit rund 1000 Höhenmeter unterhalb des Gipfels liegt. Dort wurde Lelios Erfolg gefeiert. Der Hüttenwirt Antoine Rattin bestätigte nach Angaben der Familie in einem Schreiben, dass der Neunjährige der jüngste Mensch sei, der je den Gipfel aus eigener Kraft erreicht habe.

Lelios Eltern Alexandra und Valerio sprechen deshalb dem Bericht von "La Stampa" nach von einem Weltrekord. Eine offizielle Anerkennung steht bislang indes aus. Fraglich ist, wer eine solche Bestätigung nach entsprechender Prüfung aussprechen könnte. Denkbar wäre hier das "Guinness-Buch der Rekorde". Bislang galt ALPIN-Informationen nach ein zehnjähriger Brite als jüngster Besteiger des Mont Blanc.

Für seinen Vater steht der Rekord ohnehin nicht im Mittelpunkt. "Es geht uns nicht um den Rekord. Lelio liebt einfach die Berge", sagte Valerio Massimo.

Mont-Blanc-Besteigung war gut vorbereitet

Wie genau Lelio und sein Vater ihren Aufstieg am 4. September aufteilten und wo sie gestartet sind, ist in den bisher veröffentlichten Beiträgen bislang nicht eindeutig dokumentiert. Wahrscheinlich ist, dass die Besteigung über den Normalweg über die Goûter-Hütte erfolgte. 

Der Berichterstattung nach hat sich das Vater-Sohn-Duo durch mehrere Aufenthalte in großer Höhe auf die Besteigung vorbereitet: Im August übernachteten Lelio und sein Vater unter anderem im Refuge Albert Premier auf 2704 Metern, im Rifugio Torino auf 3375 Metern und schließlich in der Goûter-Hütte auf rund 3835 Metern.

<p>Stützpunkt am Mont Blanc: die Goûter-Hütte.</p>

Stützpunkt am Mont Blanc: die Goûter-Hütte.

© Wikimedia.org/Coronium

"Der letzte Test war in der Goûter-Hütte auf 3835 Metern. Lelio ging es gut", sagte Valerio Massimo. Die beiden führten nach seinen Angaben bei der Mont-Blanc-Besteigung auch ein Pulsoximeter mit, um die Sauerstoffsättigung zu kontrollieren.

Die Vorbereitung war nicht der erste Kontakt des Jungen mit großer Höhe. Im Sommer 2025 war Lelio im Alter von acht Jahren auf dem 4153 Meter hohen Bishorn in der Schweiz. Von dort aus soll er den Mont Blanc gesehen und als nächstes Ziel ins Auge gefasst haben.

Vater bestieg drei Achttausender

Vater Valerio Massimo ist selbst erfahrener Höhenbergsteiger: Den Mont Blanc bestieg er bereits mit 14 Jahren. Später nahm er an Expeditionen im Himalaja und Karakorum teil und erreichte die Gipfel von Mount Everest, Cho Oyu und K2. Damit hat er drei der 14 Achttausender bestiegen.

Auch Lelio wurde früh an das Bergsteigen herangeführt. Bereits mit drei Jahren bestieg er nach Angaben seines Vaters seinen ersten einfachen Gipfel im Apennin, später kamen Touren in den Dolomiten hinzu.

Was sagt die Bergmedizin?

Die Medical Commission der International Climbing and Mountaineering Federation (UIAA) hat 2008 mit "Children at Altitude" eine eigene Empfehlung zum Aufenthalt von Kindern in großer Höhe veröffentlicht. Darin wird betont, dass sich Kinder grundsätzlich an große Höhe anpassen, also akklimatisieren können, die Datenlage gerade bei jüngeren Kindern aber begrenzt ist. Eine schrittweise Höhenanpassung und die genaue Beobachtung möglicher Symptome sind deshalb besonders wichtig.

Wie der Körper von Kindern auf die Höhe reagiert, wurde unter anderem in der "Young Everest Study" untersucht. Neun gesunde Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren wurden dabei bis auf 3500 Meter begleitet. Die Sauerstoffsättigung sank mit zunehmender Höhe deutlich. Nach einer Woche in der Höhe zeigte sich allerdings eine gewisse Anpassung; insgesamt blieben die Kinder in der Studie weitgehend gesund.

Auch akute Höhenkrankheit kommt bei Kindern vor. In einer Studie mit 48 gesunden, nicht akklimatisierten Kindern und Jugendlichen, die rasch auf 3450 Meter am Jungfraujoch gebracht wurden, entwickelten innerhalb der ersten drei Tage 37,5 Prozent Symptome einer akuten Höhenkrankheit. Die Beschwerden waren überwiegend mild und verschwanden wieder; eine Evakuierung war in keinem Fall erforderlich.

Diese Untersuchungen zeigen, dass Kinder auch in großer Höhe akklimatisieren können, gleichzeitig aber auf die Höhe reagieren und eine sorgfältige Vorbereitung benötigen. Die genannten Studien reichen "nur" bis etwa 3500 Meter – der Mont Blanc liegt mit 4807 Metern deutlich höher.

Saint-Gervais empfiehlt den Mont Blanc erst ab 16

Eine konkrete Altersempfehlung für den Mont Blanc gibt die Gemeinde Saint-Gervais-les-Bains. Auf der offiziellen Tourismusseite heißt es, der Mont Blanc solle erst ab 16 Jahren bestiegen werden, wenn Jugendliche ausreichend trainiert und motiviert seien. Gleichzeitig empfiehlt die Gemeinde Aktivitäten in großer Höhe wie Bergsteigen für Kinder unter 15 Jahren nicht.

Text von Holger Rupprecht

1 Kommentar

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Bergsteigerin

Es gibt eine Empfehlung der UIAA für Kinder in der Höhe, danach haben Vater und Sohn alles richtig gemacht.
Ist doch ne schöne Sache, wenn ich mir hier die durchschnittlichen Neunjährigen angucke... Vielleicht der nächste Kilian ;) ?