Anspruchsvolle Mehrseillängenroute

WoGü (8c): Barbara Zangerl gelingt historische Begehung

Barbara Zangerl hat im Rätikon einen weiteren Meilenstein erreicht: Die Österreicherin kletterte die legendäre Mehrseillängenroute WoGü (8c) an der 7. Kirchlispitze als erste Frau komplett frei. Einen Tag zuvor war ihr Seilpartner Jacopo Larcher ebenfalls im ersten Rotpunktversuch durch die Route gestiegen.

Barbara Zangerl in der WoGü (8c) im Rätikon – als erste Frau kletterte sie die legendäre Route komplett frei.
© Timeline-Production

Barbara Zangerl gelingt historische WoGü-Begehung

Barbara Zangerl hat die Geschichte der "WoGü" im Rätikon um einen besonderen Eintrag erweitert. Die Österreicherin gelang am 23. August 2026 die erste freie Begehung der kompletten Route durch eine Frau. Einen Tag zuvor hatte ihr Seilpartner Jacopo Larcher die 8c ebenfalls frei geklettert.

Die "WoGü" verläuft an der 7. Kirchlispitze im Schweizer Rätikon und zählt seit Jahren zu den bekanntesten schweren alpinen Mehrseillängenrouten. Die Route ist 270 m lang und ist in neun Seillängen aufgeteilt. Die schwerste Passage ist mit 8c bewertet.

Für Zangerl ist die Begehung der nächste besondere Erfolg in einem ohnehin ereignisreichen Sommer. Erst kurz zuvor hatte sie gemeinsam mit Larcher die ebenfalls im Rätikon gelegene Mehrseillängenroute "Déjà" (8c+) frei wiederholt. Dabei war Zangerl die zweite Person und erste Frau, der die freie Begehung dieser Route gelang.

Eine Route mit besonderer Geschichte

Die "WoGü" wurde von Beat Kammerlander Ende der 1990er-Jahre von unten eingerichtet. Die Route ist Wolfgang Güllich gewidmet, einem der prägenden Kletterer der deutschen und internationalen Szene. Kammerlander beschreibt die Linie selbst als Route mit teilweise sehr weiten Runouts und zwingend schwierigen Passagen zwischen den Bohrhaken. Eine durchgehende Rotpunktbegehung gelang ihm zunächst nicht.

Erst 2008 fiel die Route im freien Durchstieg. Der damals 15-jährige Adam Ondra kletterte die "WoGü" gemeinsam mit Pietro dal Prà und setzte damit den ersten Rotpunktpunkt der Linie. 

Danach blieb die Zahl der erfolgreichen Wiederholungen lange überschaubar. Edu Marin gelang 2016 die nächste Rotpunktbegehung, Roland Hemetzberger folgte 2017. 2020 kam Cédric Lachat hinzu.

Larcher und Zangerl nehmen die "WoGü" spontan ins Visier

Die Idee für die Begehung entstand laut Larcher und Zangerl eher spontan. Das Duo hatte zuvor Déjà geklettert und sein Material noch unterhalb der Wand. Nach mehreren Wochen im Rätikon waren beide zudem mit dem für das Gebiet typischen technischen Kalk vertraut.

Die "WoGü" hatten sie allerdings schon seit Jahren im Blick. Für Larcher war die historische Linie auch wegen ihrer Entstehung und der Bilder von Kammerlanders Ground-up-Begehung sowie Ondras erstem freien Durchstieg besonders interessant.

Im Vergleich zu Déjà ist die WoGü auf dem Papier zwar niedriger bewertet. Larcher beschreibt die Route jedoch als deutlich anhaltender. Mehrere schwere Seillängen folgen aufeinander, dazu kommen die für Kammerlanders Routen charakteristischen Runouts.

Jacopo Larcher klettert zuerst durch die "WoGü"

Larcher machte am 22. August den Anfang. Die Bedingungen waren zunächst schwierig: Nach nächtlichem Regen war die Wand am Morgen nass. Erst im weiteren Tagesverlauf trockneten Teile der Route ab.

Trotzdem gelang ihm der Durchstieg. Die erste 8c kletterte er direkt. In weiteren Schlüsselstellen musste er jeweils noch einmal ansetzen. Eine 8b+-Passage kostete ihn einen zusätzlichen Versuch, ebenso die sogenannte "Badewanne". Die letzten Seillängen gelangen anschließend, obwohl auch dort die Feuchtigkeit den Durchstieg erschwerte.

Damit stand Larcher nach seinem ersten vollständigen Rotpunktversuch am Ausstieg der "WoGü". Viel Zeit zum Erholen blieb jedoch nicht: Am folgenden Morgen war Zangerl an der Reihe.

Beide wollten jede Seillänge selbst im Vorstieg klettern. Bei schwierigen Mehrseillängenrouten ist es dagegen nicht ungewöhnlich, dass Seilpartner einzelne leichtere oder bereits ausgearbeitete Längen im Nachstieg klettern. Für die beiden sollte die WoGü-Begehung diesen Punkt ausdrücklich nicht enthalten.

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Barbara Zangerl: Eigene Lösungen für die 8c

Zangerl startete am 23. August früh, um die schwierigen Passagen möglichst bei guten Bedingungen zu erreichen. Bereits die erste, vergleichsweise einfache Passage war allerdings noch nass.

Auch die erste 8c verlangte von ihr eine eigene Kletterlösung. Die Bewegungssequenz, die Larcher gefunden hatte, konnte Zangerl aufgrund ihrer unterschiedlichen Reichweite nicht einfach übernehmen. Sie entwickelte deshalb eine eigene Beta und kletterte die Seillänge ohne Sturz.

Auch die folgenden Schlüsselstellen gelangen direkt. Zangerl kletterte die erste 8b+ ebenso im ersten Versuch wie die "Badewanne" und die zweite 8b+. Die abschließenden anspruchsvolleren Seillängen brachte sie ebenfalls ohne Sturz hinter sich.

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