Reinhold Messner schrieb 1974: "Walter Bonatti war für volle zehn Jahre der beste Bergsteiger der Welt. Bei ihm sind es nicht allein die außergewöhnlichen alpinen Taten zwischen dem K2 und dem Gasherbrum IV, dem Rondoi-Nord und dem Cerro Torre sondern vor allem seine Einstellung zum Alpinismus, die ihn aus der Zahl der Spitzenbergsteiger hervortreten lassen." Was ihn auszeichnete, war nicht allein die schiere Zahl seiner Erstbegehungen, sondern die Art, wie er sie durchführte: allein, im Winter, ohne Kompromisse. Bis zu seinem freiwilligen Rückzug aus dem extremen Alpinismus 1965 setzte Bonatti Maßstäbe, die bis heute gelten.

Legenden unter sich: Reinhold Messner und Walter Bonatti.
Walter Bonatti: Einer der besten Bergsteiger aller Zeiten
Walter Bonatti wurde am 22. Juni 1930 bei Bergamo geboren und gilt als einer der besten Bergsteiger aller Zeiten. Bereits in jungen Jahren bezwang er die schwierigsten Wände der Alpen. Zu den Highlights seiner frühen Kletterjahre gehören die Durchsteigung der Ostwand des Grand Capucin, die Nordwände der Drei Zinnen und der Walkerpfeiler der Grandes Jorasses in den Wintermonaten von 1953 und 1963.
K2 1954: Triumph und Trauma
Im Frühjahr 1954 war Bonatti Teil der italienischen Karakorum-Expedition auf den K2. Achille Compagnoni und Lino Lacedelli erreichten als erste Menschen den Gipfel, doch die Umstände, unter denen dies geschah, verfolgten Bonatti jahrzehntelang.
In der entscheidenden Nacht vor dem Gipfelsturm biwakierte Bonatti mit dem Hochträger Mahdi auf rund 8.100 Metern, ohne geeignete Ausrüstung und ohne Zelt. Er hatte den beiden Gipfelapiranten Compagnoni und Lacedelli den dringend benötigten Sauerstoff heraufgebracht, und dann wegen schlechter Sicht in der Dunkelheit das Lager IX, das an anderer als der urprünglich vereinbarten Stelle errichtet worden war, nicht finden konnte. Dass er diese Nacht überlebte, grenzte an ein Wunder.
Dass er danach jahrelang mit falschen Darstellungen seiner Rolle kämpfen musste, war eine andere Art von Prüfung. Erst über 50 Jahre später erkannte der italienische Alpenclub seine Version der Ereignisse offiziell an.
Petit Dru, Gasherbrum IV, Grandes Jorasses
1955 gelang Bonatti am Petit Dru eine der kühnsten Soloerstbegehungen der Alpingeschichte: der Südwestpfeiler, heute als "Bonatti-Pfeiler" bekannt, in einem mehrtägigen Alleingang. 1958 erreichte er mit Carlo Mauri den Gipfel des Gasherbrum IV (7.925 m) – bis dahin unbestiegen. 1963 durchstieg er mit Cosimo Zappelli erstmals im Winter die Nordwand der Grandes Jorasses über den Walker-Pfeiler.

Walter Bonatti erreicht am 22. Februar 1965 um 15:10 Uhr den Gipfel des Matthorns. Das Ereignis wurde aus einem Flugzeug fotografiert. Als erster Bergsteiger bezwang er im Alleingang im Winter die berüchtigte Nordwand.
Tragisches Unglück am Mont Blanc
Im Juli 1961 gehörte Bonatti zu einer siebenköpfigen Seilschaft, die einen Erstbegehungsversuch am zentralen Frêney-Pfeiler am Mont Blanc unternahm. Ein plötzlicher Wettersturz zwang die Gruppe zum Rückzug. Was folgte, war eines der dunkelsten Kapitel der alpinen Geschichte: Pierre Kohlmann, Robert Guillaume, Andrea Oggioni und Antoine Vieille starben beim Abstieg an Erschöpfung und Unterkühlung. Nur Bonatti, Roberto Gallieni und Pierre Mazeaud überlebten. Bonatti trug diese Erinnerung bis ans Ende seines Lebens.

In Sicherheit: Bonatti und die zwei anderen Überlebenden des Unglücks.
Das letzte große Solo: Matterhorn-Nordwand im Winter
Im Februar 1965 setzte Bonatti seinen letzten und vielleicht eindrucksvollsten Schlusspunkt: allein, auf einer neuen Route, durchstieg er die Nordwand des Matterhorns im Winter. Danach erklärte er seinen Rückzug vom extremen Alpinismus. Mit erst 34 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Kräfte, aus freier Entscheidung.
Auch nach seinem offiziellen "Abschied" vom extremen Alpinismus war Bonatti weiterhin im Gebirge und in entlegenen Gegenden weltweit unterwegs. Zwischen 1965 und 1979 verfasste er Fotoreportagen für die Wochenzeitschrift "Epoca" und das Monatsmagazin "Bild der Zeit".
2009 wurde Walter Bonatti für sein Lebenswerk mit dem "Piolet d'Or" ausgezeichnet. Am 13. September 2011 starb er nach Krankheit im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in Rom.
Walter Bonatti – Stationen aus einem bewegten Leben
1930: Walter Bonatti wird in Bergamo geboren.
1948: Erste Kletterei in den Grigne bei Lecco.
1949: Bonatti wiederholt extremste Touren (Walker-Pfeiler, Westwand der Aig. Noire de Peuterey).
1951: Erstbegehung der Ostwand des Grand Capucin mit Luciano Ghigo.
1954: Italienische K 2-Expedition, bei der Achille Compagnoni und Lino Lacedelli den Gipfel erstmals erreichen und Bonatti mit Hochträger Mahdi ein Biwak auf ca. 8100 m ohne geeignete Ausrüstung übersteht.
1955: Erste Skidurchquerung der Alpen und seine spektakulärste Erstbegehung: Petit Dru-SW-Pfeiler im Alleingang.
1958: Erstbesteigung des Gasherbrum IV (7925 m) mit Carlo Mauri.
1961: Erstbesteigung des Nevado Rondoy Norte und Tragödie am Frêney-Pfeiler, an dem vier von sieben Alpinisten beim Rückzug vom Erstbegehungsversuch im Sturm sterben; nur Bonatti, Mazeaud und Gallieni überleben.
1962: Erstbegehung Pilier d’Angle-Nordwand.

Der italienische Bergsteiger Walter Bonatti im Jahr 1963 nach seinem gescheiterten Versuch, die Eiger-Nordwand im Alleingang zu bezwingen.
1963: Erste Winterbegehung der Grandes-Jorasses-Nordwand über den Walker-Pfeiler mit Cosimo Zappelli.
1964: Erstbegehung des Whymper-Pfeilers in der Nordwand der Grandes Jorasses mit Michel Vaucher.
1965: Bonatti schließt 15 Jahre extremes Bergsteigen ab: Allein, auf neuer Route durchsteigt er die Matterhorn-Nordwand im Winter.
1965 bis 1979: Als Fotoreporter für die Zeitschrift „Epoca“ bereist Bonatti die wildesten Winkel der Erde.
1980: Bonatti zieht sich zurück; er schreibt Bücher (bis heute rund 20) und hält Vorträge.
2009: Bonatti wird mit dem "Piolet d'Or" für sein alpinistisches "Lebenswerk" ausgezeichnet.
2011: Walter Bonatti stirbt nach Krankheit im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in Rom.




1 Kommentar
Kommentar schreibenFür mich einer der ganz Großen.
Sein Buch "Berge - meine Berge" ist ein Klassiker. Ein Bergsteiger der alten Schule. Ein wahrer Alpinist, ein Abenteurer, ein Grenzgänger.
Einer der Besten, bis heute.