Frage: Was unterscheidet Trad-Klettern vom Alpinklettern?
Frage von Ludwig, per Mail: Wir haben neulich im Freundeskreis über die Unterschiede zwischen Trad- und Alpinklettern gesprochen und waren uns nicht einig. Gibt es da Unterschiede in der Definition?
Antwort: Trad- und Alpinklettern unterscheiden sich vor allem bei der Absicherung
Antwort von Olaf: Strenge Definitionen gibt es zu den Begriffen nicht, aber "gelebte". Beim Trad-Klettern ist es noch relativ einfach: "Trad" heißt, dass man die Sicherungen selbst anbringt, es befinden sich also keine fixen Sicherungen (Bohrhaken, Schlaghaken usw.) in Trad-Routen. Trad-Routen können 8 Meter oder 800 Meter lang sein, das macht erstmal keinen Unterschied. Trad ist Trad.
Alpines Klettern ist zuerst mal Klettern in alpiner Umgebung. Also nicht Klettern an einem (kleinen) Fels im Wald (z. B. Frankenjura) oder in Talnähe. Auch haben Routen beim alpinen Klettern immer mehrere Seillängen.

Alpines Gelände: Beim Klettern in den Bergen gehören Erfahrung, sichere Bewegung und die richtige Absicherung dazu.
Beim "echten" alpinen Klettern würde ich zusätzlich sagen, dass zumindest ein Teil der Sicherungen selbst angebracht werden muss. Beim alpinen Sportklettern (oder auch Plaisirklettern) hingegen sind die nötigen Sicherungen (Zwischensicherungen und Standplätze) schon im Fels, beim Plaisirklettern in kürzeren Abständen zwischen den Haken als beim alpinen Sportklettern.
Auch da wird noch einmal unterschieden, wenn man es sehr genau nimmt. Um hier eine Unterscheidung zu schaffen, wird inzwischen oft mit der "S-Bewertung" gearbeitet. S1 heißt, dass die Routen top abgesichert sind, bei S3 muss man dann schon ganz schön weit zwischen den Haken klettern und sicherlich hier und da sinnvollerweise auch selbst absichern.
Trad-Klettern kann also durchaus ein Teil vom alpinen Klettern sein, dann eben auf Routen, die "clean" sind, die also noch keine Zwischensicherungen aufweisen. Ob einmal eine Bandschlinge durch eine Sanduhr gefädelt ist oder ein Klemmkeil fix liegt (weil die Vorgänger ihn vielleicht nicht mehr herausbekommen haben), spielt dabei in der Regel keine Rolle.
Mehr Fragen von Lesern und Usern sowie die Antworten von Olaf findet Ihr unter: alpin.de/olaf.
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Olaf ist ALPIN-Testredakteur & staatl. gepr. Berg- und Skiführer. Er versucht für Euch, auch auf die kniffeligsten Fragen die richtigen Antworten zu finden.

2 Kommentare
Kommentar schreibenAn einem Standplatz können theoretisch maximal 12 kN auftreten (Faktor 2 Sturz in den Stand). Hast du eine Zwischensicherung geklinkt (die hält), sind die Kräfte am Stand in der Regel < 8 kN.
Je nach Einsatzbereich ist das eine oder das andere Material besser geeignet. Wenn du eine Standplatzschlinge um einen (vielleicht scharfkantigen) Block legst, sind Aramid oder Kevlar die Materialien der Wahl, weil sie eine besonders hohe Schnitt- und Kantenfestigkeit haben. In der Regel haben Kevlar-/Aramid-Reepschnüre einen Mantel aus Polyamid.
Verbindest du mehrere Fixpunkte (Haken, Klemmkeile, Sanduhren) miteinander, ist Dyneema mit einem Polyamid-Mantel das beste Material, weil es leichter ist und einen geringeren Durchmesser hat. Das Polyamid sorgt für einen etwas besseren Griff und hat einen höheren Schmelzpunkt als reines Dyneema-Material.
Bei diesen zwei hochfesten Materialien würden für Standplatzaufbauten 6 mm Durchmesser reichen, 8 mm sind besser. Benutzt du reines Polyamid für den Standplatzbau, sollte die Reepschnur mindestens 8 mm Durchmesser haben.
Hi Olaf,
hier ein Frage die sowohl zum Trad- als auch zum Alpinklettern passt. Es geht um den Standplatzbau an mehreren Fixpunkten mit einer hochfesten Reepschnurr. Und zwar habe ich mich gefragt wie hoch mindestens die Zugfestigkeit dieser sein sollte und welches Material für den Kern am geeignetsten ist. Es gibt ja sowohl Modelle mit Aramid- und Polyethylenfasern, wo sind da jeweils die Vor- und Nachteile?
Gruß Tom