Kompromisslos, extrem, fordernd: Superlative schießen einem durch den Kopf, wenn man den Routenverlauf des Mauerläufer-Klettersteigs am Bernadeinkopf das erste Mal sieht. Denn das Wetterstein-Kalkgemäuer unterhalb der wuchtigen Alpspitze schreckt schon allein wegen seiner Steilheit und Kompaktheit ab.
Doch dort, wo sonst Kletterkünste in höheren Schwierigkeitsgraden vonnöten wären, hilft das Drahtseil seit dem Sommer 2009 bei der Bewältigung der Wandflucht. Nicht wirklich viel, aber auch nicht zu wenig Eisen haben die Erbauer im Fels versenkt. Gerade recht werden die sagen, die die vertikale Herausforderung suchen.

Der Mauerläufer macht seinem Namen alle Ehre - Tritthilfen sucht man meist vergebens.
Arg knapp werden die erwidern, die von einer Ferrata Griffe und Tritte für Hände und Füße gleichermaßen erwarten. Denn die Erschließer haben sich darauf beschränkt, die 250 Höhenmeter mit einem ordentlichen Handlauf – sprich: 400 Meter Drahtseil – auszustatten. Für die Füße gibt es praktisch keine Unterstützung – sprich: künstliche Tritte.
Zwei Ferrata-Spielereien sind trotz der alpinen Anmutung des Steiges zu finden: eine kurze Leiter aus Stahlseilen zur Überwindung eines Überhangs. Und am Ausstieg eine Burma-Bridge, die aber umgangen werden kann. Ein luftiges Finale also nach einer wahrlich anstrengenden Route. Was will man mehr?
Die Tour - Bernadeinkopf, 2144 m, Mauerläufer-Klettersteig
Schwierigkeit: Klettersteig, schwer, D/E
Dauer: 4½ Stunden
Höhenmeter: 320 Hm
Sehr schwierige Steiganlage, die während der 400 Kletter-Meter am Drahtseil kaum Rastpunkte bietet. Es werden große Kletterfertigkeiten und hohe Felsaffinität verlangt.
Beste Zeit: Juni bis September.
Talort: Garmisch-Partenkirchen.
Ausgangspunkt: Bergstation der Alpspitzbahn am Osterfelderkopf, 2053 m.
Route: Vom Osterfelderkopf der Beschilderung folgend zum Einstieg. Die schwierigsten Passagen finden sich in der Einstiegswand und am Pfeiler. Abstieg über den Nordwandsteig der Alpspitze.
ALPIN-Tipp: Da es kaum Tritthilfen gibt und oftmals am Fels sauber angetreten werden muss, ziehen sich viele Ferratisti am Einstieg Kletterschuhe an. Das ist eine gute Idee! Nicht vergessen: Approach-Schuhe oder Wanderstiefel für den Abstieg.
ALPIN-Info
Info: Tourist Information Garmisch-Partenkirchen, Richard-Strauss-Platz 2, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. +49 882118070, gapa.de
Anreise: Von München über die A 95 und B 2 nach Garmisch und zur Alpspitzbahn. Hierher auch mit der Bayerischen Zugspitzbahn.
Bergbahn: Alpspitzbahn, Am Kreuzeckbahnhof 12, 82467 Garmisch-Partenkirchen, alpspitze.org
Bergführer: Alpinschule Garmisch, alpinschule-garmisch.de
Literatur: Axel Jentzsch-Rabl u. a.: Klettersteigführer Österreich, Alpinverlag, 2015.
Karte: AV-Karte, 1: 25 000, Blatt 4/2, Wetterstein und Mieminger Gebirge, Mitte.
Ausrüstung: Klettersteig-Set, Gurt, Helm, ggf. Kletterschuhe für die Ferrata.




2 Kommentare
Kommentar schreibenHeute sind wir den Klettersteig (60 und 65 Jahre) zum zweiten Mal gegangen.
Er ist dauerhaft "knackig" und für ungeübte Gelegenheitsgeher absolut nicht zu empfehlen.
Ansonsten hatten wir viel Freude in dem wunderschön angelegten Steig welcher durch seine Nord-Ausrichtung optimal bei dem heißen Wetter war.
Ein wenig kann man ihn mit gelebter Klettertechnik entschärfen aber oft muß man einfach nur ziehen.
Kletterschuhe machen in dem Steig Sinn. Ich würde ihn nicht mit normalen Wanderschuhen begehen.
Wir wünschen allen die Einsteigen eine schöne Tour und einen gesunden Ausstieg :-))
Hhhh