Variantenfahren lösen Lawine aus.

Lawine am Stubaier Gletscher: Großeinsatz mit 250 Helfern, acht Personen aus Schneemassen befreit

Am Stubaier Gletscher ist am Donnerstag (27. November 2025) eine Lawine im freien Gelände abgegangen. Teile des Schneebretts erreichten eine geöffnete Piste. Mehrere Personen konnten lebend aus den Schneemassen befreit werden. Rund 250 Personen waren am Rettungseinsatz beteiligt.

Großeinsatz nach Lawinenabgang: Rettungshubschrauber am Stubaier Gletscher.
© Webcam Stubaier Gletscher

Update 28. November 2025, 10:30 Uhr | Offizieller Polizeibericht veröffentlicht

Wie die Landespolizeidirektion Tirol berichtet, löste sich die Lawine gegen 09:15 Uhr im Variantenbereich östlich der Daunscharte und wurde nach ersten Ermittlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Variantenfahrer ausgelöst. Das Schneebrett erreichte im Auslaufbereich auch die geöffnete Piste Nr. 9 ("Kogelferner“). Auf der Piste wurde jedoch niemand verschüttet. Insgesamt acht Wintersportler, die sich im freien Skiraum befanden, wurden von der Lawine erfasst.

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Fünf Beteiligte blieben unverletzt. Drei Personen, allesamt deutsche Staatsangehörige, erlitten Verletzungen unbestimmten Grades: ein 23-Jähriger aus dem Landkreis Ostallgäu (Unterarmverletzung), ein 21-jähriger Deutscher mit Wohnsitz in Innsbruck (Knieverletzung) sowie ein 21-Jähriger aus dem Zollernalbkreis (leichte Schulterverletzung)

Zwei der Verletzten wurden vom Notarzthubschrauber "Alpin 2" ins Krankenhaus Hall geflogen. Eine weitere Person mit leichten Schmerzen sowie fünf unverletzte Wintersportler konnten selbstständig mit der Gondel ins Tal fahren. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte waren bereits alle Verschütteten befreit.

Da anfänglich unklar war, ob weitere Personen verschüttet worden waren, wurde der Lawinenkegel umfassend abgesucht. Zum Einsatz kamen: LVS-Suchen, anschließend Lawinensuchhunde, mehrere Sondierketten durch Einsatzkräfte und zufällig anwesende Wintersportler sowie abschließend eine Recco-Suche durch den Polizeihubschrauber "Libelle Tirol".

Alle Suchmaßnahmen verliefen negativ. Insgesamt waren knapp 250 Einsatzkräfte und freiwillige Helfer beteiligt, darunter drei Bergrettungsortsstellen, Alpinpolizei, Mitarbeiter der Gletscherbahnen, zwei Notarzthubschrauber (Alpin 2, C1), rund 90 Angehörige der deutschen Bundeswehr, sowie 60 polnische und tschechische Bergretter, die sich zufällig im Skigebiet aufhielten. Die Suche wurde zudem von rund 100 Zivilpersonen unterstützt.

<p>Blick auf die Unglücksstelle im Bereich der Daunscharte am Stubaier Gletscher.</p>

Blick auf die Unglücksstelle im Bereich der Daunscharte am Stubaier Gletscher.

© Richard Buchner

Update 27. November, 13:38 Uhr | Acht Personen lebend aus Schneemassen befreit

Wie ein Sprecher der Stubaier Gletscherbahnen gegenüber der Nachrichtenagentur APA erklärte, konnten bei dem Rettungseinsatz drei Personen lebend aus den Schneemassen im freien Skigelände geborgen. Zuvor war es bereits gelungen, mehrere teils verschüttete Personen zu befreien. Insgesamt soll es gelungen sein, acht Personen zu retten, fünf davon aus Deutschland. Vier Personen sollen leicht verletzt worden sein, davon mussten zwei in eine Klinik geflogen werden. 

Erstmeldung 27. November, 10:19 Uhr | Lawine am Stubaier Gletscher

Am Donnerstagmorgen kam es gegen 9:30 Uhr im Bereich der Daunscharte oberhalb der Piste 9 am Stubaier Gletscher (Tirol) zu einem Lawinenabgang. Nach derzeitigen Wissensstand löste eine Gruppe Variantenfahrer die Lawine aus. Die Schneemassen reichten bis zum unteren Abschnitt der Piste, woraufhin die Route umgehend gesperrt wurde.

Großangelegte Suchaktion: Sechs teilverschüttete Personen am Rand der Piste gerettet

Mehrere Personen sollen sich zur Unglückszeit im freien Gelände befunden haben. Bei einigen wurde das Auslösen ihrer Airbag-Systeme beobachtet. Aktuell geht die Bergrettung von mehreren Verschütteten aus. 

Der Lawinenkegel wird derzeit mit Hochdruck abgesucht: Drei Rettungshubschrauber, mehrere Bergrettungsteams sowie Lawinensuchhunde sind im Einsatz. Insgesamt sollen über 250 Personen an der Suche beteiligt sein, darunter auch zufällig vor Ort befindliche Soldaten der deutschen Bundeswehr. 

<p>Die Rettungskräfte bei der Lawinenverschüttetensuche.</p>

Die Rettungskräfte bei der Lawinenverschüttetensuche.

© Richard Buchner

Angespannte Lawinensituation

In den vergangenen Tagen hat es in vielen Teilen der Alpen ergiebig geschneit. Laut dem Schneehöhenbericht von tirol.at kamen im Stubaital bis zu 50 Zentimeter Neuschnee vom Himmel. In Tirol wird derzeit noch kein tagesaktueller Lawinenlagebericht ausgegeben. Im benachbarten Bayern meldet der Lawinenwarndienst im aktuellen Lagebericht (Stand 27. Novermber) für Höhenlagen oberhalb von 1.500 Metern die Lawinengefahrenstufe drei (erheblich).

Text von Holger Rupprecht

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