David Göttler: "Hat der deutsche Alpinismus ein Nachwuchsproblem?"
David Göttler ist Bergführer, einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger Deutschlands ... und ALPIN-Kolumnist! Im Wechselspiel mit unserer zweiten Autorin, der Bloggerin und Podcasterin Erika Dürr, bespricht er aktuelle Themen des Bergsports. In der 22. Ausgabe von "Ehrlich gesagt ..." - Davids vorerst letzter - beschäftigen sie sich mit einer drängenden Frage: Warum sind unter den Namen großer Expeditionen so wenige Deutsche zu finden? Trotz guter Nachwuchsförderung im DAV scheint es im Spitzenalpinismus ein deutsches Nachwuchsproblem zu geben.

David Göttler war die letzten zwei Jahre zusammen mit Erika Dürr unser ALPIN-Kolumnist. Da er sich nun wieder verstärkt seiner Kernkompetenz widmen will, ist dies vorerst leider seine letzte Kolumne. Danke David, und alles Gute für deine kommenden Projekte!
David Göttler über den Mangel an deutschen Nachwuchs-Alpinisten.@(zwischenHeadlineTag)>

Profi-Bergsteiger und Bergführer David Göttler - war die letzten zwei Jahre zusammen mit Erika Dürr unser ALPIN-Kolumnist.
Ehrlich gesagt ... war dieses Jahr für mich eines der überraschendsten im Expeditionsbereich seit Langem. Noch vor Kurzem hätte man fast meinen können, der Alpinismus an den 6000ern bis hinauf zu den 8000ern sei endgültig passé. Doch dann gab es plötzlich eine ganze Reihe starker, stilvoller Unternehmungen: von alten Haudegen wie Denis Urubko bis hin zu jungen Bergsteigern wie Price und Ponsoby. Bei so vielen bemerkenswerten Projekten bin ich froh, nicht im Piolet-d’Or-Komitee zu sitzen. Denn die Entscheidung dort dürfte der Jury nicht leichtfallen. Was lässt man weg, wenn alles erzählenswert ist?
Trotz vieler spannender Besteigungen gibt es da eine Beobachtung, die mich seit Jahren begleitet: Unter den Namen, die man in Zusammenhang mit den großen Expeditionen liest, finden sich so gut wie nie deutsche Bergsteiger. Das ist kein patriotischer Reflex – im Gegenteil. Es wirft vielmehr die Frage auf, warum sich der Alpinismus in den verschiedenen Ländern so unterschiedlich entfaltet

Beruf oder Karriere als Bergsportler - für viele junge Deutsche führt der Weg maximal zum Bergführernberuf.
Und das, obwohl es mit dem Expedkader des Deutschen Alpenvereins eine wirklich hervorragende Nachwuchsstruktur gibt, die in meinen Augen sehr vieles richtig macht. Gleichzeitig sehe ich in anderen Ländern – allen voran in Frankreich – eine regelrechte Fülle junger Alpinisten, die nach ihrer Ausbildung ganz selbstverständlich auf Expedition gehen. Viele von ihnen stammen aus Programmen, die unserem in Aufbau und Anspruch erstaunlich ähnlich sind. Und trotzdem scheinen dort am Ende deutlich mehr Bergsteigerinnen und Bergsteiger den Schritt ins große Gebirge zu machen. Bei uns hingegen führt der Weg oft "nur" in Richtung Bergführerberuf.
Nicht erst seit meiner Zeit als Trainer des Expedkaders frage ich mich woran das liegen könnte? An generellen Trends im Bergsport, die in verschiedenen Ländern wellenartig auftreten? Mal ist Sportklettern in, mal Trad, mal sind es Expeditionen. Oder wegen der gesellschaftlichen Einstellung zu Sicherheit, Risiko und Scheitern?
Expeditionen sind nun einmal ein Spiel, bei dem Rückzüge, misslungene Versuche und verpasste Wetterfenster dazugehören wie die dünne Luft an einem Achttausender. Und vielleicht spielt ja auch der finanzielle Aspekt eine Rolle, schließlich sind Expeditonen nicht gerade günstig. Dagegen spricht, dass jungen Franzosen vermutlich auch nicht mehr Mittel zur Verfügung stehen als ihren deutschen Nachbarn.
Womöglich ist es eine Mischung aus allem? Ich habe bislang leider keine klare Antwort für mich darauf finden können... Was meinst Du, Erika?
Erikas Meinung zum Nachwuchs im deutschen Spitzenalpinismus@(zwischenHeadlineTag)>
Ehrlich gesagt ... ist das eine spannende These. Deren Antwort ist vermutlich noch am ehesten innerhalb des Exped-Kaders selbst zu finden. Mein erster Impuls war: Unter den jungen deutschen Alpinisten steht wohl eher das schwere Klettern als das Rödeln und Wühlen im Vordergrund!
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