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8 wissenswerte Fakten zu den Bergsteigerdörfern
Das kleine Örtchen Ginzling im Naturpark Zillertaler Alpen war 2008 das allererste Bergsteigerdorf. Der 400-Seelen-Ort ist seit jeher eng mit dem Alpinismus verknüpft. Schon vor 150 Jahren gaben sich hier die Bergsteigerpioniere die Klinke in die Hand. Kein Wunder, denn Ginzling ist Talort für sieben Alpenvereinshütten und 72 Dreitausender wie Hochfeiler (3510 m), Olperer (3476 m), Schwarzenstein (3369 m) und Zsigmondyspitze (3089 m).
Peter Haßlacher gilt als "Erfinder" der Bergsteigerdörfer. Er war lange Zeit Leiter der Fachabteilung Raumplanung und Naturschutz im ÖAV und später Vorsitzender der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA in Österreich. Er wollte ein nachhaltiges Projekt für periphere und wirtschaftlich schwache Gemeinden schaffen: kleine und feine Bergdörfer als Gegenentwurf zum alpinen Massentourismus.
Neben Obergurgl und Sölden mutet das Bergbauerndorf Vent fast ein bisschen wie das berühmte gallische Dorf an. Die Venter entschieden sich vor langer Zeit bewusst gegen eine Kommerzialisierung ihres Ortes. Große Skischaukel? – Abgelehnt! Ein "Ötzi"-Dorf als Magnet für Tagestouristen? – Nicht in Vent! Ganz im Sinne von Franz Senn, dem Mitbegründer des Alpenvereins und Vertreter des naturverträglichen Alpentourismus. Er wirkte vor 150 Jahren in der Region und ließ Steige und Wanderwege auf die Gipfel der Ötztaler Alpen anlegen, von denen Vent noch heute profitiert.
Im Chiemgau südlich des "Bayerischen Meeres" liegen Schleching und Sachrang. Ein Dorf im Achental, das andere im Priental, in der Mitte der 1808 Meter hohe Geigelstein. Die beiden Orte entschieden sich bewusst für eine gemeinsame Bewerbung – das einzige Duo im Club der Bergsteigerdörfer: ein Berg, zwei Dörfer. Seit 2017 profitiert die gesamte Region vom Konzept der nachhaltigen Tourismusentwicklung.
Das Erscheinungsbild der Bergsteigerdörfer unterscheidet sich von vielen anderen alpinen Tourismusregionen: Die natürliche Berglandschaft ist von einem guten Wegenetz statt von Seilbahnen durchzogen. Kleine Hotels und Gästehäuser prägen das Ortsbild – große Hotelburgen sucht man vergebens. Auf den Schutzhütten kommen lokale Produkte statt Tiefkühlpommes und Currywurst auf den Teller. Megaevents? – Fehlanzeige!
Zwei Orte sind keine Bergsteigerdörfer mehr: Der Osttiroler Gemeinde Kals am Großglockner wurde der Titel 2012 aberkannt – nach dem Bau eines luxuriösen Chaletdorfs und der Skigebietserweiterung nach Matrei. Die Gemeinde Reichenau an der Rax in Niederösterreich konzentriert sich ganz auf die Weiterentwicklung des Gesundheitstourismus und sagte 2018 nach zehn Jahren Lebewohl.
Bergsteigerdörfer sind Vorzeigeorte für eine alternative Tourismusentwicklung. In kleinen, ursprünglichen Alpendörfern finden natur- und umweltbewusste Touristen eine authentische Bergbauernwelt. Leitgedanke ist das Naturerlebnis, aber auch regionale Wertschöpfung und Bewahrung der kulturellen Eigenheiten. Da "Bergsteigerdorf" als Gütesiegel gilt, müssen Bewerber einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen.
Die meisten Bergsteigerdörfer liegen in Österreich, gefolgt von Deutschland, Italien und Slowenien. 2015 wurde Ramsau als erstes Bergsteigerdorf Deutschlands aufgenommen: Das Dorf ist das Tor zum einzigen deutschen Nationalpark der Alpen und der Ort mit der wohl höchsten Bergführerdichte Deutschlands.






