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Rotpunkt & Co: Diese 11 Kletterbegriffe solltet ihr kennen
Urmutter und Heiliger Gral des Freikletterns ist auch 50 Jahre nach der Erfindung durch Kurt Albert der Rotpunkt. Der meint den (sturz-)freien Durchstieg einer Route im Vorstieg ohne Rastpause. Das Seil darf nicht belastet werden, streng genommen müssen auch alle Zwischensicherungen selbst eingehängt werden.
Installiert man die Schlingen vorab, spricht man von Pinkpoint – bis heute wird diese Unterscheidung kontrovers diskutiert.
Lest dazu auch das Interview mit Norbert Sandner und Alex Megos.
Als Flash bezeichnet man die Rotpunkt-Begehung einer unbekannten Kletterroute beim ersten Versuch. Hier darf sich der Kletterer vorab vertieftes Wissen zur Tour aneignen, etwa durch Beobachten anderer oder Abseilen in die Route.
Mit Rotkreis oder Yo-yo (USA) meint der Szenejargon das nochmalige Klettern in einer Route oder Seillänge nach einem Sturz. Der Kletterer wird zum letzten Stand abgelassen und muss wieder von vorne beginnen – quasi Mario Kart in der Vertikalen.
Onsight bedeutet übersetzt "beim ersten Blick" und wird verwendet, wenn eine unbekannte Route im ersten Versuch komplett durchstiegen wird – das Inspizieren vom Boden aus und ein Blick ins Topo sind erlaubt. Dieser Stil ist beim Wettkampfklettern gang und gäbe.
Wenig bekannt und dabei von Laien häufig praktiziert ist die Rotkreuz-Begehung. Dabei handelt es sich um den sturzfreien Durchstieg einer Route oder Seillänge im Toprope bzw. Nachstieg. Verwendung findet der Begriff fast nur noch im Paraclimbing.
Beim Rope-Solo bewegt sich der Kletterer alleine mit Selbstsicherung durch eine Route.
Gleichzeitig als Superlativ gefeiert und als Absturzgarant verteufelt wird das Free-Solo-Klettern, bei dem Routen ohne jede Hintersicherung bewältigt werden.
Einer der berühmtesten seilfreien Alleingänge der Alpen gelang dem Tiroler Hansjörg Auer im "Weg durch den Fisch" (7b+) durch die Marmolada-Südwand.
Die erst wenige Jahre alte Idee des Ecopoint erweitert den Rotpunktbegriff um die Anreise "by fair means". Damit können öffentliche Verkehrsmittel, das Radl oder auch die Anreise zu Fuß gemeint sein.
Lest hierzu auch unser Interview mit der Kletterin und Ecopoint-Verfechterin Lena Müller.
Hoch angesehen ist auch das Trad- oder Clean-Klettern. Dabei erhöht sich neben der körperlichen die mentale Schwierigkeit, da die gewählte Route in Eigenregie abgesichert werden muss. Bohrhaken adé, hallo Klemmkeile, Friends und Co. – hier sind Vertrauen in das eigene Können und ein gutes Auge für stabile Sicherungspunkte gefragt.
Im Gegensatz zum Freiklettern werden beim technischen Klettern allerlei Hilfsmittel herangezogen: Haken, Leitern, Seile, hier ist fast alles erlaubt – bei Kompressoren ist die Grenze des Möglichen und Ethischen allerdings erreicht, wie einst der Italiener Cesare Maestri am Cerro Torre demonstrierte.








