Update: Unfallanalyse vom Lawinenwarndienst Tirol

Skitourengeher werden von Lawine in Gletscherspalte gespült: Zwei Tote

Am 24. März 2025 hat sich bei Obergurgl ein tödliches Lawinenunglück ereignet: Eine Gruppe Skitourengeher wurde von einer Lawine erfasst und mitgerissen. Zwei Personen wurden in eine Gletscherspalte gespült, sie konnten nur mehr tot geborgen werden. Nun hat der Lawinenwarndienst Tirol eine detaillierte Unfallanalyse veröffentlicht.

Lawinenkegel mit Verschüttungsstellen: Die Ellipse zeigt die Randspalte und die Verschüttungsstellen der zwei Lawinenopfer. Der Pfeil zeigt die Verschüttungsstelle der leicht verletzten Person.
© LWD Tirol

Update vom 26. März 2025 | Unfallanalyse vom Lawinenwarndienst Tirol (Erstmeldung unten)

Die sechsköpfige Skitourengruppe hatte sich gerade im Aufstieg über dem Gurgler Ferner befunden, als sich auf etwa 2840 m ein kleines Schneebrett gelöst hatte. Drei der in Entlastungsabständen gehenden Personen waren mitgerissen worden. Zwei der Verunfallten wurden dabei in die Randkluft des Gurgler Ferners gespült und dort total verschüttet. Trotz umgehender Hilfemaßnahmen durch die unbeteiligten Begleiter, war keine Rettung mehr möglich.

<p>Anrissbereich der Lawine samt Aufstiegsspur. Im Vordergrund erkennt man zwei Spuren, die nach unten "bretteln" und somit den Standort zweier, nicht erfasster Personen. Die dritte nicht erfasste Person befand sich bereits hinter dem Lawinenanriss. </p>

Anrissbereich der Lawine samt Aufstiegsspur. Im Vordergrund erkennt man zwei Spuren, die nach unten "bretteln" und somit den Standort zweier, nicht erfasster Personen. Die dritte nicht erfasste Person befand sich bereits hinter dem Lawinenanriss.

© Alpinpolizei/Lawinenwarndienst Tirol

Als Unfallkausel identifizierte der Lawinenwarndienst bei einer Scheedeckenanalyse an der Anrissstelle am 25. März 2025 ein Altschneeproblem. Die Untersuchung wurde gemeinsam mit der Alpinpolizei und einem Sachverständigen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass der Schneefall vom 10. März 2025 sich als Schneebrett gelöst hatte, darunter befanden sich "zwei dünne Schichten aus lockeren, kantigen Kristallen, die jeweils wiederum von dünnen Schmelzkrusten überlagert waren."

Beide Schwachschichten hatten sich nach Schneefällen im Februar herausgebildet, die von langen trockenen Schönwetterperioden gefolgt waren. Ausführliche Informationen und Diagramme unter lawinen.report.

23. März 2025 | Skitourengeher werden von Lawine in Gletscherspalte gespült: Zwei Tote

Die Lawine war laut Polizeibericht gegen 10:25 Uhr am Schalfkogel (3537 m) abgegangen und erfasste eine sechsköpfige Skitourengruppe aus Österreich. Es handelte sich um einen Bergführer mit fünf Gästen, von denen drei etwa 80 Meter über eine Wand mitgerissen wurden. Ein 62 Jahre alter Mann konnte mit Verletzungen unbestimmten Grades geborgen und nach der Erstversorgung vor Ort mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Zams geflogen werden.

Er wurde bereits am Nachmittag wieder entlassen. Die beiden anderen Tourengeher im Alter von 58 und 60 Jahren wurden durch den Schnee in die Randkluft des Gletschers gespült, wo sie weitere zehn Meter in den Spalt abstürzten. Laut Alpinpolizei konnten beide Männer nur mehr tot geborgen werden.

Gefahrenstufe 2 am Unfalltag

Wie "Der Standard" berichtet, war die Gruppe am Morgen von der Langtalereckhütte aus über den Kleinleitenferner zur Martin-Busch-Hütte aufgebrochen. Beim Gipfelaufstieg löste sich das zehn Meter breite und 30 Zentimeter hohe Schneebrett.

Der Bergführer und die verbliebenen Gruppenmitglieder blieben unverletzt. Im Einsatz standen Alpinpolizei, Bergrettung und der Notarzthubschrauber. Der Unfallhergang ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Am Unfalltag war die Lawinengefahr in den Ötztaler Alpen mit einer 2 bewertet.

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