Gedenk-Ski mit Kantsch-Silhouette angebracht

Alix von Melle errichtet Gedenkstätte für Luis Stitzinger am Säuling

Luis Stitzinger verunglückte 2023 am Kangchendzönga. Nun schuf seine Ehefrau Alix von Melle einen Ort der Erinnerung am Hausberg des verunglückten Bergsteigers.

Alix von Melle bringt Gedenk-Ski für Luis Stitzinger am Säuling an.
© Alix von Melle

Gedenkort für Luis Stitzinger

Ein bewegender Moment für Alix von Melle: Am oberen Ende des Nordanstiegs auf den Säuling, knapp unterhalb der Säulingwiese, brachte sie kürzlich mit einem Freund ihres verstorbenen Mannes einen Gedenk-Ski mit der Silhouette des Kantschs an. Damit erhält Luis Stitzinger, geboren und zuletzt wohnhaft in Füssen, eine pietätvolle Würdigung an seinem geliebten Hausberg.

<p>Gemeinsame Aktion: Alix von Melle bringt mit einem Freund einen Gedenk-Ski für Luis Stitzinger am Säuling an.</p>

Gemeinsame Aktion: Alix von Melle bringt mit einem Freund einen Gedenk-Ski für Luis Stitzinger am Säuling an.

© Alix von Melle

In einem Instagram-Post zu der Aktion schreibt von Melle: "Ein Ski sollte es sein - keine Tafel, auf der ich mich als Hinterbliebene selbst verewige. Ein Ski für Dich. Und natürlich durfte der Kantsch nicht fehlen - Dein Traumberg. Du hast da dank der DAV Sektion Füssen wirklich den Premium-Platz bekommen: Sonne, Ausblick auf den Säuling-Gipfel, den Forggensee, auf Berghof, wo Du aufgewachsen bist, und auf Deinen Gleitschirm-Startplatz am Tegelberg. Ein besserer Ausblick als König Ludwig damals hatte, wie ich finde."

Infografik
© Alix von Melle

In einem ALPIN-Interview zum ersten Todestag von Stitzinger hatte von Melle 2024 auf die Frage nach einer Gedenkstätte gesagt: "Bisher gibt es die noch nicht. Im Moment habe ich verschiedene Ideen dafür. Ich würde gerne eine Gedenktafel zum Kantsch-Basislager bringen und dort anbringen lassen. Gleiches gilt für Deutschland – auch dort soll es eine Gedenktafel für ihn geben. In seinen heimischen Hausbergen." Nun ist diese Gedenkstätte an einem wahrhaft passenden Ort gefunden.

Über Luis Stitzinger

 Luis Stitzinger (*16. Dezember 1968 in Füssen) war ein herausragender deutscher Höhenbergsteiger, Extrem-Skifahrer und staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, der als Sohn eines Bergführers im Ostallgäu aufwuchs. Er absolvierte Studiengänge in Sportwissenschaft und Anglistik, war lange im DAV (Deutscher Alpenverein) aktiv und gründete später sein eigenes Unternehmen "Go Climb A Mountain". Die Achttausender Cho Oyu (2000), Gasherbrum II (2006), Nanga Parbat (2008), Dhaulagiri (2009), Broad Peak (2011), Shishapangma (2013), Manaslu (2017) und Gasherbrum I (2018) erreicht er ohne, den Everest (2019, als Guide) mit Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff.

Sein letzter Aufstieg führte ihn 2023 auf seinen 10. Achttausender, den 8.565 Meter hohen Kangchendzönga, von dem er abermals per Ski abfahren wollte. Nachdem er am 25. Mai den Gipfel solo und ohne Flaschensauerstoff erreicht hatte und per Funk meldete, er sei auf dem Weg zu Camp IV, riss der Kontakt zu ihm ab. Fünf Tage später wurde Stitzinger auf rund 8.400 Meter Höhe tot gefunden.

<p>2023 am Kangchendzönga verunglückt: Luis Stitzinger.</p>

2023 am Kangchendzönga verunglückt: Luis Stitzinger.

© picture alliance/ Benedikt Siegert

Über den Säuling

Der Säuling, Stitzingers Füssener Hausberg, ist wegen seiner freistehenden Position und seiner charakteristischen, pyramidenartigen Form weithin sichtbar. 

Der 2.047 Meter hohe Berg in den Ammergauer Alpen wird meist entweder über die auf deutschem Gebiet gelegene Nord- oder über die auf österreichischem Boden gelegene Süd-Seite bestiegen. Bei beiden Aufstiegen handelt es sich um anspruchsvolle Bergwanderungen mit gesicherten Kletterstellen, für die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich sind. Die Touren sind auch wegen der Aussicht auf die Ostallgäuer Seenlandschaft und die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein beliebt, der Gipfel ist an schönen Sommertagen entsprechend frequentiert.

<p>Imposante Erscheinung: der Säuling, gesehen vom Hopfensee.</p>

Imposante Erscheinung: der Säuling, gesehen vom Hopfensee.

© picture alliance / Walter Allgöwer

Text von Holger Rupprecht

4 Kommentare

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Wendelin

Die Installierung der Gedenktafel am Säuling war hauptsächlich ein Herzenswunsch der DAV-Sektion Füssen, die (anders als manch andere "Memorial-Aktion") auch mit der leiblichen Familie abgesprochen und vereinbart war und daher grundsätzlich völlig in Ordnung geht. 

Dennoch ist es für die direkten Angehörigen sehr belastend, wenn die Geschichte bei passender Gelegenheit immer wieder öffentlich nach oben geholt wird.

Deswegen bin ich der Meinung, dass es damit mal genug sein sollte mit der medialen sowie kommerziellen Ausschlachtung des Lebenswerks und der Todesumstände meines Bruders.

Der armen Familie Dahlmeier geht es vermutlich ähnlich.

Eine Gedenktafel am Fuße des Kangchenjunga gibt es übrigens bereits seit April dieses Jahres, angebracht von meiner Frau und mir an der Nordseite des Berges ("Pangpema").

Regniztits

Ich dachte die Familie und der Dav Füssen weiht die Gedenkstätte am 30.08. 25. ein??Es wurde ausserdem schon eine Tafel in Nepal durch die Familie angebracht. Ohne mediales aufsehen.!!!

Alix

Danke lieber Matthias für Dein schönes Feedback - das freut mich wirklich sehr! Und es ist absolut verständlich, dass nicht jeder die Kantsch-Silhouette erkennt. Das hätte ich nie erwartet, deshalb hab ich es auch in der Beschreibung kurz erwähnt.
Herzliche Grüße, Alix

Matthias

Die gewählte Würdigung ist sehr geschmackvoll gestaltet. Mein Respekt Alix. Auch wenn die meisten Betrachter die Bergsilhouette nicht erkennen (ich zum Beispiel) zeigt diese "Tafel in sehr prägnanter Form was für den Luis ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens war.
Diese "Gedenktafel" hebt sich wirklich von den ansonsten so verbreiteten Tafeln deutlich ab. Sie drückt ein Lebensgefühl aus, welches auf den Betrachter sehr positiv abstrahlt. Erinnerung an einen Spitzenalpinisten mit Freude.