Tödliches Lawinenunglück in Tux

Update: Lawine fordert zwei Menschenleben: Verschüttete erst nach Stunden gefunden

Im Gemeindegebiet von Tux/Lanersbach im Zillertal sind am 28. Februar 2026 zwei Skitourengeher nach einem Lawinenabgang ums Leben gekommen. Die beiden Männer im Alter von 44 und 47 Jahren wurden am Tamlspitz (2608 m) von einer Lawine verschüttet. Aufgrund extremer Lawinengefahr und schlechter Sicht musste die Suche mehrfach unterbrochen werden.

Auch wenn sich die Lawinenlage seit dem letztem Schneefall etwas beruhigt hat, bleibt die schwache Altschnee erhalten. Mit den steigenden Temperaturen kommt zusätzlich eine Nassschnee-Lawinengefahr dazu. 
© picture alliance / Fotostand

03. März 2026 | Detaillierte Unfallanalyse des LWD

Aufstiegsroute und Erfassungspunkt rekonstruiert

Laut dem Bericht des Lawinenwarndienstes (LWD) Tirol stiegen die beiden erfahrenen und gut ausgerüsteten Skitourengeher am Samstagvormittag von der Tuxer Seite über die Vallruckalm in Richtung Tamlspitze auf. Der Tamlspitze (2608 m) ist eine etwas unscheinbare Erhebung rund 300 m östlich der bekannteren Torspitze in den Tuxer Alpen.

Die Tourengeher legten ihre Aufstiegsspur zunächst sicherheitsbewusst an einem breiten, mäßig steilen Rücken an und mieden so zunächst die nach Norden orientierten Steilhänge unterhalb der Torspitze und des Tamlspitze. Oberhalb von rund 2500 m folgte der Aufstieg dann einer Mulde, in der das Gelände stufenförmig zunehmend steiler wird. Orographisch links flankieren deutlich steilere Hangpartien die Mulde, rechts begrenzt extrem steiles, felsdurchsetztes Gelände das Terrain.

Nach Erkenntnissen der Alpinpolizei wurden die beiden Skitourengeher auf etwa 2450 m von der Lawine erfasst. Das Schneebrett löste sich oberhalb von ihnen, unmittelbar unterhalb des Gipfels der Torspitze auf rund 2600 m. Beide wurden mitgerissen und in einer nahe gelegenen Geländevertiefung vollständig verschüttet, in unmittelbarer Nähe zueinander. Der Unfall ereignete sich den Erhebungen der Alpinpolizei zufolge gegen Samstagmittag.

<p>Die Aufstiegsspur am breiten Rücken im Vordergrund. Dahinter die Unfalllawine in magenta, in violett eine durch die Unfalllawine ausgelöste Sekundärlawine. Der rote Kreis markiert die Verschüttungsstelle, der mutmaßliche Erfassungspunkt liegt wenige Meter darüber</p>

Die Aufstiegsspur am breiten Rücken im Vordergrund. Dahinter die Unfalllawine in magenta, in violett eine durch die Unfalllawine ausgelöste Sekundärlawine. Der rote Kreis markiert die Verschüttungsstelle, der mutmaßliche Erfassungspunkt liegt wenige Meter darüber

© Alpinpolizei

Die Lawine: Große Schneebrettlawine auf Nordosthang

Bei der Unfalllawine handelte es sich um eine große Schneebrettlawine der Größe 3, die sich an einem Nordosthang auf rund 2600 m löste. Der obere Anrissbereich unterhalb des Gipfelaufbaus des Tamlspitze ist mit rund 45 bis 50 Grad extrem steil. Die Auslösung erfolgte jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in deutlich weniger steilem Gelände, etwa 100 bis 150 m vom oberen Anriss entfernt. Im Anrissbereich betrug die Breite der Lawine rund 40 m, der Anriss war im Durchschnitt 80 cm hoch. Die Gesamtlänge der Lawine bis zum untersten Auslaufbereich betrug rund 500 m. Durch den Abgang wurde zudem eine Sekundärlawine ausgelöst.

Schwache Altschneedecke als Ursache

Die Schneedeckenuntersuchungen am 02. März zeigten deutlich: Unfallursächlich war das kantig aufgebaute, schwache Altschneefundament aus dem Frühwinter. Die primäre Schwachschicht bestand aus kantigen Kristallen und Tiefenreif, eingebettet zwischen Schmelzkrusten. Oberhalb dieser Schwachschicht lagerte der Neu- und Triebschnee der letzten Niederschlagsperiode. Im Stabilitätstest konnten Brüche vor allem unterhalb der oberen Schmelzharschkruste erzeugt werden.

Warnung: Altschneeproblem bleibt heimtückisch

Der LWD Tirol warnt ausdrücklich: Das Altschneeproblem bleibt auch weiterhin heimtückisch. Schneebrettlawinen können stellenweise noch immer leicht ausgelöst werden und dabei große Ausmaße annehmen. Besondere Vorsicht gilt auch unterhalb von Steilhängen, da auch dort Gefahr durch spontane Lawinen oder Fernauslösungen besteht.

Ursprüngliche Meldung: Zwei Skitourengeher am Tamlspitz vermisst gemeldet

Am 28. Februar 2026 gegen 20 Uhr wurden ein 44-jähriger und ein 47-jähriger Österreicher bei der Polizei als abgängig gemeldet. Die beiden Männer hatten an diesem Tag eine Skitour auf den Tamlspitze (2608 m) im Gemeindegebiet von Tux/Lanersbach im Zillertal unternommen und waren nicht zurückgekehrt. Umgehend leiteten Suchtrupps der Bergrettung Tux und Mayrhofen eine Suchaktion ein. 

Doch bereits in der Nacht mussten die Retter die Suche vorerst aufgeben: Von 00:45 Uhr bis 06:30 Uhr war jede Aktivität im Gelände wegen der anhaltend sehr gefährlichen Lawinensituation zu riskant. Die Tamlspitz (2608 m) befindet sich östlich der Torspitze (2663 m) nördlich des Nasse Tux Bach Wasserfalles. 

Lawinenlage und Wetter blockieren die Rettung

Am Folgetag sichtete die Besatzung des Polizeihubschraubers mehrere Lawinenabgänge im Bereich des Tamlspitze. Eine vollständige Suche aus der Luft war jedoch witterungsbedingt zunächst nicht möglich. Auch ein Signal eines Lawinenverschüttetengerätes (LVS) konnte nicht empfangen werden. Für Bergretter und Alpinpolizisten war es aufgrund der kombinierten Lawinen- und Wetterlage zu gefährlich, das Suchgebiet zu Fuß zu betreten. Bei zwischenzeitlichen Wetterbesserungen wurden abermals Suchflüge unternommen, zunächst ohne Erfolg.

LVS-Signal aus der Luft orten: Entscheidender Durchbruch

Am Mittag unternahm der Polizeihubschrauber einen weiteren Versuch, die Lawinenkegel per LVS-Gerät aus der Luft abzusuchen. Um 12:30 Uhr gelang der entscheidende Durchbruch: Ein Signal konnte nördlich des Gipfels geortet und lokalisiert werden. Daraufhin wurden Bergretter und Alpinpolizisten an die betreffende Stelle gebracht und die weitere Suche vom Boden aus fortgesetzt.

Gegen 13 Uhr wurde die erste Person ausgemacht und freigelegt. Kurz darauf empfingen die Retter in unmittelbarer Nähe ein weiteres LVS-Signal – auch die zweite Person konnte lokalisiert und ausgegraben werden. Die vor Ort anwesende Notärztin konnte bei beiden Männern jedoch nur noch den Tod feststellen. Im Einsatz standen die Bergrettung Mayrhofen und Tux, ein Notarzthubschrauber sowie der Polizeihubschrauber.

Lawinengefahr im Zillertal: Was Tourengeher wissen müssen

Der Unfall ereignete sich vor dem Hintergrund einer angespannten Lawinensituation im Tiroler Hochgebirge. Laut Lawinenwarndienst Tirol herrschte zum Unfallzeitpunkt Gefahrstufe 3. Schwacher Altschnee (ab 1800 m) und Nassschnee (unter 2400m) stellten am Samstag die Hauptgefahr dar. Tourengeher sind in solchen Verhältnissen dringend angehalten, die tagesaktuellen Lawinenlageberichte zu konsultieren und Touren gegebenenfalls zu verschieben oder erheblich anzupassen.

LVS-Suche: So geht's richtig
Die Lawinenverschüttetensuche in Bildern
LVS-Suche: So geht's richtig

Bei der Suche nach einem Lawinenverschütteten zählt jede Sekunde. Wir zeigen euch die LVS-Suche in 5 Schritten und was ihr von der Signal- über die Grob bis zur Feinsuche beachten müsst. Unsere Galerie ersetzt dabei aber keinen LVS-Kurs und auch nicht das praktische Üben. Denn nur, wenn ihr die Suche regelmäßig übt, wisst ihr im Notfall auch schnell, was zu tun ist!

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Text von Robert Scheitzeneder