Riss im Berg wird täglich größer

Evakuierung droht: Riesiger Erdspalt wächst über Schweizer Dorf

Im Schweizer Kanton Wallis beobachten Geologen derzeit eine auffällige Veränderung an einem Berghang oberhalb des Dorfes Chippis. Dort hat sich ein Riss im Erdreich gebildet, der täglich etwas größer wird. Behörden bereiten sich vorsorglich auf mögliche Folgen eines Hangrutsches vor.

Abgesperrtes Areal: Deutlich sichtbarer Erdspalt.
© picture alliance / keystone / Laura Juliano

Spalt wächst täglich weiter

Die betroffene Zone liegt in der Ferienregion Val d'Anniviers unweit von Sierre (deutsch: Siders). Die Bruchlinie im Boden wurde bereits im Herbst entdeckt. Inzwischen ist der Riss rund 250 Meter lang und stellenweise zwischen 80 Zentimetern und einem Meter breit.

Messungen zeigen, dass sich der Spalt weiter öffnet – derzeit um etwa zwei bis vier Millimeter pro Tag. Nach Einschätzung von Geologen könnten sich im schlimmsten Fall bis zu 500.000 Kubikmeter Erdmaterial in Bewegung setzen.

Sollte der Hang tatsächlich abrutschen, könnte die abgehende Masse das Flussbett der Navizence blockieren. In einem solchen Fall würde sich Wasser stauen und möglicherweise zu Überschwemmungen im Tal führen.

<p>Grund zur Vorsicht: Deutlich sichtbarer Erdspalt.</p>

Grund zur Vorsicht: Deutlich sichtbarer Erdspalt.

© picture alliance / keystone / Laura Juliano

Die Navizence fließt direkt durch das rund 1.500 Einwohner zählende Dorf Chippis. Die Behörden beobachten die Entwicklung deshalb sehr genau. Der Hang wird täglich vermessen und überwacht. Parallel dazu werden vorsorglich Evakuierungspläne vorbereitet.

Erinnerung an das Unglück von Blatten

Die Situation erinnert an einen Felssturz im Mai 2025: Damals stürzten im Lötschental gewaltige Massen aus Fels, Geröll und Eis ins Tal. Das Dorf Blatten wurde dabei größtenteils verschüttet.

Schätzungen zufolge gingen damals rund neun Millionen Kubikmeter Material ab. Durch den aufgestauten Fluss bildete sich ein See, der später auch die verbliebenen Häuser überflutete. Die Einwohner konnten zuvor rechtzeitig evakuiert werden.

Beobachtung statt Alarm

Im aktuellen Fall betonen die Behörden, dass es sich bislang um eine Beobachtungslage handelt. Der Hang wird kontinuierlich überwacht, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Sollte sich die Bewegung beschleunigen, könnten Schutzmaßnahmen oder eine Evakuierung eingeleitet werden.

<p>Deutlich sichtbarer Erdspalt: Rechts im Bild der Hang</p>

Deutlich sichtbarer Erdspalt: Rechts im Bild der Hang

© picture alliance / keystone / Laura Juliano

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