Smartphone-Navigation führt in Gefahr

Oberstdorf: Wanderer vertraut Handy-App – Bergwacht rettet per Winde

Ein Wanderer geriet beim Aufstieg zur Kemptner Hütte in Absturzgelände, nachdem er offenbar einer Smartphone-App gefolgt war. Weil weder Auf- noch Abstieg möglich waren, rettete ihn die Bergwacht Oberstdorf per Winde.

Oberstdorf: Wanderer vertraut Handy-App – Bergwacht rettet per Winde.
© picture alliance, Fohringer | Bergwacht Oberstdorf

Mann verlässt sich auf eine Navigations-App und gerät in Gefahr

Ein junger Wanderer ist am 10. Mai beim Aufstieg zur Kemptner Hütte im Allgäu einem Post der Bergwacht Oberstdorf zu Folge in eine alpine Notlage geraten. Nach Angaben der Bergwacht hatte sich der Mann offenbar auf eine Navigations-App am Smartphone verlassen und war dadurch in steiles, wegloses Gelände geraten. Ein Weiterkommen war weder nicht möglich.

<p>In weglosem, steilem Gelände geortet: der verstiegene Wanderer vor der Windenrettung.</p>

In weglosem, steilem Gelände geortet: der verstiegene Wanderer vor der Windenrettung.

© Bergwacht Oberstorf

Die Bergwacht alarmierte daraufhin den Rettungshubschrauber Christoph 17. Nach Rücksprache mit dem Einsatzleiter wurde der Wanderer per Windenrettung aus dem Gelände geborgen und unverletzt zur Bergrettungswache Oberstdorf geflogen.

Bei einer Windenrettung schwebt der Rettungshubschrauber über der Einsatzstelle, während ein Luftretter an einer Seilwinde mehrere Meter abgelassen wird. Anschließend wird die betroffene Person gesichert und gemeinsam mit dem Retter wieder zum Hubschrauber hochgezogen.

<p>SYMBOLBILD. Windenrettungen gehören zu den anspruchsvollsten Verfahren der alpinen Luftrettung.</p>

SYMBOLBILD. Windenrettungen gehören zu den anspruchsvollsten Verfahren der alpinen Luftrettung.

© picture alliance / Jan Eifert

Aktuell noch Altschnee und schwierige Orientierung

In den höheren Lagen der Allgäuer Alpen liegen derzeit vielerorts noch Altschneefelder. Besonders nordseitige Hänge, Rinnen und schattige Passagen können noch einige Zeit schneebedeckt bleiben. Dadurch verschwinden Markierungen teilweise vollständig und Schneefelder verdecken den eigentlichen Weg.

Das macht Wegfindung und Orientierung oft überaus anspruchsvoll. Digitale Karten und Navigations-Apps zeigen oft Sommerwege an, unabhängig davon, ob diese aktuell überhaupt sicher begehbar sind. Die Bergwacht weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Navigations-Apps klassische Orientierungsmittel und alpine Erfahrung nicht ersetzen. 

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Kemptner Hütte: Klassiker im Allgäu – aktuell noch geschlossen

Die Kemptner Hütte (1.846 m), in deren Richtung der verstiegene Wanderer untwerwegs war, zählt zu den bekanntesten Hütten in den Allgäuer Alpen. Sie liegt oberhalb des Sperrbachtobels im Bereich des Heilbronner Wegs und ist ein wichtiger Stützpunkt für Wanderer und Bergsteiger auf dem E5-Fernwanderweg sowie für Übergänge Richtung Mädelegabel, Krottenkopf oder Holzgau.

<p>Wichtiger Stützpunkt für Wanderer und Bergsteiger: die Kemptner Hütte.</p>

Wichtiger Stützpunkt für Wanderer und Bergsteiger: die Kemptner Hütte.

© picture alliance / Eibner-Pressefoto

Der klassische Zustieg führt von Oberstdorf beziehungsweise Spielmannsau durch das Trettachtal und weiter über den Sperrbachtobel zur Hütte. Die Tour gilt im Hochsommer technisch als mittelschwere Bergwanderung, verlangt jedoch bereits Kondition: Rund 850 Höhenmeter und etwa vier bis fünf Stunden Gehzeit müssen eingeplant werden. Derzeit ist die Hütte noch geschlossen, Übernachtungen sind gewöhnlich ab etwa Mitte Juni bis Mitte Oktober möglich.

Text von Holger Rupprecht

1 Kommentar

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pat

Ich urteile ja bei diesen Kommentaren nicht über die Personen sondern nur über die Situationen, aber hat der Wanderer hier jemals auf den Berg geschaut? Oder immer nur aufs Handy?
Ich wüsste nicht wo auf dem Bild ein Weg zu finden sein sollte.
Auf jedenfall keiner für einen "normalen Wanderer"