Siebter Anlauf in "Memoriam"

Eiger-Nordwand: Huber, Siegrist und Schild unterbrechen Langzeitprojekt

Seit 2018 verfolgen Thomas Huber und Gefährten die Erschließung von "Memoriam", einer extremen Linie in der Eiger-Nordwand. Nun schildert der Spitzenkletterer emotional den erneuten Rückzug "zwischen Vernunft und Sehnsucht".

Eiger-Nordwand: Huber, Siegrist und Schild unterbrechen Langzeitprojekt
© Thomas Huber / Instagram

Seit inzwischen acht Jahren verfolgt Alpinist Thomas Huber sein Extremprojekt "Memoriam" in der Eiger Nordwand – einer kompromisslosen Linie "auf Messers Schneide", wie er auf Instagram schreibt. Der jüngste Versuch Ende April endete erneut mit einem Rückzug.

Gemeinsam mit den Schweizer Profikletterern Jonas Schild und Stephan Siegrist stieg Huber am 22. April in die Wand ein. Sechs Tage war das Team unterwegs, zunächst schien der Versuch vielversprechend, Bedingungen passabel und Wetter gut. Die Route sieht das Trio als Hommage an verstorbene Weggefährten und Bergsteigerfreunde, darunter Ueli Steck, Hansjörg Auer, David Lama, Dean Potter und Laura Dahlmeier.

Dann der Dämpfer: "Die Verhältnisse waren nicht einfach, aber machbar", schreibt Thomas Huber rückblickend. Dennoch seien im Laufe des ersten Tages zunehmend Zweifel aufgekommen: "Passen die Verhältnisse weiter oben wirklich so, wie wir es uns erhofft haben? Hält das Wetter lange genug?" Es habe keine eindeutigen Warnzeichen gegeben, sondern "viele kleine Fragezeichen".

Besonders eindrücklich beschreibt Huber die Spannung zwischen Ehrgeiz und Vorsicht. "Vielleicht war dieses Fenster genau das einzige Memoriam-Fenster dieser Saison", schreibt er. Gleichzeitig gehöre genau diese Unsicherheit zum Alpinismus: "Bergsteigen ist genau das: Entscheidungen treffen, obwohl man nie alles weiß." Trotz des erneuten Abbruchs nach zwei erfolgreich eröffneten Seillängen wollen die Beteiligten die Route nicht aufgeben.

"Wir können dieser Linie nicht widerstehen", so Huber weiter. Der mittlerweile siebte Versuch seit 2018 verlangte vor allem "viel mentale Ausdauer". Für die Alpinisten war trotz des Rückschlags klar: "Auch wenn es von außen wie ein Scheitern aussieht, ist beim Bergsteigen jeder Schritt zurück am Ende ein Schritt weiter Richtung Gipfel."

Hintergrund zur Route "Memoriam"

Die Idee zu "Memoriam" entstand bereits nach der Wiederholung der legendären Route "Metanoia" von Jeff Lowe durch Thomas Huber und Stephan Siegrist im Jahr 2016. Inspiriert von Lowes kompromisslosem Stil wollten die Alpinisten eine eigene, extrem direkte Linie durch die zentrale Eiger Nordwand eröffnen – als Denkmal für verstorbene Weggefährten und für eine saubere Form des Alpinismus.

Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von schwierigen Bedingungen, Steinschlag, Wetterumschwüngen und Rückschlägen ausgebremst. Mehrfach mussten die Beteiligten kurz vor entscheidenden Passagen umdrehen. Bereits 2025 sprach Thomas Huber davon, dass sich durch den Klimawandel die klassischen Zeitfenster für Begehungen in der Eiger-Nordwand massiv verändert hätten. Gerade im zentralen Wandbereich würden stabile Eis- und Schneeverhältnisse immer seltener. Trotzdem halten die Alpinisten an ihrer Vision fest. "Die Berge laufen nicht davon", schrieb Huber nun erneut – auch wenn sich jede verpasste Chance "genau so anfühlt".

Text von Lubika Brechtel

3 Kommentare

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Fritz Amann

Ich erschließe gut gesicherte, oft wiederholte Plaisirrouten in den Bergen, mache also das genaue Gegenteil von Thomas Huber.
Trotzdem bewundere ich seinen Biss und seinen Ehrgeiz, den er in dieses Projekt legt. Ich wünsche ihm/ihnen Glück, dass das Projekt am Ende ein Erfolg wird.

Holger

Versucht es weiter!
Ich wünsche Euch, dass Ihr IMMER die richtigen/ notwendigen Entscheidungen trefft...gemeinsam!!!

Bernhard

Mag ja sein, dass sich die Wand über die Jahre geändert hat. Was sich auf alle Fälle geändert hat, sind die Spielarten des heutigen Bergsteigens. Diese Art von Hauruck-Alpinismus, um nach dem zigsten Anlauf irgendeine gedachte Linie durchzuziehen, ist mittlerweile nur noch out. Im Falle eines Erfolges eines schönen Tages wird die Route sowieso niemand nachklettern, warum auch. Mit dem Aufwand macht jeder einigermaßen Ambitionierte seine eigenen Projekte bevor er sich im Schneckentempo da irgendwie hochwurschtelt. Und dieses andauernde Schönreden von Misserfolgen als die wahren Erfolge. Manchmal ist es besser den Hut drauf zu hauen, ein Ei drüber zu schlagen und was anderes anzupacken. Alterssturheit oder Egotrip, um nochmals mit der Eiger Nordwand in die Schlagzeilen zu kommen? Keine Ahnung.