Nächtlicher Unfall am Stopselzieher
Ein 19-jJhriger aus dem Kreis Paderborn ist bei einem nächtlichen Aufstieg auf die Zugspitze ums Leben gekommen. Nach Angaben der Tiroler Landespolizeidirektion war er am Donnerstagabend (21. Mai 2025) gemeinsam mit einem gleichaltrigen Freund an der Talstation in Ehrwald aufgebrochen. Ziel der beiden war der Gipfel der Zugspitze.
Der Unfall ereignete sich gegen 3 Uhr in der Nacht im Bereich des Stopselziehers. Bei der Querung eines Schneefeldes rutschte der 19-Jährige aus und stürzte nach Polizeiangaben rund 250 Meter über extrem steiles, felsdurchsetztes Gelände ab. Er erlitt dabei tödliche Verletzungen.
Sein Begleiter setzte umgehend einen Notruf ab. Laut Einsatzbericht der Bergrettung Ehrwald ging die Alarmierung am 22. Mai 2026 um 03.01 Uhr ein.
Bergrettung und Hubschraubereinsatz
Eine Mannschaft der Bergrettung Ehrwald wurde mithilfe des nachtflugtauglichen Rettungshubschraubers "Christoph Murnau" nahe dem Wandfuß abgesetzt. Dort konnte nach Angaben der Bergrettung nur noch der Tod des jungen Mannes festgestellt werden.
Der unverletzte Begleiter befand sich weiterhin im steilen Gelände oberhalb der Unfallstelle. Er wurde per Winde und mit Unterstützung zweier Bergretter aus der Wand gerettet. Der tödlich Verunglückte wurde anschließend mit einem weiteren Hubschrauber geborgen.
Die Bergrettung Ehrwald sprach den Angehörigen ihr Beileid aus und bat in ihrer Mitteilung ausdrücklich um einen respektvollen Umgang mit dem Unfall in sozialen Netzwerken.
Stopselzieher: Der kürzeste Anstieg auf die Zugspitze
Die Zugspitze ist mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Der Anstieg von Ehrwald über den Stopselzieher auf der österreichischen Seite gilt als kürzester und im Vergleich zu anderen Routen als technisch weniger schwieriger Zugang zum Gipfel. Dennoch führt die Route durch hochalpines Gelände und weist je nach Jahreszeit erhebliche objektive Gefahren auf.
Der Stopselzieher umfasst steile Passagen, versichertes Gelände und Querungen, die bei Schnee, Vereisung oder Dunkelheit deutlich anspruchsvoller werden. Aktuell werden die Zugspitzanstiege nur sehr erfahrenen Alpinisten mit entsprechender Winterausrüstung empfohlen.
Nach Angaben der Tiroler Landespolizeidirektion waren die beiden jungen Männer mit Wanderschuhen, Stirnlampen und Grödeln ausgerüstet. Grödel können auf einfachen, vereisten Wegen zusätzlichen Halt bieten, ersetzen im steilen alpinen Gelände jedoch keine vollwertigen Steigeisen. Für harte oder vereiste Schneefelder gehören je nach Verhältnissen zudem Pickel und die Fähigkeit zur sicheren Anwendung der Ausrüstung zu den entscheidenden Voraussetzungen.
Achtung: Schneefelder!
Auch wenn im Tal bereits frühsommerliche Bedingungen herrschen können, bleiben in hochalpinen Lagen häufig harte, vereiste Schneefelder zurück. Besonders in der Nacht und in den frühen Morgenstunden kann die Schneeoberfläche durch Abstrahlung stark gefrieren. Ein Ausrutschen in steilem Gelände lässt sich dann oft kaum noch stoppen, vor allem wenn unterhalb Felsen oder Absturzgelände liegen.
Die Bergrettung Ehrwald wies in ihrem Einsatzbericht ausdrücklich darauf hin, bei der Tourenplanung bestehende Schneefelder zu beachten, die "auch sehr hart und eisig sein können“. Für Touren dieser Art sind neben einer realistischen Einschätzung der Verhältnisse auch alpine Erfahrung, passende Winterausrüstung, sichere Gehtechnik mit Steigeisen und Pickel sowie eine sorgfältige Zeitplanung entscheidend.

