Blaueishütte muss Trinkwasser einfliegen
Die Blaueishütte der DAV-Sektion Berchtesgaden kämpft derzeit mit akuter Wasserknappheit. Wie die Hütte auf ihrer Website und bei Instagram mitteilt, muss Trinkwasser aktuell per Hubschrauber angeliefert werden, um den Küchenbetrieb aufrechterhalten zu können.
Für Übernachtungsgäste hat die Situation bereits spürbare Folgen: Die Waschräume bleiben geschlossen, Trinkwasser wird nur noch in PET-Flaschen gegen Gebühr abgegeben. Die Hüttencrew bittet ihre Gäste um Verständnis und bedankt sich ausdrücklich bei der DAV-Sektion Berchtesgaden für die Unterstützung.
Wasser ist auf Berghütten keine Selbstverständlichkeit
Anders als im Tal sind Berghütten nicht an ein öffentliches Wassernetz angeschlossen. Das Wasser stammt meist aus Quellen, Niederschlägen oder Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern.
Nach Angaben des Deutschen Alpenvereins erschweren schneearme Winter, lange Trockenperioden und der Rückgang von Schneefeldern und Gletschern die Wasserversorgung vieler Hütten zunehmend. Wasser muss deshalb sparsam eingesetzt werden. Geschlossene Duschen, kostenpflichtige Duschmarken oder der Verzicht auf unnötige Spülgänge gehören auf zahlreichen Hütten inzwischen zum Alltag.
"Jeder Liter zählt"
Auch die Naturfreunde Österreich warnen vor einer zunehmenden Wasserknappheit auf Berghütten. Aus mehreren Bundesländern würden Probleme bei der Wasserversorgung gemeldet, die im Extremfall sogar zu vorübergehenden Hüttenschließungen führen könnten.
Um langfristig gegenzusteuern, investieren Alpenvereine und Hüttenbetreiber in neue Wasserversorgungs- und Speichersysteme. Beispiele sind Regenwasserspeicher, moderne Aufbereitungsanlagen oder größere Hochbehälter. Solche Projekte seien jedoch auf erhebliche finanzielle Unterstützung angewiesen.
So können Bergsportler Wasser sparen
Der Deutsche Alpenverein empfiehlt Hüttengästen, möglichst sparsam mit Wasser umzugehen. Schon kleine Maßnahmen können helfen, die begrenzten Wasservorräte zu schonen:
Auf das Duschen verzichten: Nach einer Bergtour reicht meist eine kurze Katzenwäsche mit Waschlappen.
Wasser beim Einseifen abdrehen: Das gilt auch beim Händewaschen und Zähneputzen.
Trinkgläser mehrfach verwenden: Getränke möglichst im gleichen Glas nachfüllen lassen.
Wechselkleidung für die Hütte mitnehmen: Frische Kleidung ersetzt häufig das Waschen.
Merinobekleidung nutzen: Sie bleibt länger geruchsneutral und muss seltener gewaschen werden.
Wasser bewusst verwenden: Jeder Liter, der eingespart wird, entlastet die Wasserversorgung der Hütte.
Blaueishütte als Ausgangspunkt für alpine Touren
Die Blaueishütte liegt auf 1.680 m unterhalb des Blaueisgletschers im Hochkaltermassiv in den Berchtesgadener Alpen. Sie ist ein beliebter Stützpunkt für Bergsteiger, die Touren im Gebiet rund um den Hochkalter unternehmen möchten.
Von der Blaueishütte starten unter anderem Touren auf den Hochkalter (2607 m) sowie anspruchsvolle alpine Routen im Blaueisgebiet. Besonders bekannt ist die Überschreitung des Hochkalters über den Schönen Fleck und das Blaueis, die alpine Erfahrung, Trittsicherheit und je nach Verhältnissen auch Gletscherkenntnisse erfordert.


11 Kommentare
Kommentar schreibenIch sehe es wie Peter. Auf noch jeder AV Hütte in diversen Alpenländern habe ich die überall angebrachten Hinweise gesehen, dass die Gäste doch bitte sehr sparsam mit dem knappen Gut Wasser umgehen sollen. Die Ignoranz von manchen wundert mich gar nicht. Trockentoiletten wie beim SAC schon länger üblich, wären eine große Hilfe. Also es gibt stabile Lösungen für das hausgemachte Problem. Aber offensichtlich mag der DAV das Jammern.
Die Blaueishütte hätte kein Wasserproblem, wenn man nicht jeden Tag zig Kubikmeter durch die Spültoiletten gejagt hätte. Die Hütte selbst ist schon nicht klein, dazu kommen hunderte Tagesgäste. Jeder kann sich mal überschlagen, wie viel Wasser man nur für die Spülung braucht. Aber das ist typisch Ostalpen...in den Westalpen sind Trockentoiletten schon längst Standard
Danke @Ulrich für Ihren Beitrag (ich dachte schon, ich bin der Einzige, der länger schreibt...), dem ich in beinahe allem zustimme; nur eine Sache - der Kommentator "DAV-Mitglied", dem sie zugeneigt sind, widerspricht Ihnen, da er vorschlägt die Hütten zu schließen, was ich ablehne, da dies gerade aus den Gründen geschehen soll, die Sie (und auch ich) nicht gutheißen. Auf jeden Fall sind wir schon zwei "Ewiggestrige" in der Sache.
@Thomas, gut, daß mit dem Bolzen gehört nicht zum Thema, aber ich erwähnte auch den DAV, der anstelle die Hütten zu unterstützen sein Geld für wirklich wenig klimafreundliche Aktionen verpulvert, gegen denen ein Flug mit einem Hubschrauber unter CO2-Peanuts fällt. Trotzdem finde ich es hart, daß gerade wir Menschen, die ein wenig über die Probleme nachdenken und es besser machen wollen, uns zu den letzten Märtyrern in der Sache stilisieren, während bspw. beim Bau und dem Starten eines Leopards II. mehr Abgase rausgehauen werden, als bei der ganzjährigen Versorgung einer Hütte mit Wasser, weitere derartige Beispiele sind Legion - und gerade mit den schlimmsten Quellen der CO2-Erhöhung wird nichts gemacht. Bruno
Nehmen wir doch als Beispiel die (fiktive) Niederkaltenkirchener Hütte, irgendwo tief in den Alpen, sagen wir auf rund 2.400 Meter Höhe. Bis etwa Anfang oder Mitte der 90er Jahre war die Hütte eine Schutzhütte mit einfachstem Angebot: Ein paar Schlafplätze, ein Plumpsklo, eine Kochstelle, eine kleine Ecke zum Sitzen und Dösen. Die Hütte war gerichtet an Bergsteiger und Wanderer, die entweder mehrere Tage unterwegs waren, oder die sich verschätzt hatten und eine spontane Übernachtung benötigten. Auf jeden Fall war die Zielgruppe klar definiert: Menschen, die in die Berge gehen um Natur zu erleben. Die sich in der Natur bewegen, und die kein Problem damit haben, sich ihre Verpflegung selber mitzubringen, und für ein oder zwei Nächte einfachste Bedingungen zu akzeptieren, weil die Übernachtung auf der Hütte schließlich nicht dasjenige war, weswegen sie in den Bergen unterwegs waren.
Irgendwann kam dann die Zeit, wo alle Hütten modernisiert wurden. Auch die Niederkaltenkirchener Hütte wurde aufgehübscht. Sie bekam schicke Schlafräume, Gemeinschaftsduschen mit fließend lauwarmen Wasser, und ein ordentliches Klo innerhalb der Hütte. Es wurde eine Küche eingerichtet und einfache Mahlzeiten wurden angeboten. Nochmal 10 Jahre später, in ihrer Ursprünglichkeit war die Hütte mittlerweile ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler geworden, wurden zusätzliche Schlafmöglichkeiten angebaut, ein WLAN-Zugang musste her, die Duschen benötigten heißes Wasser, die Zimmer hatten eigene Waschbecken, und die Speisekarte bekam den Umfang einer durchschnittlichen Karte in einem städtischen Restaurant, inklusive vegetarischer und veganer Auswahl, glutenfreier Angebote und natürlich eines Frühstücksbuffets. Dass die Hütte etwa seit diesem Zeitpunkt mehr Kosten verursachte als sie Geld einbrachte, das nahm die Sektion Niederkaltenkirchen gerne in Kauf, schließlich bot man ja eine beliebte Hütte an, die, in der Nähe eines mittlerweile errichteten Fernwanderweges gelegen, auch ein wichtiger Stützpunkt für die mittlerweile extrem beliebte Alpenüberquerung geworden war.
Nochmal 10 Jahre darauf mussten Stromerzeugung und Abwasserbeseitigung von Grund auf überarbeitet werden, und die Toiletten mussten hochmodernen Standards genügen, damit die Gewerbeaufsicht keine Probleme macht. Was die Sektion an den Rande des Ruins brachte. Ein paar Sektionsmitglieder meckerten zwar über die gestiegenen Vereinsbeiträge, und ein paar Ewiggestrige beanstandeten, dass die Hütte ja nun keine Schutzhütte mehr sei, sondern eher ein Hotel, aber hey, wir haben doch so eine tolle Hütte, auf die wir alle stolz sein können! Dass Verpflegung und Baumaterial per Hubschrauber gebracht werden müssen? Dass die Massen von Tagestouristen die Umgebung der Hütte rücksichtslos vermüllen bei dem Versuch, zwanzigmal das gleiche Foto mit sich selbst im Mittelpunkt zu machen? Dass Technik und Betrieb immer komplexer, und damit auch kostspieliger, werden? Wen stört es, außer besagten Ewiggestrigen, die sich nach Natur und Ruhe sehnen …
Vielleicht ist der Gedanke von "DAV-Mitglied" gar nicht so verkehrt. Vielleicht wäre es längst an der Zeit, die Auswüchse der Zivilisation wieder zurückzufahren. Aus einstmaligen Hütten, die schon lange zu Hotels mutiert sind, wieder Selbstversorgerhütten zu machen. Ohne Duschen, ohne WLAN, ohne Frühstücksbuffet. Mit einem solarbetriebenen Generator für eine minimale Stromversorgung, mit Schlafmöglichkeiten, und mit Plumpsklo. Und wer warmes Wasser will, der muss sich einen Campingkocher mitbringen. Weniger Kosten, weniger Aufwand, weniger Bohei um etwas, was es überhaupt nicht braucht. Die Entwicklung, die die einstigen Schutzhütten genommen haben, passierte jedenfalls mehr oder weniger parallel zum Umgestalten der Bergnatur zum Event mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen, und wenn man diesen Trend weiterdenkt, dann wird auch irgendwann die einst so gemütliche Niederkaltenkirchener Hütte die Ausmaße der Dresdner Hütte haben, mitsamt Rummel und organisierter Bergfröhlichkeit. du wer zur Hölle will das, außer den vermaledeiten Touristikverbänden?
Eine Rückbesinnung auf einfachere und ursprünglichere Angebote wäre meines Erachtens dringend nötig. Aber ich befürchte, dass ich auch nur so ein Ewiggestriger bin, der in die Berge geht weil er Natur sucht, und nicht Pauschalurlaub und Remmidemmi ...
Woanders regt sich der DAV über den Bau von Forststrassen zu Almen auf und hier wird das Wasser mit Hubschraubern transportiert!?
tja, Bruno, wo fängt man an und wo hört man auf. Hier geht es halt um die Versorgung der Hütten, da schreib ich nix zu anderen Themen, auch wenn mich das richtig nervt, was schon bei der WM in diesem Jahr abging. Und was geplant ist an irrsinigen Events lässt mich schaudern.
Ähnlich ist es mit teuren und aufwändigen Neubauten von Hütten (kann man sie noch Hütten nennen?), nachdem die vorhandene aufgrund von zerbröselnden Untergrund (Permafrost) nicht mehr sicher ist. Auch wieder mit irre vielen Hubschrauberflügen. Da gehen die Meinungen innerhalb der betreibenden Sektionen auch oft auseinander, ob man bauen soll oder nicht.
Besser wäre es, keine neuen Hütten zu bauen, die dann wieder ein Problem mit der Versorgung haben. Dass die Leute ihr Wasser selbst mitbringen, wird bei heutigen Anspruchshaltung nicht funktionieren.
Eine einfache Lösung gibt es wie in vielen anderen Bereichen halt nicht, leider...
Ich dachte auch wie Daniel zuerst, "ja, warum nicht die Materialseilbahn?". Aber vermutlich benötigt die Küche größere Wasserbehälter, die nicht mit dieser transportiert werden können und das Auffüllen der dortigen Behälter aus kleineren dürfte zu aufwendig sein. Natürlich würde das Problem eine Wasserleitung lösen, aber wie im Artikel steht, kostet das schon etwas und der DAV hat sich doch gerade anderen (finanziellen) Schwerpunkten wie die wichtigen Teilnahmen an olympischen Spielchen verschrieben.
Aber richtig @DAV-Mitglied, dann doch lieber die Hütten für uns Berggänger schließen, besser für den DAV ist ganz klar, weiterhin Massenveranstaltungen zu organisieren, wo viele Sportler um die Welt gekarrt werden, um von Tausenden bejubelt zu werden, die an den entsprechenden Orten (mit dem Auto) zusammenkommen. In Saudi-Arabien stehen schon derartige Wintersportzentren (vermutlich nicht ganz klimaneutral klimatisiert) zur Verfügung, angeblich werden die sich auch bald bei weiterer Popularisierung um diesen Wettkampf bewerben - was natürlich dem DAV mehr Kohle bringt als von uns, nun obdachlosen Herumirrenden in den Bergen. In diesem Sinne neige ich mich eher der Meinung von Thomas zu, wobei es wirklich etwas ungerecht ist, den Hütten die paar Helikopterflüge nicht zu gönnen, aber an anderer Stelle keine Kritik zu äußern - siehe Blunz-WM mit 200 Mannschaften in 5 Kontinenten etc. etc. - die im Gegenteil mit Begeisterung angestarrt wird - wobei auch in diesem Fall der andere Sportverein, der DfB, auf Klimaschutz eher sch... oder wie sagt man das höflich?
Also alles in allem, wir schützen und retten das Klima damit, daß wir die Berghütten schließen! Weiter so, Bruno
Wer auf eine Hütte geht, sollte auch in der Lage sein, ausreichend Trinkwasser mitzunehmen. Wenn jemand glaubt, dass es notwendigerweise auch eine Dusche dort braucht, der sollte sich ernsthaft überlegen, ob das die 'passende Umgebung' für Ihn/Sie ist.
Im Zuge der dramatischen Klimaveränderungen werden wir alle sehr schnell umdenken müssen. Luxus dort zu fordern, wo jahrhundertelang gar keiner vorhanden war, zeugt von völliger Ignoranz und Unverständnis wirklicher, hochalpiner Bedürfnisse.
Ansonsten schließe ich mich spontan der ersten Meinung an. Mit dem Hubschrauber das Wasser einzufliegen geht überhaupt nicht. 'Dann muß die Hütte eben zubleiben!'
Das ist absurd und entspricht nicht den "Klimazielen" des DAV. Dann muss die Hütte eben zu bleiben !
Anstelle die Hütte zu schließen, wird durch den Transport des Trinkwassers mit einem Helikopter noch mehr CO2 in die Luft geblasen. Allerdings wären Hüttenschließungen noch das geringste Problem im Gegensatz zu dem was noch kommt hinsichtlich des zunehmenden Wassermangels...