Kompromiss erzielt

Allgäu: Naturschützer und Betreiber einigen sich im Streit um Sessellift

Der Neubau der Scheidtobelbahn hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Nun haben sich Naturschützer und Betreiber auf einen Kompromiss geeinigt.

Allgäu: Naturschützer und Betreiber einigen sich im Streit um Sessellift
© picture alliance / imageBROKER

Streit um Sessellift im Allgäu: Was die Naturschützer letztlich überzeugte

Naturschützer und Betreiber haben sich im Streit um den Bau eines neuen Sessellifts im Allgäu geeinigt. Die Oberstdorf Kleinwalsertal (OK) Bergbahnen verpflichten sich durch den Vergleich zu weiteren Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten im betroffenen Gebiet, teilten die OK Bergbahnen und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern mit. Dafür kann die Scheidtobelbahn am Fellhorn bei Oberstdorf noch in der laufenden Saison gebaut werden. Sie soll schon im kommenden Winter in Betrieb gehen.

Zuvor hatten die Naturschützer vor Gericht einen Teilsieg im Streit um die Seilbahn errungen: Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte in einem Eilverfahren den Neubau gestoppt. Der Liftbetreiber kündigte daraufhin an, zügig eine von den Naturschützern eingeforderte Umweltprüfung des Projekts nachholen zu wollen. Die Entscheidung in der Hauptsache stand aber noch aus. Mit dem Vergleich nehmen die Naturschützer ihre Klagen zurück.

<p>Die&nbsp;Bergstation&nbsp;der&nbsp;Fellhornbahn.</p>

Die Bergstation der Fellhornbahn.

© picture alliance / imageBROKER

"Die Einigung bedeutet nicht, dass der LBV nachträglich sämtlichen Eingriffen zustimmt", sagte Geschäftsführer Helmut Beran. "Unsere grundsätzlichen fachlichen Bedenken sind berechtigt." Aber der Vergleich bringe mehr Schutz für Tiere wie Birkhuhn, Alpenmosaikjungfer, Zitronenzeisig und Waldbirkenmaus. Unter anderem sieht der Vergleich demnach vor, dass als Rückzugsraum für das bedrohte Birkhuhn rund 2,4 Hektar Fläche für Wintersportler gesperrt werden. Für die Alpenmosaikjungfer, eine bedrohte Libellenart, soll ein Fünf-Jahresplan zum Schutz in dem Areal erarbeitet werden. Der Liftbetreiber soll zudem unter anderem Wasserstellen schaffen, um seltenen alpinen Arten zu helfen.

Der Geschäftsführer der OK Bergbahnen, Andreas Gapp, sagte, die Einigung bedeute für den Liftbetreiber zwar zusätzliche Kosten. "Andererseits beenden wir einen Streit, der den Abschluss der Bauarbeiten zumindest für diese Saison verhindert hätte", sagte Gapp. "In Summe ist mit dieser Lösung der Region und dem Naturschutz gedient."

Zum Hintergrund des Rechtstreits

Die Scheidtobelbahn hatte schon vor dem Gerichtsstreit über die Region hinaus für Diskussionen gesorgt. Hintergrund ist, dass der Sessellift das erste Projekt ist, das nach dem umstrittenen dritten bayerischen Modernisierungsgesetz genehmigt wurde. Mit dem neuen Gesetz möchte die Staatsregierung Bürokratie abbauen. Dadurch sind aber bei gewissen Bauvorhaben keine Umweltverträglichkeitsprüfungen mehr vorgesehen. Entsprechend hatte das Landratsamt Oberallgäu bei dem Projekt auf die Prüfung verzichtet.

LBV-Geschäftsführer Beran betonte, auf dem Weg zu einem Vergleich seien für die Naturschützer konkrete Vorgaben wichtig gewesen: "Es gibt konkrete Flächen, ein belastbares Monitoring und eine Arbeitsgruppe, in der wir die Umsetzung ebenfalls kontinuierlich fachlich begleiten."

Die Gespräche beider Seiten hatte der Oberallgäuer Landrat Christian Wilhelm begleitet. Es sei wichtig gewesen, "einen Weg zu finden, der dem Naturschutz nützt und gleichzeitig Planungssicherheit für ein Vorhaben schafft, an dem Hunderte Arbeitsplätze in der Region hängen", sagte der Freie-Wähler-Politiker. "Dass diese Einigung ohne Instanzenzug gelungen ist, ist ein gutes Signal für den Umgang miteinander im Oberallgäu - weit über dieses Verfahren hinaus."

10 Gondelfakten für Schlauberger
Alles rund um Bergbahnen
10 Gondelfakten für Schlauberger

Klickt Euch durch die Slideshow mit Wissenswertem rund um das Thema Bergbahnen.

zur Galerie

3 Kommentare

Kommentar schreiben
Bruno

Ach Austria, Arbeitsplätze... Haben Sie das nicht oben gelesen: "Mit dem neuen Gesetz möchte die Staatsregierung Bürokratie abbauen." Das heißt, die Sesselhocker rauszuwerfen, während auf der anderen Seite die Staatsregierung mit dem Schlagwort "Arbeitsplätze" haushält. Für die Bergwelt wäre es sowieso besser, die Leute in ihren angewärmten Sesseln zu belassen und im Gegenzug keine Seilbahnen zu bauen.
Mit Ihrem Argument (Arbeitsplätze) könnte man dagegenhalten, auf jeden zweiten Hügel eine Seilbahn zu bauen, mehr Straßen durch die Alpen zu pflastern usw. usf.
Ich selbst würde lieber Birkhühner bei einem Spaziergang mit 700 Hm sehen als verbaute Landschaft und Biervergnügen, die auch im Tal möglich sind. Bruno

Kickl-Fan

Immer besser wenn man miteinander redet, so gelingen gute Kompromisse. Aber vermutlich wurde hier ein bisschen das Portemonnaie geöffnet, damit die Naturschützer Ruhe geben.

Sagt dann ja auch einiges aus.

Austria

Überall geht's um die Tiere, alles recht und gut, man muss darauf achten aber egal was gebaut wird immer dasselbe Thema Tiere,Tiere aber das es Arbeitsplätze gibt denke ich mir ist heutzutage wichtiger.