Heli bringt Trinkwasser
Die Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) in den Alpen sind massiv von Wasserknappheit betroffen. "Wir haben auf fast allen Hütten derzeit Mangellagen, da werden die unterschiedlichsten Maßnahmen ergriffen", sagte Sprecher Julian Rohn. "Das ist schon eine neue Dimension." Um den Küchenbetrieb aufrechterhalten zu können, wird etwa das Trinkwasser auf der Blaueishütte bei Berchtesgaden derzeit per Hubschrauber geliefert.
"Wir müssen leider unsere Waschräume geschlossen halten und können Trinkwasser nur in PET-Flaschen gegen Gebühr abgeben", teilten die Hüttenbetreiber auf Facebook mit. "Bitte habt Verständnis für unsere Situation!" Auch andere Berghütten in dem Gebiet sind von extremem Wassermangel betroffen. "Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben", schilderte die Vorsitzende der Sektion Berchtesgaden, Gabi Schieder-Moderegger, der Deutschen Presse-Agentur.
"Das ist heuer das erste Mal der Fall." Sie habe sich zwar darauf eingestellt und einen Notfallplan erarbeitet, weil schon im Frühjahr statt reißender Bäche nur Rinnsale die Hänge hinabgeflossen seien. "Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet."
Drastische Entwicklung
"Das ist leider bittere Realität, dass das Wasser ausgeht", ordnete DAV-Sprecher Rohn die Lage auch in anderen Regionen der Alpen ein. "Das ist schon drastisch, zumal es noch relativ früh in der Saison ist." Die Folge: "Es sind Wassersparmaßnahmen erforderlich. Sprich, die Waschräume sind nicht mehr zugänglich, die wasserintensiven Spültoiletten müssen durch Trockentoiletten ersetzt werden."
Auch in der Vergangenheit hatte Wasserknappheit den Hüttenwirten schon zu schaffen gemacht. Die Neue Prager Hütte in den Hohen Tauern zum Beispiel musste schon zwei Mal im August vorzeitig schließen. Die Lage ist nicht jedes Jahr gleich, doch nach zwei schneearmen Wintern und einer langen Trockenperiode ohne Niederschläge ist sie heuer verschärft. "Im Moment betrifft es flächendeckend alle", schilderte Rohn. "Das ist natürlich immer auch ein bisschen vom lokalen Wetter abhängig."
Klimawandel lässt Wasserversorgung durch Gletscher versiegen
Die Sektionen des Deutschen Alpenvereins unterhalten rund 320 Hütten, gut zwei Drittel davon in den Deutschen und Österreichischen Alpen. Sie werden zumeist durch oberflächennahe Wasservorräte aus Niederschlägen oder dem Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern versorgt. Durch den Klimawandel steht aber Jahr für Jahr weniger Wasser zur Verfügung.
Vor allem die hochalpinen Hütten leiden unter diesen Veränderungen. Ist ein wichtiges Wasservorkommen versiegt, zieht das oftmals den kompletten Umbau der Hütte nach sich. Eine der Gegenmaßnahmen ist der Einbau von Trockentoiletten. Auch Duschen nur gegen Gebühr oder der bewusste Verzicht auf Untertassen oder kleine Schälchen für die Marmelade beim Frühstück hilft, indem unnötige Spülgänge vermieden werden.
Das Watzmannhaus teilte just mit, dass der Waschraum morgens und abends nur noch für jeweils zwei Stunden geöffnet werde. Und an den Toiletten stehen fortan Desinfektionsmittel, während die Wasserhähne abgedreht sind:
„Bekommen jetzt die Rechnung präsentiert”
„Es ist wichtig, die eigentliche Ursache der aktuellen Wasserknappheit klar zu benennen: die Klimakrise. Seit Jahrzehnten weisen wir darauf hin, dass sie den alpinen Raum überproportional stark trifft. Die aktuelle Situation ist daher keine Überraschung, sondern wir bekommen jetzt die Rechnung für eine Entwicklung präsentiert, die lange absehbar war“, betont Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein. „Die technischen und finanziellen Möglichkeiten zur weiteren Erschließung von Wasserressourcen auf vielen Hütten sind weitgehend ausgeschöpft. Künftig wird das bedeuten, dass wir manche Hütten noch einfacher betreiben müssen.“
Wasser "einfach" per Hubschrauber? Die Minuten Flug kosten 31 Euro
In den Berchtesgadener Alpen hat die Sektion die Klo- und Waschräume abgesperrt und unter anderem mobile "Baustellen-Toiletten" auf den Berg geflogen. Sie werden ohne die übliche Flüssigkeit betrieben, so dass die Fäkalien in die hauseigene Kläranlage gepumpt werden können. Als Trinkwasser dient mit UV-Anlagen aufbereitetes Regenwasser, das etwa bei Gewittern vom Dach gesammelt wird.
Die Hüttengäste tragen es meist mit Fassung. "Die meisten sind wirklich verständnisvoll", schilderte Schieder-Moderegger. "Aber dann gibt es immer noch die, die sich aufregen, warum es keine Dusche gibt oder dass sie für das Trinkwasser was zahlen müssen." Vier Euro werden für den Liter fällig. "Die Wirte müssen das mit dem Heli hochfliegen", betont die Sektionsvorsitzende. "31 Euro kostet das die Minute, der Anflug 600 Euro – irgendwo müssen sie das wieder hereinholen." Schließlich gebe es nur eine Alternative: "Zusperren."


7 Kommentare
Kommentar schreibenNicht nur die SAC Hütten sind vielfach mit Trockentoiletten ausgestattet, in Italien bieten das auch sehr viele CAI Hütten seit Jahren an.
@Kickl-Fan, da haben Sie in allem Recht, aber es ist auch so, daß für mein Fahrrad Eisenerze abgebaut werden muß, auch evtl. Kunststoffteile industriell angefertigt werden müssen, auch die Kette verlangt etwas Schmierung. Alles nicht so einfach, aber was mich stört, auf das geringfügigste Problem in der Sache einzuschlagen ist am billigsten.
@Guido - vollkommen richtig, sehe ich auch so!! Aber auch hierbei bleibt das Problem, daß man das Wenige auf irgendeine Art und Weise auf die Hütte bringen muß. Z.B. fand ich in der Dom-Hütte eine Beschreibung vor, warum die Sachen so teuer sind, wofür ich Verständnis habe.
Aber mich interessiert in diesem Zusammenhang eine andere Antwort auf eine Frage - und da wäre prima, wenn ggf. ein Hüttenwirt oder Mitarbeiter konkret etwas weiß und antworten würde - die wollen ja auch nicht unentgeltlich arbeiten; bekommen die irgendwelche Zuschüsse von den jeweiligen AV-Vereinen? Oder müssen sie Ihren Verdienst aus der Bewirtung generieren? Und wie ist das bei Hüttenwirten von Hütten, die oftmals nur wenige Monate offen haben? Was machen die eigentlich? Gut, das hat nicht direkt mit der Sache etwas zu tun, aber neugierig auf eine Antwort bin ich schon. Oder könnt ihr von Alpin darüber berichten? Bruno
Also ich bin der Meinung, man sollte den ganzen Service auf den Hütten wieder etwas zurück fahren, ein Teller mit Brot und etwas Belag das reicht doch. Auf manchen Hütten gibt es mehr als in der Eckkneipe. Wenn ich eine Hochtour mache und auf einer Hütte übernachten muss, würde mir eine Schlafmöglichkeiten, eine Toilette und etwas einfaches zur Verpflegung reichen. Wenn ich mich mal 2 Tage nicht duschen kann ist es halt so. Zähneputzen geht auch ohne Wasser.
Lieber Bruno, das mit den E Bike sehe ich ganz ähnlich, Die Antworten auf Fragen wie der Akku hergestellt bzw. wie dieser hochgiftige Sondermüll umweltverträglich entsorgt wird steht noch offen. Jedes Motorrad ist umweltfreundlicher als diese hochgiftigen Lithium Aggregate. Die zudem von Kinderhand geschürft werden.
Geehrte Vorredner, dann doch gleich das Berggehen verbieten! Der unökologische Rettungseinsatz mit dem Hubschrauber entfällt dann auch. Und dann das Autofahren verbieten, abgesehen von den Abgasen, werden dann auch die Hubschrauberrettungen überflüssig. Und dann die auch vom DAV unterstützten Massenveranstaltungen verbieten, erzeugt auch mehr C02 als die Hüttenversorgung; ganz zu schweigen von Fußball-WM´s. Aber das stört nicht, wir Bergsteiger sind wohl die schlimmsten Umweltsch... So wird es sein.
Ansonsten fahre ich alles mit dem (nicht-E-)Bike ab, ich hoffe, Sie sind bei ihrem Aufschrei auch halbwegs so ökologisch unterwegs.
Also nicht Schließen, sondern endlich die Berghütten auf das Wesentliche reduzieren, wozu sie gedacht waren; was dann wirklich den Kommerz ein wenig einschränkt. Bruno
wenn schon Wasser auf die Hütten geflogen wird, scheint ja Kommerz vor Umweltschutz zu stehen!
Wasser per Hubschrauber zu transportieren ist nicht gerade umweltfreundlich. Besser man schließt die Hütten.