Gefährliche Passage kann jetzt umgangen werden

Ortler-Normalweg: Neue Route entschärft Bärenloch

Bergsteiger können am Ortler ab sofort eine neue Anstiegsvariante nutzen. Die von Bergrettung und Bergführern aus Sulden angelegte Route umgeht den Abschnitt am Bärenloch und soll eine günstigere Linienführung ermöglichen.

Ortler-Normalweg: Neue Route entschärft Bärenloch
© Payerhütte

Ortler-Normalweg: Neue Route entschärft Bärenloch

Am Normalweg auf den 3905 Meter hohen Ortler gibt es laut Post der Payerhütte eine neue Linienführung. Bergrettung und Bergführer aus Sulden haben am Freitag (14. August 2026) die Arbeiten an einer Anstiegsvariante abgeschlossen, mit der der bisherige Abschnitt im Bereich des Bärenlochs umgangen werden kann. Die neue Route ist ab sofort begehbar.

Der Anstieg trägt den Namen "Olaf Reinstadler-Variante". Damit erinnern die Beteiligten an den Südtiroler Bergführer und Bergretter Olaf Reinstadler, von dem die Idee für die neue Linienführung stammte und der deren Umsetzung maßgeblich vorangetrieben hatte. Mit der Neuanlage reagieren die Verantwortlichen auf die Bedingungen im Bereich des Bärenlochs. Der Abschnitt gehört zum hochalpinen Normalweg von Sulden auf den Ortler und verändert sich – wie derzeit viele Passagen bei Hochtouren – rasant durch den Klimawandel.

Die neue Linienführung bietet Bergsteigern nun eine alternative Möglichkeit, diesen gefährlichen Bereich zu umgehen. Nach aktuellen Angaben herrschen sowohl auf dem Ortler-Normalweg als auch am Hintergrat gute Bedingungen. Dennoch bleibt die Besteigung des höchsten Berges Südtirols eine anspruchsvolle Hochtour, die entsprechende Erfahrung, Ausrüstung und eine aktuelle Beurteilung der Verhältnisse voraussetzt.

<p>Die neue Variante umgeht den gefährlichen Bereich.</p>

Die neue Variante umgeht den gefährlichen Bereich.

© Payerhütte

Der Normalweg auf den Ortler

Der klassische Normalweg auf den Ortler (3905 m) beginnt in Sulden und führt zunächst zur Payerhütte auf 3029 Metern. Von dort geht es über die Nordseite des Berges durch kombiniertes Gelände aus Fels, Schnee und Eis zum Gipfel. Zu den markanten Passagen gehören unter anderem das Wandl, das Bärenloch sowie der spaltenreiche Gletscher. 

Der Normalweg darf trotz dieser Bezeichnung nicht unterschätzt werden: Er verlangt sicheres Bewegen in hochalpinem Fels- und Gletschergelände, den Umgang mit Steigeisen, Pickel und Seil sowie eine gute Einschätzung von Wetter und aktuellen Verhältnissen. Spalten, Blankeis, Stein- und Eisschlag können die Schwierigkeiten erheblich erhöhen.

<p>Wird immer gefährlicher: Das Bärenloch. (Kein aktuelles Foto)</p>

Wird immer gefährlicher: Das Bärenloch. (Kein aktuelles Foto)

© Stefan Herbke

Wer war Olaf Reinstadler?

Olaf Reinstadler war Bergführer und langjähriger Ortsstellenleiter der Bergrettung Sulden. Der erfahrene Südtiroler Alpinist kannte den Ortler und seine Routen hervorragend. Er verstarb erst vor wenigen Wochen nach kurzer Krankheit. Reinstadler hatte etwa die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Gipfel im Ortlergebiet begleitet. Die nun nach ihm benannte Variante am Normalweg ist ein Gedenken an den Alpinisten und ehrt Reinstadlers Initiative, die durch Stein- und Eisschlag zunehmend gefährliche Passage meiden zu können. Damit bleibt sein Name unmittelbar mit jenem Berg verbunden, an dem er über viele Jahre als Bergführer und Bergretter tätig war.

Text von Lubika Brechtel

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H. Eiseltschick

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