Frage: Berücksichtigt die Schwierigkeit eines Klettersteigs auch vorhandene Steighilfen?
Anne, per E-Mail: Ich gehe gerne Klettersteige aber noch nicht lange. Es gibt ja die Schwierigkeitsbewertung für Klettersteige. Ist darin auch berücksichtigt, ob es Steighilfen für die Füße gibt? Das habe ich noch in keiner Beschreibung gefunden.
Antwort: Steighilfen fließen meist kaum in die Klettersteig-Bewertung ein
Antwort von Olaf: Tatsächlich ist es so, dass dieser Punkt in Topos von Klettersteigen in der Regel nicht gesondert vermerkt ist. Wenn überhaupt, findest du dazu Informationen im allgemeinen Text. Krampen, bzw. Tritte sind ja eine regionale oder nationale Sache. In Deutschland und Österreich findest du nur hier und da mal eine künstliche Tritthilfe. Gerade in älteren Steigen oft gar nicht.
Das bringt mit sich, dass der Fels auf vielbegangenen Steigen total abgeschmiert ist. Treten wird dann recht diffizil, man braucht mehr Armkraft. In Frankreich und Italien sind in Klettersteigen oft viel mehr Tritte angebracht. Natürlich haben diese auch Einfluss auf die Schwierigkeit. Ich habe aber den Eindruck, dass dieser Aspekt nicht voll in die Bewertung einfließt. Sprich: Klettersteige mit angebrachten Tritten sind leichter, solche ohne eher schwerer.
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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".



4 Kommentare
Kommentar schreibenAlso ich hab kürzlich einen KS in der Schweiz franzõsischer Bauart gemacht, laut Topo mehrere D-Stellen (=überhängend). Wegen der Tritthilfen kam es mir nicht wie D vor, eher C - C/D.
Auf der anderen Seite hab ich letztes Jahr den Kõllenspitze KS probiert, der ist ganz ohne Tritthilfen, da kamen mir die Stellen schwerer vor als angegeben.
Das Problem bei diesem KS ist: man kann oft nicht richtig stehen und man braucht daher viel Armkraft.
Es gibt nicht "den" Klettersteig. Natürlich finden sich Beispiele, die meine Aussage vermeintlich infrage stellen. Ich habe ja auch keine ultimative Antwort gegeben, sondern einen Trend skizziert. Dennoch: Ob ich am Fels antrete oder auf einer Krampe oder einem Steigbügel stehe, macht in vielen Fällen einen himmelweiten Unterschied. Besonders weniger trainierte/geübte Klettersteiggeher fühlen sich auf künstlichen Tritthilfen viel wohler und werden viel weniger Kraft aufwenden, als wenn sie auf vielleicht schmierigen (und dennoch großen) Tritten höhersteigen müssen. Der Tegelberg-Klettersteig oder der Kaiser-Max-Klettersteig an der Martinswand sind hier gute Beispiele. Eine einheitliche Bewertung für die Verwendung oder eben Nichtverwendung von künstlichen Tritthilfen gibt es nicht. Natürlich zählt immer der Gesamtanspruch. Aber dann sind wir wieder bei dem Aspekt oben: Auf künstlichen Tritthilfen steht man eben viel entspannter. Außerdem schmiert der Fels gerade bei beliebten Klettersteigen schnell ab, treten wird viel anspruchsvoller als im Neuzustand. Wenn dann noch feuchte/erdige Stellen zwischendurch zu queren sind (Tegelberg), hat der Erschließer das in seiner Schwierigkeitsangabe garantiert nicht "eingepreist". Das passiert bei künstlichen Tritthilfen eben nicht.
Was für eine schwache Antwort, von einem Bergführer würd ich mir da eigentlich mehr erwarten.
Selbstverständlich gehen Steighilfen in die Bewertung ein - eine senktechte Wand mit vielen Steighilfen ist C, die selbe Wand ohne Steighilfen ist E.
Dass es in Österreich und Deutschland wenig Steighilfen gäbe würd ich auch nicht unterschreiben. Ganz im Gegenteil, bei beispielsweise der Alpspitz-Ferrata (Deutschland) sind so viele Steighilfen montiert, dass man mehr auf Metall steigt als auf Fels
Hmmm, aus meiner Sicht stimmt das so nicht. Es gibt etliche Abschnitte und Stellen in Klettersteigen, die durch Metallbügel massiv entschärft wurden. Genau deshalb steht auch in Texten dazu "entschärft" als Begriff drin.
Mach mers mal konkret, Saulakopf-Klettersteig, D Abschnitt am Anfang, deutlich überhängend. Wären die ganzen Metallbügel nicht da, wäre das minimum D/E. Denn damit müsste sich der Kletterer rein am Seil - und nicht an einem waagrechten Bügel - mit den Armen hochschwingen. Die Füße wären fast ausschließlich mit Reibungskontakt an den Ballen am Fels dran.
Jetzt nehmen wir also die installierten Bügel, der Kletterer kann relativ "bequem" Leitermäßig an den Bügeln mit den Armen hochschwingen, seine Füße stehen sicher auf den unteren Bügeln und er muss keine extra Kraft zum Halten der Reibung aufwenden. Mehr noch - die Bügel ermöglichen es, dass man mit der Rastschlinge wenn gewünscht locker 2-3 Mal Pause im Überhang machen kann - genau weil die Rastschlinge nun in die Bügel gehängt werden kann. Und nicht nur ins senkrechte Metallseil, was bei einem Sturz zu schweren Verletzungen führen kann.
Die reale, faktische Schwierigkeit wird also sehr wohl deutlich beeinflusst davon, ob und vor allem wie viele Metallbügeltritte und -griffe in einem Klettersteig sind. Und auch die Gleichung "mehr Metallbügel = leichter als ohne die Bügel" stimmt in praktisch 100% der Fälle.
Kommen wir noch zu der Fragestellung von Anne:
Wenn Anne tatsächlich nur meinte, ob die Metallbügel in einer Topo extra erwähnt, "eingestuft", abgezählt enthalten sind - in diesem Fall stimmt es, dass "Metallbügel" kein erwähntes Kriterium in der Topo sind.
Aber um auf das Fazit zu kommen: Ohne (viel) Metallbügel wären sehr, sehr viele Klettersteige um eine oder eine halbe Schwierigkeitsstufe schwerer. Nur wird das nirgendwo erwähnt, wieso auch - denn dann müsste ja in der Topo was unnötiges und unsinniges stehen wie "ohne Metallbügel eigentlich D/E, aber so wie real gebaut ist es D".
Den Kletterer interessiert hier natürlich genau der real gebaute Zustand des Klettersteigs und nicht wie die Erbauer die Schwierigkeitseinstufung vor dem Bau "im Kopf" abgewogen haben oder wie der Steig ohne Metallbügel einzustufen wäre.