Premiere bei den Olympischen Spielen

"Fehler sind unverzeihlich": Hösch über seine Ambitionen im Ski Mountaineering

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina ist eine Sportart neu im Programm: Ski Mountaineering. Für Deutschland geht Finn Hösch an den Start. Er spricht über seine Medaillen-Ambitionen.

Finn Hösch im Bergauf beim ISMF World Cup.
© picture alliance / abaca | IPA Sport/ABACA

Olympia-Premiere im Ski Mountaineering

Sein Arbeitsgerät ist extrem schmal und leicht. Keine 800 Gramm wiegen die Ski, mit denen Finn Hösch schnellstmöglich Berge hochläuft und wieder hinunterfährt. Im Januar feierte der 23-Jährige seinen vierten Meistertitel im Skibergsteigen und wurde Deutscher Meister im Sprint. Mitte Februar steht das nächste große Karriere-Highlight in seiner jungen Profi-Karriere an: die Olympischen Spiele in Mailand-Cortina.

Denn Ski Mountaineering, kurz Skimo, ist zum ersten Mal eine olympische Sportart - und Hösch rechnet sich für die Wettbewerbe am 19. und 21. Februar im Stelvio-Ski-Centre in Bormio durchaus Medaillenchancen aus.

Hösch, in Starnberg geboren, verbrachte seine Kindheit am liebsten draußen in der Natur, erzählt er im Gespräch mit dem kicker. In seiner Jugend war er in der Leichtathletik aktiv, wurde 2019 unter anderem Bayerischer U-18-Meister im Crosslauf sowie über 1500 Meter in der Halle. Mit 15 Jahren wechselte er die Sportart - nachdem er bei einem Nachwuchscamp in den Rennsport des Skibergsteigens reinschnuppern konnte.

<p>Finn Hösch tritt ab dem 19. Januar bei den Olympischen Winterspielen 2026 für Deutschland an. </p>

Finn Hösch tritt ab dem 19. Januar bei den Olympischen Winterspielen 2026 für Deutschland an. 

© picture alliance/dpa | Uwe Lein

Der Weg vom ambitionierten Hobbysportler zum Profiathleten war ein "schleichender Übergang. Vor einigen Jahren war das für mich noch undenkbar, vom Skibergsteigen leben zu können. Mit der Förderung der Bundeswehr ist das jetzt möglich", sagt Hösch. Seit drei Jahren ist er Spitzensportler bei der Bundeswehr. Seit vergangenem Mai nun Vollprofi. Einen Olympia-Traum hatte er als Kind übrigens nicht, "weil es bislang einfach nicht olympisch war. Bei der Premiere dabei sein zu können, ist aber natürlich super cool", freut er sich.

Bei Olympia liegt der Fokus auf den kurzen Distanzen, dem Sprint und der Mixed-Staffel. Wer die Skimo-Wettbewerbe im Fernsehen sehen will, darf nicht zu spät einschalten. Der Sprint-Wettbewerb dauert gerade einmal um die drei Minuten.

Der Aufstieg unterteilt sich in drei Phasen: Zuerst geht es auf den Skiern und Fellen in einem Parcours in Diamantform den Berg hinauf, in einer Wechselzone schnallen die Athletinnen und Athleten ihre Skier ab, verstauen sie an ihrem Rucksack und laufen zu Fuß den steilen Berg weiter hinauf. In der zweiten Wechselzone werden die Skier für den restlichen Aufstieg wieder angeschnallt.

Oben angekommen, werden die Felle blitzschnell abgezogen und in einer Art "Känguru-Beutel" im Rennanzug verstaut. In der Abfahrt geht es um Hindernisse zurück ins Ziel. Neben Schnelligkeit und Ausdauer ist vor allem gute Koordination gefragt. Jeder Fehler wird bei einer solch kurzen Renndauer direkt bestraft. Skibergsteiger müssen vielseitige Athleten sein. Ausdauer, Kraft, Technik - all das trainiert Hösch 20 bis 30 Stunden pro Woche. Im Winter auf Ski, im Sommer auf dem Rad oder beim Laufen.

Wo seine Stärken liegen? "Auf jeden Fall in den Wechseln", sagt Hösch. "Eigentlich darf man in keinem Bereich große Defizite haben, weder im Aufstieg, noch in der Abfahrt. Ich glaube, dass das Gesamtpaket bei mir ganz gut stimmt."

Die Athletinnen und Athleten messen sich im Sprint-Wettbewerb in einem K.-o.-System, sechs Starterinnen und Starter schaffen es schlussendlich ins Finale. "Der Sprint ist so kurzlebig, da sind Fehler unverzeihlich. Es ist also alles möglich", sagt Hösch. Als größte Konkurrenten im Ski Mountaineering nennt Hösch die Alpen-Anreiner Frankreich, Schweiz, Italien und Österreich.

Medaillen-Chancen in der Mixed-Staffel

Neben dem Sprint startet Hösch auch in der Mixed-Staffel. Seine Teampartnerin Tatjana Paller, früher eine erfolgreiche Bahnrad-Fahrerin, ist mittlerweile Deutschlands erfolgreichste Skimo-Athletin. Bei der WM im vergangenen Jahr gewann die 30-Jährige Bronze, im Januar wurde sie Deutsche Meisterin im Sprint und Vertical. In dieser Disziplin wird ausschließlich auf Skiern und Fellen aufgestiegen. Die 19-jährige Helena Euringer aus komplettiert das deutsche Aufgebot im Ski Mountaineering bei Olympia.

<p>Tatjana Paller und Finn Hösch treten zusammen in der Mixed-Staffel an.</p>

Tatjana Paller und Finn Hösch treten zusammen in der Mixed-Staffel an.

© picture alliance/dpa | Uwe Lein

In der Mixed-Staffel bei Olympia wird das Duo insgesamt vier Runden absolvieren. Zuerst geht die Frau auf die Strecke, danach der Mann. Jede Runde besteht aus zwei Anstiegen, einer Tragepassage und zwei Abfahrten, mit einer Dauer von sechs bis acht Minuten Rennzeit pro Runde. Anfang Dezember setzten Paller und Hösch ein erstes Ausrufezeichen. Beim Weltcup in Solitude/USA im vergangenen Dezember belegte das Duo den zweiten Platz, wegen eines verlorenen Steigfells und einer 30-Sekunden-Strafe wurden sie am Ende jedoch auf Rang vier strafversetzt. Trotzdem, "eine sehr gute Platzierung", bilanziert Hösch.

In den vergangenen Wochen standen neben dem Training, der Deutschen Meisterschaft und Weltcups zahlreiche Medien-Termine im Terminplan. Ungewohnter Trubel für die Sportart und ihre Athleten. "Die Aufmerksamkeit ist gerade enorm groß. Früher wäre mir der Umgang damit nicht so leicht gefallen. Mittlerweile komme ich aber ganz gut mit der Aufmerksamkeit zurecht, ich genieße das auch ein Stück weit. Das macht mich zu dem Sportler, der ich bin", sagt Hösch.

Hösch hat für die Olympia-Premiere in Italien große Ambitionen: "Klar, bei Olympia dabei zu sein, ist toll, aber auch nicht alles. Die sportliche Leistung muss passen. Nur so kann ich mich mit den anderen Athleten messen", sagt er.

Die Wettbewerbe im Ski Mountaineering finden am 19. und 21. Februar im Stelvio-Ski-Centre in Bormio statt.

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Text von Isabella Fischer

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