Laut einer dpa-Mitteilung ist die Steinbock-Familie an der Benediktenwand im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nicht mehr unter sich. Acht Tiere aus Wildfängen in der Schweiz sind am vergangenen Freitag (14.4.23) in die Region "umgezogen". Das soll den gefährdeten Genpol durchmischen. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium unter Michaela Kaniber (CSU) hatte zuvor die lange erwartete Genehmigung erteilt.
Bei dichtem Schneetreiben traf der Transport am Nachmittag an der Benediktenwand ein. "In zehn Jahren wird man wissen, ob sie sich vermischen und erfolgreich vermehren", sagte Iris Biebach von der Universität Zürich. Die Biologin hatte den Transport begleitet, der laut dpa schon um drei Uhr nachts im Wallis gestartet war.
Der zweijährige Bock und sieben Geißen waren zuvor im Walliser Hochgebirge eingefangen worden. Konkret am Weisshorn und im Mischabel, wo die Tiere mit Narkosepfeilen betäubt wurden. Tierärzte checkten zunächst den Zustand der Tiere und impften sie. Dann ging es los in Richtung Bayern.
Steinböcke an der Benediktenwand: Auswilderung und dann?
Untersuchungen belegen, dass durch den geringen Bestand zunehmend Inzucht droht. Eine Ansiedelung weiterer Tiere war bereits länger geplant, wurde jedoch durch bürokratische Hürden und strenge Auflagen verzögert. Zwei Jahre dauerte das Verfahren an. Die Auswilderung kostete etwa 100.000 Euro. 10.000 Euro seien Spenden, die restlichen 90.000 Euro werden vom Landesjagdverband gestemmt. Nach zehn Jahren soll der Genpol der Tiere erneut in Augenschein genommen werden.
Geschichte der Steinböcke in den Alpen & an der Benediktenwand
Die Steinbock-Population an der "Benewand" nahm 1959 ihren Anfang, als sechs Tiere aus dem benachbarten Tirol einwanderten. 1967 folgte die erste Ansiedlung von Tieren aus der Schweiz. Bis zu 120 Exemplare lebten anschließend in dem Gebiet. Aktuell umfasst das Rudel rund 100 Tiere.
Derzeit gibt es in den Bayerischen Alpen insgesamt etwa 800 Steinböcke, die meisten im Allgäu. Kleine Kolonien gibt es bei Oberaudorf und bei Berchtesgaden. Die Tiere werden bis zu 120 Kilogramm schwer und leben in den Kammlagen der Hochgebirge. Auch im Winter steigen sie nicht in die Täler hinab. An der nur knapp 1800 Meter hohen Benediktenwand im Isarwinkel ist ein natürlicher Austausch mit anderen Kolonien aufgrund der isolierten geographischen Lage kaum möglich.
Der Steinbock war um 1800 bis auf rund 100 Tiere im Gran-Paradiso-Massiv ausgerottet. Dank Wiederansiedelungsprojekten hat sich der Bestand stabilisiert. Der Alpensteinbock macht heute seinem Namen wieder alle Ehre: Er ist mit 45.000 Tieren im gesamten Alpenraum von Slowenien bis Frankreich verbreitet. Mehr als ein Drittel aller Populationen leben in der Schweiz.
Steinböcke kann man mit am besten bei einer Alpenüberquerung erleben. Hier haben wir 8 Tipps für eure Transalp zusammengefasst:


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